Auch wenn das Thema Digitalisierung schon seit Jahren ein fester Platzhalter für Zukunftsthemen auf Messen und Branchenevents der Bauwirtschaft ist und Buchstabenkürzel wie BIM, KI und andere fast täglich in der Berichterstattung auftauchen, muss doch aktuell konstatiert werden, dass die Geschwindigkeit der Umsetzung digitaler Aufgabenstellungen oder Anforderungen höchst unterschiedlich ausfällt.
In der traditionellen Trennung zwischen Planung und Bau in Deutschland wirkt der Einsatz von BIM wie ein Schrittmacher, der die Digitalisierung in der Planung kräftig vorantreibt, der auch im Bereich Bauausführung Möglichkeiten aufzeigt. Dennoch: Nach einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hinken deutsche Unternehmen der Bauwirtschaft im Einsatz von BIM im europäischen Vergleich deutlich hinterher.
Die Studie nennt als Vorreiter in der Digitalisierung des Bauens die Niederlande und Dänemark, weil dort öffentliche Auftraggeber früh auf digitale Lösungen setzten. In Deutschland werde erst jetzt langsam auf digitale Bauakten umgestellt, und es gebe kein einheitliches Vorgehen. Immerhin hatte die neue Bundesregierung einen Kurswechsel in der Digitalpolitik angekündigt und ein neues Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung gegründet.
Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger betonte Anfang Juli den Gestaltungsanspruch des neuen Bundesministeriums, dessen Ziel es sei, Deutschlands Verwaltung digital, effizient und bürgernah aufzustellen. Die Frage ist nur, ob und wann solche Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden? "Der digitale Aufbruch in der deutschen Verwaltung verläuft stockend. Statt einer klaren Vision gab es bisher ziellose Einzelaktivitäten. Die neue Bundesregierung muss neue Wege gehen, wenn sie bei der Digitalisierung erfolgreich sein will", lautete die fast zeitgleiche Handlungsempfehlung des Bundesrechnungshofes im Bereich "Digitalisierung" an Bundestag und Bundesregierung.
"Unsere Verwaltung steckt vielerorts noch in der Steinzeit – anders kann man es nicht sagen", kommentiert Michael Gilka, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB), die aktuelle Situation. Es brauche jetzt endlich den Mut zur Veränderung und klare Zielvorgaben.