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Leuchtturm

Es ist erst ein paar Monate her, als die Bürger der Stadt Marburg entschieden hatten, den Autoverkehr in der Stadt nicht zugunsten der stärkeren Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs per Bus und Bahn zu halbieren.

Nach dem Bürgerentscheid sollte über neue Zielgrößen diskutiert werden. Aber bereits 2019 hatte die hessische Universitätsstadt nach eigenen Angaben einen Klimanotstand ausgerufen und sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde bereits 2021 mit der Umstellung von Bussen mit Verbrennungsmotoren auf Busse mit elektrischem Antrieb und Batterien begonnen – und 2023 der Antrag auf Planfeststellung für eine neues Leuchtturmprojekt gestellt: einen Oberleitungs-Busverkehr auf zwei Buslinien der Stadt. Aufmerksame Zeitgenossen, die nun anmerken werden, dass Ende 2024 bereits ein hessisches Oberleitungs-Leuchtturmvorhaben mit dem Stopp der E-Lkw-Autobahnprojekte aufgrund technischer Schwierigkeiten und ökonomischer Fragwürdigkeit beerdigt wurde, muss eingeräumt werden, dass dieses Projekt von vornherein ökonomisch auf nicht tragfähigen Säulen ruhte. "Aufgrund des hohen Investitionsvolumens kann die Umsetzung des Vorhabens nur erfolgen, wenn entsprechende Zuwendungen des Bundes und des Landes Hessen zur Verfügung stehen", informierten seinerzeit die Stadtwerke Marburg als Betreiber des ÖPNV der Stadt, die sich als hundertprozentige Tochter der Stadt Marburg ebenfalls dem Ziel der Klimaneutralität verpflichtet sieht. Es gehe um Investitionskosten von rund 45 Millionen Euro, von denen die Stadt Marburg im günstigsten Fall rund 8,6 Millionen Euro selbst stemmen müsste. "Das Vorhaben im wahrsten Sinn des Wortes auf die Straße bringen, können wir als Stadt nur mit Hilfe von Zuwendungen Dritter", hatte Marburgs Oberbürgermeister Spies jüngst eingeräumt, die Stadt hatte im vergangenen Jahr eine Haushaltssperre verhängt. Der Bund habe zwar die Planfeststellung finanziert, nun fehlten aber Mittel für das Projekt aus Berlin – die Bundesförderungen seien abgesagt. Nun hoffe man auf eine Neuauflage des Förderprogramms im Rahmen des Sondervermögens Infrastruktur des Bundes. Es bleibt also abzuwarten, ob in Marburg ein neuer Leuchtturm gebaut werden darf.

Kai-Werner Fajga

Kai-Werner Fajga

Chefredakteur Allgemeine Bauzeitung

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