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Sanierung des Sammlers Vonderort

Maßgeschneiderte Lösung mit GFK-Kurzrohrlining überzeugt in Bottrop

Bei der Baumaßnahme wurden auch zwei GFK-Tangentialschächte eingebaut.

Bottrop (ABZ). – Im Auftrag der Emschergenossenschaft ist der mehr als 80 Jahre alte Sammler Vonderort in Bottrop mittels GFK-Kurzrohrlining saniert worden. Aufgrund des guten Handlings, der sehr guten Fließeigenschaften und der langen Lebensdauer der glasfaserverstärkten Kunststoffrohre hatte sich das GFK-Einzelrohrlining als beste Sanierungslösung für die Situation vor Ort durchgesetzt, bei der zusätzlich ein Schmutzwasserpumpwerk für die Deutsche Bahn AG errichtet wurde.

Das gute Zusammenspiel zwischen der planenden Bockermann Fritze IngenieurConsult GmbH, Enger, dem GFK-Rohrsystemhersteller Amiblu Germany GmbH und der bauausführenden Aarsleff Rohrsanierung GmbH, Niederlassung Münster, machte schnelle Baufortschritte auf der insgesamt 265 m langen Kanalstrecke möglich.

Reibungsloser hätte es auf der Baustelle in Bottrop-Vonderort an der Grenze zu Oberhausen nicht laufen können, da sind sich die beteiligten Baupartner einig. Gemeinsam konnten sie die Arbeiten am Sammler Vonderort nach nur knapp zehn Wochen erfolgreich beenden. Diese kurze Bauzeit ist vor allem bemerkenswert, wenn man die Herausforderungen vor Ort berücksichtigt: Aufgabe war es, für die Emschergenossenschaft den bestehenden, mehr als 80 Jahre alten Sammler zu sanieren.

Ein Profilwechsel im Sammler, eine S-Kurve, die nicht aus dem Lageplan ersichtlich war und ein deutlich kleiner dimensionierter neuer Kanal waren nur einige der Randbedingungen, die die Baustelle selbst für die Profis zu etwas Besonderem machten. Zudem mussten im Vorfeld die einzelnen Zuläufe auf ihre Funktion geprüft und der Zugangsverkehr trotz Vollsperrung für die Mitarbeiter eines sich in der Nähe befindlichen Stellwerks der DB jederzeit möglich gemacht werden.

Durchgeführt wurde die Sanierung mittels GFK-Kurzrohrlining. Die Entscheidung zugunsten einer geschlossenen Bauweise wurde getroffen, da aufgrund der beengten Platzverhältnisse im Bereich einer Bahnbrücke nicht mit Baumaschinen oder mit einem Verbau gearbeitet werden konnte. "Zudem galt es das Stellwerk zu berücksichtigen", erklärt Amiblu-Gebietsverkaufsleiter Hörnemann. "Da es sich hierbei um das einzige Stellwerk im Umkreis handelt, hätte eine offene Verlegung zu einem Verkehrschaos in der gesamten Region geführt. Mit unseren unterirdisch verlegten GFK-Rohren waren Beeinträchtigungen des Bahnverkehrs dagegen überhaupt kein Thema."

Stattdessen wurden zwei Baugruben mit einer Größe von jeweils 3 x 6 m eingerichtet, um die insgesamt 265 m Altkanal zu sanieren. Über diese beiden, rund 200 m voneinander entfernt liegenden Baugruben installierten die Kollegen von Aarsleff vorwiegend Rohre mit einer Baulänge von 2,35 m; in Kurven schoben sie kürzere Längen von 0,5 m und 1 m ein. Eine der Baugruben diente dabei dem Einbringen der Einzelrohre in beide Richtungen. Da der Altsammler Richtungswechsel, verdeckte Schächte und verdeckte Übergänge aufwies, hatte das Planungsbüro im Vorfeld der Maßnahme Laserscans zur Erfassung des Profils durchführen lassen. Diese konnten auch vom bauausführenden Unternehmen für den Rohrverlegeplan genutzt werden. Mit einer Höhe von 1,95 m bis 2,55 m und einer Breite von 1,2 m bis 1,5 m war der Altkanal im Kastenprofil mit Trockenwetterrinne aus Ortbeton deutlich größer dimensioniert als es nach den Planungen durch Bockermann Fritze hydraulisch erforderlich war. Daher konnten bei der Sanierung wesentlich kleinere GFK-Profile eingebaut werden.

