Anlässlich der Fachmesse für die Immobilienwirtschaft Expo Real, die jüngst in München stattfand, wurde eine Studie zur aktuellen Entwicklung des sozialen Wohnungsbaus in Deutschland publiziert, die für Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit sorgt. Laut der Studie fehlen in Westdeutschland mittlerweile 1,2 Millionen Wohnungen.
Der Mangel ist nach Ansicht der Autoren so dramatisch, dass die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland insgesamt gefährdet werde und wie eine Wachstumsbremse wirke. Gefordert wird ein grundlegender Kurswechsel der Wohnungspolitik. Durchgeführt wurde die Studie mit dem Titel "Wohnen im Lebenszyklus" vom renommierten Pestel-Institut aus Hannover, das vor rund eineinhalb Jahren mit einer ähnlichen Studie zum sozialen Wohnungsbau für Zündstoff in der politischen Diskussion sorgte.
Im Januar 2024 hatte das Institut einen Wohnungsmangel von 910.000 Sozialwohnungen festgestellt, die damalige Bundesbauministerin Klara Geywitz bezeichnete die Zahlen als "hochgradig unseriös" und warf den Autoren vor, sich Zahlen ausgedacht zu haben. Der damalige Träger der Studie, das Bündnis "Soziales Wohnen" wies die Kritik als "untauglichen Versuch" zurück, die Ergebnisse der Studie zu untergraben. "Die Lage spitzt sich zu", schätzt Pestel-Chefökonom Matthias Günther die Situation heute angesichts der Zunahme des Bedarfs ein. Eine Verbesserung im Wohnungsbau ist nicht absehbar, lautet eine nüchterne Erkenntnis des 28 Druckseiten umfassenden Werks.
Es bedürfe jetzt "einer breiten Unterstützung des gesamten Wohnungsbaus"; eine weitere Diskussion um Programme, die Ende 2026 oder Anfang 2027 eingeführt werden könnten, sei in der aktuellen Situation wenig hilfreich. Die Autoren plädieren für eine "unmittelbar einsetzende und für einen überschaubaren Zeitraum verlässliche Förderung" alle Segmente des Wohnungsbaus.
Deutlich weiter gehen teilweise die Forderungen von Verbänden, etwa nach einem bundesweiten Mietenstopp, dem Ausbau der Mietpreisbremse, der Stärkung der Mietspiegel und einer Absenkung überhöhter Mieten. Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum sei eine "der größten sozialen Herausforderungen unserer Zeit". Man darf gespannt sein, ob solche Forderungen auf fruchtbaren Boden in Berlin fallen.