Zur Feier seines 125-jährigen Jubiläums bekam der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) einen denkbar "großen Bahnhof" in Berlin. Bundeskanzler Olaf Scholz, der regierende Bürgermeister der Stadt Berlin, Kai Wegner, und Bundesbauministerin Klara Geywitz machten dem Traditionsverband ihre Aufwartung. Selbstredend fand in allen Wortbeiträgen das Thema Einbruch im Wohnungsbau seinen entsprechenden Niederschlag. Bundeskanzler Olaf Scholz etwa sah aber erste Zeichen der Entspannung. "Vieles spricht dafür, dass sich der Wohnungsbau jetzt stabilisieren könnte", sagte der Kanzler.
Die Bundesregierung investiere aber erheblich in den Wohnungs-, Brücken- und Infrastrukturbau – allein in diesem Jahr 26 Milliarden Euro in die Verkehrsinfrastruktur. Wichtig sei nun, dass Unternehmen investierten, dass "jetzt wirklich mit Deutschlandtempo losgelegt wird", sagte Scholz. Bundesbauministerin Geywitz warf eher scherzhaft ein, dass im Bausektor derzeit keine Partystimmung herrsche, aber dass das Bauen ja nicht grundsätzlich eingestellt worden sei – die Frage der Rentabilität stelle sich derzeit aber "anders" dar.Es gebe mehrere Instrumente wie Zinssenkungen und Fördermöglichkeiten, die auch vom Bund eingesetzt würden.
Die Ministerin verwies auch auf den Umstand, dass in der Vergangenheit letztlich alle drei staatlichen Ebenen mit Kommunen, Bund und Länder in Bauprozesse involviert seien. "Das ging eine ganze Weile gut, jetzt geht es eindeutig nicht mehr", bekannte Geywitz und daraus müssten alle drei politischen Ebenen ihre Schlussfolgerung ziehen. Insgesamt hinterließen die politischen Vertreter den Eindruck, dass der Ernst der Situation insbesondere im Wohnungsbau erkannt worden ist und dass verschiedene Maßnahmen eingeleitet worden sind, um dem abzuhelfen. WolfgangSchubert-Raab, Präsident des Deutschen Baugewerbes, machte deutlich, dass für den Verband die Rahmenbedingungen im Wohnungsbau derzeit an mehreren Stellen nicht korrekt sind und es nicht nur an Planungssicherheit und Aufträgen fehlt.
Es gebe zu viel "politisches Hickhack". Man könne das einem Bauunternehmer nicht mehr erklären, der jetzt um die Beschäftigung seiner Mitarbeiter kämpfe. Auch das Thema Bürokratieabbau solle endlich ernst genommen werden. Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts zu weiter rückläufigen Baugenehmigungen im Frühjahr 2024 kommentierte der Verband einen Tag nach dem Event mit: "Hier steht jetzt eine Branche am Scheideweg, die Beschäftigten halten zu können."