"Das ist eine komfortable Situation. Auf diese Weise konnten wir das ideale Profil für die Gegebenheiten vor Ort finden", so Hörnemann. Zum Einsatz kamen glasfaserverstärkte Kunststoffrohre Amiblu NC Line, das heißt nicht kreisrunde Profile, die für die Baustelle maßgeschneidert wurden: ein Regel-Eiprofil und ein gedrücktes Ei-Profil mit Trockenwetterrinne. Auf 210 m Länge wurden GFK-Rohre 900/1350 und auf 55 m GFK-Profile 1000/1250 sowie zwei GFK-Tangentialschächte eingebaut.

Mit dem Handling der GFK-Rohre zeigte sich die Aarsleff-Kolonne äußerst zufrieden. Besonders das geringe Gewicht, wodurch sich die Produkte auf der Baustelle gut bewegen ließen, konnte überzeugen. Anfangs hatte das Planungsbüro noch eine Sanierungsvariante mit Spritzbeton und zusätzlicher Bewehrung in Erwägung gezogen. Dass letztlich aber die Entscheidung für das GFK-Kurzrohrrlining fiel, lag vor allem an der einfachen Installation. Dipl.-Ing. Malte Nowak von Bockermann Fritze: "Das Verfahren mit Spritzbeton ist für die Arbeiter, die dabei über Kopf arbeiten müssen, sehr anstrengend. Wir haben uns daher für die praktikablere und wirtschaftlichere Sanierungslösung entschieden." Wirtschaftlich sind die abriebfesten, wartungsarmen Amiblu-GFK-Rohre auch, was ihren Abschreibungszeitraum anbelangt: Die erwartete Lebensdauer liegt bei 150 Jahren. Gegenüber der Methode mit Spritzbeton kann sich der Betreiber außerdem auf eine gleichbleibende Qualität der werkseitig hergestellten Neurohre verlassen. Insbesondere beim Einbau deutlich kleiner dimensionierter Rohre ist ein großer Ringraum zu verfüllen.

Um die Differenz zwischen Neu- und Altrohr zu überbrücken, mussten in Bottrop-Vonderort über 300 m³ Dämmer eingebracht werden. "Eine Gefahr hierbei war, dass die Rohre bei dem Vorgang aufschwimmen. Um das auszuschließen, haben wir den Dämmer kontrolliert lagenweise eingefüllt und die GFK-Rohre zusätzlich gegen Auftrieb gesichert", beschreibt Oberbauleiter Johannes Leewe von Aarsleff den Ablauf auf der Baustelle.

Mit dem Dimensionswechsel entstand allerdings noch ein weiteres Problem: Die alten Zuläufe lagen im Altkanal oberhalb des Kämpfers und mussten daher verlängert werden. Auch hier galt es beim Verdämmen aufzupassen: Denn nur in dichte Zuläufe konnte der Dämmer nicht versehentlich hineinlaufen. "Dass die Aarsleff Rohrsanierung GmbH jahrzehntelange Erfahrungen mit GFK-Kurzrohrlining hat, war für den schnellen Baufortschritt sicherlich nicht hinderlich", so Leewe, "aber auch sonst lief alles perfekt: Das Ingenieurbüro hatte die Baustelle sehr gut geplant und von der Niederlassung in Gladbeck aus überwacht, die Abstimmung mit Amiblu lief bestens und dass wir keine Rücksicht auf Straßenverkehr nehmen mussten, war ebenfalls ideal." Mit Abschluss der Arbeiten schrieben die Beteiligten ein Stück Geschichte: Die Sanierung des Sammlers Vonderort ist nämlich eine Teilmaßnahme des prestigeträchtigen Emscher-Umbaus, bei dem der lange Zeit als offener Abwasserkanal genutzte Fluss im Herzen des Ruhrgebiets von Schmutzwasser befreit und renaturiert wird.

Der erste Spatenstich für dieses Generationenprojekt fand bereits 1992 statt. Bis Ende 2021 soll die Emscher komplett vom Abwasser befreit sein. Auch in Bottrop beim Sammler Vonderort galt es, ein Trennsystem einzuführen, da der Sammler in einen Seitenarm der Emscher entwässert. "Bisher war das Schmutzwasser vom DB-Stellwerk in den Sammler eingeleitet worden und hat sich dort mit dem Misch- und Regenwasser aus dem Einzugsgebiet gemischt. Wir haben daher eine neue PE-Druckrohrleitung DN 80 in den Ringraum des Kurzrohrlining geplant. Das Schmutzwasser fließt nun hierüber entgegen der Richtung im Regenwasserkanal", beschreibt Nowak.

Schon jetzt hat sich die Region zwischen Holzwickede und Dinslaken infolge des Emscher-Umbaus zum Positiven verändert. Die Maßnahme am Sammler Vonderort ist dabei ein weiterer Schritt in Richtung Renaturierung der Flussumgebung.


Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 14/2021.

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