Historischer Tag

Grundstein für Stuttgart 21 gelegt

Stuttgart (dpa). – Bahnchef Rüdiger Grube hat bei der Grundsteinlegung für das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 Vorwürfe einer Kostenexplosion zurückgewiesen. Zwar seien bei der jüngsten Bestandsaufnahme neue Kostenrisiken entdeckt worden, doch dafür gebe es genügend Vorsorge. "Selbst wenn alle Risiken eintreten, bliebe Stuttgart 21 im Rahmen von 6,5 Mrd. Euro", betonte er in Stuttgart. Am Rande der Zeremonie gab es Proteste von etwa 150 Gegnern. Vor sechs Jahren wollten Kritiker Stuttgart 21 mit Massenprotesten verhindern, die teils blutig ausgingen.

Die Grundsteinlegung war der Startschuss für das Fundament des neuen Tiefbahnhofs, der seit Februar 2010 im Bau ist. Unmittelbar vor der Feier war ein Prüfbericht des Bundesrechnungshofes bekannt geworden, der dem Bundesverkehrsministerium attestiert, das Bahnprojekt nicht angemessen zu kontrollieren und mögliche "bedeutende finanzielle Risiken für den Bundeshaushalt" hinzunehmen. Dem Vernehmen nach kommt der Bundesrechnungshof in einem gesonderten Bericht auf einen Kostenrahmen von bis zu 10 Mrd. Euro. Grube äußerte sich verwundert. Die Kontrolleure seien weder auf der Baustelle gewesen noch hätten sie nach Daten und Fakten gefragt. Die Bonner Rechnungsprüfer wiederum können Grubes Kritik nicht nachvollziehen, wie ein Sprecher sagte. Über Jahre habe man bei den zuständigen Bundesministerien und der Bahn umfassend Daten erhoben. "Somit ist der Bundesrechnungshof bestens mit dem Projekt vertraut." Der Zeitplan, der eine Inbetriebnahme 2021 vorsieht, sei wegen Schlichtung, Stresstest und Volksabstimmung zwei Jahre im Verzug, sagte Grube. Das Datum sei deshalb "außerordentlich ambitioniert". Er betonte: "Aber es ist zu schaffen." Projektleiter Manfred Leger unterstrich mit Blick auf die weiteren Finanziers von Stadt, Land, Landesflughafen und Region Stuttgart: "Das können wir nur zusammen mit den Projektpartnern machen."

Bundesverkehrsstaatssekretär Norbert Barthle (CDU) sprach von einem "hochpolitischen Projekt". Es habe den ersten Volksentscheid in Baden-Württemberg ausgelöst. Dabei hatte im November 2011 eine Mehrheit der Baden-Württemberger für das Vorhaben plädiert. Vor diesem Hintergrund könne er nicht verstehen, "dass weder der Ministerpräsident, noch der Landesverkehrsminister noch der Oberbürgermeister der Stadt seinen Terminplan so sortieren konnte, dass eine Anwesenheit möglich wäre", betonte Barthle. Die Politiker der Grünen, die lange gegen das Vorhaben gekämpft hatten, waren der Einladung der Bahn mit Verweis auf andere Termine nicht gefolgt.

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) vertrat beim Festakt die grün-schwarze Landesregierung. Stuttgart werde durch das Projekt optimal in das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz eingebunden. "Eine Infrastruktur, die solche Qualitätssprünge ermöglicht, macht Baden-Württemberg für ansässige Betriebe, aber auch für potenziell neue Investoren noch attraktiver", sagte sie.

Die CDU-Politikerin, Grube, Barthle und weitere Beteiligte füllten und verschlossen bei der Feier ein Betonbehältnis mit einer Zeitkapsel. Sie enthält für nachfolgende Generationen u. a. aktuelle Zeitungen. Mit dabei war auch der Architekt des Tiefbahnhofes, Christoph Ingenhoven. Der Bau symbolisiere für ihn den Wechsel von der alten zur neuen Bahn, sagte er. Zudem überwinde Stuttgart damit seinen Ruf als eine allein auf das Auto ausgerichtete Stadt.

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