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"IFAT impact Panel Diskussion"

Konsequente Kreislaufwirtschaft gefordert

Multimediale Panell-Diskussion: Auf den Bildschirmen (v. l.): Patrick Hasenkamp, Präsident Municipal Waste Europe und William Neale, Berater für Circular Economy der EU Kommission. Vor Ort (v. l.): Peter Kurth, Präsident Europäische Föderation der Entsorgungswirtschaft (FEAD), Lynette Chung, Head of Global Sustainability der Covestro AG, Cherno Jobatey, Journalist und TV-Moderator, Dr. Christoph Epping, Leiter "Ressourcenschutz, Kreislaufwirtschaft" im Bundesumweltministerium und Dr. Sebastian Porkert, Geschäftsführer des Unternehmens Ecofario.

Vor Kurzem startete das IFAT-Netzwerk mit der "IFAT impact Panel Diskussion" ein neues digitales Informationsformat. Experten aus Politik undUmweltwirtschaft diskutierten über die Zusammenhängezwischen Corona-Pandemie, "Green Deal" und konsequenter Kreislaufwirtschaft.

München (ABZ). – "Die Corona-Krise wird vorübergehen, aber die Umweltprobleme werden bleiben", so Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München. Er referierte zur Eröffnung der digitalen Diskussionsrunde zum Thema "Umwelttechnologien in Zeiten von Corona und darüber hinaus: Beschleuniger für eine ökologisch nachhaltige Wirtschaft". Bundesumweltministerin Svenja Schulze zeigte sich in einer Videobotschaft optimistisch: "Der 'European Green Deal' kann unsere Wirtschaft so umbauen, dass das Europa der Zukunft klimaneutral, ressourceneffizienter und wettbewerbsfähiger sein wird." Auch Virginijus Sinkevic?ius, EU-Kommissar für Umwelt, Ozeane und Fischerei, wurde per Viedostream hinzugeschaltet und zeigte sich von der Wirksamkeit des "Green Deals" überzeugt: Er habe das Potenzial, das künftige Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch abzukoppeln.

Konsens bestand in der Diskussion zwischen den Vertretern aus Politik und Wirtschaft darüber, dass sowohl zum Gelingen des "Green Deals" als auch zum Gelingen des Aktionsplans "Circular Economy" starke, intelligente und langfristig verlässliche gesetzliche Vorgaben nötig sind. Dr. Christoph Epping, der die Unterabteilung Ressourcenschutz und Kreislaufwirtschaft im Bundesumweltministerium leitet, stellte klar, dass zunächst die Verantwortlichkeiten für eine vollständig funktionierende Kreislaufwirtschaft festgelegt werden müssten. "Soll zum Beispiel die Autoindustrie verpflichtet werden, Rezyklate einzusetzen, soll der öffentliche Sektor die Verantwortung übernehmen oder sollen die Produzenten, die Güter auf den Markt bringen, in die Pflicht genommen werden?", so Dr. Epping. Während in Europa all diese Wege denkbar seien, ist nach seiner Einschätzung in anderen Teilen der Welt nur die Produzentenverantwortung sinnvoll. Das liege dort vor allem an mangelnder Infrastruktur.

William Neale, Berater für Kreislaufwirtschaft und grünes Wachstum in der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission, erwartet von der Covid-19-Pandemie keine nennenswerten Hemmnisse auf dem derzeit eingeschlagenen politischen Weg in Bezug auf den "Green Deal" und den "Aktionsplan Circular Economy".

Etwas anders bewertete hingegen Dr. Sebastian Porkert, Geschäftsführer des auf die Filtration von Mikroplastik und Schadstoffe konzentrierten Münchner Start-ups Ecofario, die aktuelle Situation. Gerade für junge Unternehmen sei die Situation nicht einfach: "Die Corona-Krise hat den Schwung der grünen Gründerlandschaft signifikant abgebremst", so sein Statement. Zum einen zeige sich dies in reduziertem Investitionsverhalten, zum anderen an fehlenden Möglichkeiten zum Netzwerken.

Die Zuschauer, die sich über ihre Endgeräte zur Diskussion zuschalten und an Umfragen teilnehmen konnten, bewerteten die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Umweltbranche unterschiedlich. Demnach erwarten 40 Prozent innerhalb der kommenden fünf Jahre einen positiven Effekt der Corona-Krise auf die Nachfrage nach Umwelttechnologien (38 Prozent waren unentschiedenen). Gleichzeitig gingen 39 Prozent beim Blick auf das Verhältnis zwischen "Green Deal" und dem Covid-19-Konjunkturprogramm der EU von einer "Langzeit-Beziehung" aus. Das soll bedeuten, dass vermutlich erst Maßnahmen zur wirtschaftlichen Erholung umgesetzt werden, bevor grünes Wachstum gepflegt werde. 33 Prozent der Umfrageteilnehmer haben sich aktuell noch keine Einschätzung zugetraut.

Die Experten vor Ort waren sich einig, dass die Umsetzung des "Green Deals" nur gelingen kann, wenn alle Beteiligten – Politik, private und kommunale Wirtschaft sowie die Bevölkerung – die Ziele des Vorhabens geschlossen angehen. "Die Corona-Krise hat gezeigt, dass in Europa ein gemeinsames Agieren möglich ist", stellte Patrick Hasenkamp heraus. "Diesen Teamgeist müssen wir uns beim auf die Nachhaltigkeitsziele ausgerichteten Neustart der europäischen und nationalen Wirtschaft erhalten", resümierte der Vizepräsident des Verbandes Kommunaler Unternehmen e. V. und Präsident des Dachverbandes Municipal Waste Europe.

Um eine umfassende Kreislaufwirtschaft in vielen europäischen Ländern umsetzen zu können, hat Peter Kurth dringend dazu geraten, Deponien für unbehandelte Siedlungsabfälle abzuschaffen. "Dies muss das erste Ziel der aktuellen deutschen EU-Ratspräsidentschaft sein", erläuterte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) und der Europäischen Föderation der Entsorgungswirtschaft (FEAD). Um den Recyclingmarkt zu stimulieren, forderte Kurth einen gesetzlich vorgeschriebenen 20-prozentigen Mindesteinsatz von Rezyklaten in der fertigenden Industrie.

Dieser pauschalen Forderung konnte Lynette Chung für das Geschäftsfeld ihres Unternehmens so nicht zustimmen. Die Leiterin der Abteilung Globale Nachhaltigkeit bei Covestro, einem Hersteller von Hightech-Kunststoffen, sprach sich hingegen dafür aus, bei der jeweiligen Recyclingquote materialspezifische Faktoren zu berücksichtigen. Dazu würden Verfügbar- und Finanzierbarkeit sowie Produkteigenschaften und Produktsicherheit zählen. Auch ging es um die Verfügbarkeit von Daten und um Digitalisierungslösungen. "Wenn es gelingt, Produkte mit einem digitalen Materialienpass auszustatten, können die Recyclingunternehmen bessere Produkte erzielen", so die Vertreterin der Kunststoffindustrie.

Die Panel-Diskussion war nach Aussage der Verantwortlichen ein erfolgreicher Auftakt der neuen Wissensplattform IFAT impact.

Vom 8. bis 10. September 2020 startet das Format mit einem "Business Summit" in eine neue Runde. Im Fokus werden B2B-Networking, Produktpräsentationen und neue Konferenzprogramme stehen. Der "Business Summit" findet ebenfalls komplett digitalisiert statt. Weitere Informationen dazu finden Interessierte unter www.ifat.de.

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