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Verlagerung

Bundeskanzler Merz kündigte Reformen an, doch die erhoffte Euphorie bleibt aus. Deutsche Unternehmen planen Stellenabbau und Produktionsverlagerungen ins Ausland. Selbst VW und Stihl erweitern im Ausland, kritisieren die Standortbedingungen in Deutschland. Die geplanten Maßnahmen der Regierung, wie

Kommentar
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU, r-l) verfolgt neben Lars Klingbeil (SPD), Bundesminister der Finanzen, die Bundestagsdebatte zum "Herbst der Reformen". Ein Stimmungsumschwung in den deutschen Unternehmen sei bisher noch nicht eingetreten, kommentiert ABZ-Chefredateur Kai-Werner Fajga. | Foto: picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Anfang Oktober kündigte Bundeskanzler Merz einen Herbst der Reformen an, man müsse Veränderungen zulassen, "wagen wir einen neuen Aufbruch" forderte Merz auf. Die Regierung will es anpacken, lautete eine Botschaft, die in ähnlicher Form bereits zum Start der neuen Regierung zu hören war.

Freilich darf man nach nun weiteren vier Wochen nicht allzu Großes erwarten – aber eine Wirkung oder eine "Jetzt aber!"-Euphorie stellten sich bisher nicht ein. Die aktuelle Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) konstatiert nüchtern, dass ein Stimmungsumschwung in den deutschen Unternehmen und eine Konjunkturwende mit einer ausgeprägten Aufschwungsqualität sich nicht erkennen ließen. Die deutsche Wirtschaft stehe vor einem weiteren schwierigen Jahr.

Laut dem Institut planen mehr als ein Drittel der Unternehmen einen Stellenabbau und niedrigere Investitionsbudgets, nur jedes siebte will neue Arbeitsplätze schaffen. Spätestens Mitte 2024 wiesen Studien darauf hin, dass mittelständische Unternehmen Produktionsverlagerungen ins Ausland planten, im Herbst 2024 warnte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau vor einer Abwanderung der Industrie aus der Bundesrepublik. Meldungen zu Massenentlassungen seit Anfang 2025 nähren Diskussionen um die Deindustrialisierung in Deutschland weiter.

Die jüngsten Beispiele dieses Trends lieferten VW und Stihl: Während bei Volkswagen hierzulande Kapazitäten abgebaut werden oder stillstehen, wurde die Erweiterung eines Nutzfahrzeugwerks in Polen bekannt gegeben – Investitionssume 800 Millionen Euro. Auch das Familienunternehmen Stihl hatte länger die Standortbedingungen in Deutschland kritisiert und die Eröffnung seines ersten Akku-Werkes in Rumänien bekannt gegeben – Investitionsvolumen 125 Millionen Euro.

Ob die von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche vor Kurzem angekündigte Senkung des Industriestrompreises ab Januar 2026, oder das erneute Beteuern, dass jetzt Sozialsysteme reformiert, Bürokratie spürbar zurückgebaut und Lieferketten widerstandsfähiger gemacht werden sollen, bei der Industrie auf fruchtbaren Boden fallen, bleibt mehr als fraglich.

Kai-Werner Fajga

Kai-Werner Fajga

Chefredakteur Allgemeine Bauzeitung

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