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Bauaussichten 2019

Baustoffindustrie erwartet stabile Entwicklung

Von Michael Basten, Hauptgeschäftsführer Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden, Berlin

Die Baustoffindustrie blickt auf ein insgesamt durchwachsenes Jahr 2018 zurück. Das Wachstum ist mit einem Anstieg der Produktion um real rd. 1 % weniger stark ausgefallen als noch vor einem Jahr erwartet. Hier ist der schwache Verlauf des ersten Quartals infolge von Witterungseffekten ebenso zu berücksichtigen wie die Tatsache, dass aufgrund begrenzter Transport- und Verarbeitungskapazitäten die Rückgänge vom Jahresanfang nur partiell wieder aufgeholt werden konnten.

Dennoch stehen die Konjunkturampeln für die Baustoffindustrie zum Jahresbeginn 2019 grundsätzlich auf grün. Angesichts der immer noch dynamischen Baunachfrage in allen Sparten und Zuwächsen sowohl bei den Baugenehmigungen als auch bei den Auftragseingängen im Bauhauptgewerbe ist für das neue Jahr von einem stabilen Wachstum auszugehen. Allerdings dürften auch 2019 Kapazitätsengpässe u. a. im Baugewerbe dämpfend wirken. Angesichts der insgesamt guten Aussichten werden sowohl die derzeitige Lage als auch die kurzfristigen Geschäftserwartungen von den Unternehmen der Baustoff-, Steine-und-Erden-Industrie positiv eingeschätzt. Der bbs erwartet damit im neuen Jahr eine Steigerung der Baustoffproduktion um real mindestens 1 %. Die erfreuliche Nachfrageentwicklung darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass baupolitisch nach wie vor erhebliche Herausforderungen bestehen. Dies gilt vor allem für den Wohnungsbau: Trotz verstärkter Bautätigkeit ziehen Mieten und Kaufpreise weiterhin so stark an, dass das Wohnen in Ballungsräumen für die Bezieher kleinerer und mittlerer Einkommen in vielen Fällen kaum mehr bezahlbar ist. Zur Entspannung des Marktes peilt die Bundesregierung für diese Wahlperiode den Bau von 1,5 Mio. Wohnungen an. Der bbs begrüßt dieses ambitionierte Ziel. Um es auch erreichen zu können, sind allerdings neben der schnellen Umsetzung der auf dem Wohngipfel verabschiedeten Wohnraumoffensive weitere Maßnahmen erforderlich. So kann nur begrüßt werden, dass die soziale Wohnraumförderung durch den Bund weitergeführt wird. Angesichts des massiven Rückgangs an Sozialwohnungen wäre jedoch statt der geplanten Abschmelzung der Förderung ab 2020 eine deutliche Aufstockung notwendig. Darüber hinaus müssen die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau dauerhaft und verlässlich verbessert werden, damit die Bauwirtschaft in neue Kapazitäten investieren kann; hierfür wäre die Anhebung der linearen Abschreibung im Mietwohnungsbau von derzeit 2 auf 3 % ein sinnvoller und sachgerechter Schritt.

Angesichts der Verfehlung der Klimaziele 2020 muss die Bundesregierung jetzt die Weichen stellen, um zumindest die verbindlichen Ziele für 2030 zu erreichen. Erhebliche Potentiale zur Treibhausgasreduktion liegen dabei in der Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudesektor. Daher ist es dringend notwendig, dass die Bundesregierung ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einhält und die steuerliche Förderung energetischer Sanierungen schnellstmöglich umsetzt. Insbesondere für Eigentümer selbstgenutzter Immobilien wäre dies eine attraktive Ergänzung der bestehenden Förderinstrumente.

Im Bereich der öffentlichen Infrastruktur befindet sich Deutschland insgesamt auf einem guten Weg. Durch den Investitionshochlauf bei den Bundesverkehrswegen und die verbesserte Einnahmensituation der Länder und vieler Kommunen ist es nun möglich, den aufgelaufenen Investitionsstau sukzessive abzubauen. Damit die vorhandenen Gelder möglichst schnell in Bauprojekte umgesetzt werden können, müssen aber auch die personellen Kapazitäten in der öffentlichen Verwaltung bedarfsgerecht erweitert werden. Um Planungs- und Genehmigungsverfahren im Verkehrsbereich zu vereinfachen und abzukürzen, bietet das bereits in Kraft getretene Planungsbeschleunigungsgesetz gute Ansätze. Zur weiteren Verkürzung von Planungszeiten wären ergänzende Maßnahmen wünschenswert, etwa die Einführung vereinfachter Genehmigungsverfahren bei Ersatzneubauten.

Alles in allem konnte die Bundesregierung 2018 wichtige bauwirtschaftliche Akzente setzen. Daran muss 2019 angeknüpft werden – mit der konsequenten Umsetzung des Koalitionsvertrags, einem überzeugenden Maßnahmenpaket für den Wohnungsbau sowie der weiteren Modernisierung der Infrastruktur. Die Baustoffindustrie wird gemeinsam mit der gesamten Wertschöpfungskette Bau dazu beitragen, die bestehenden baupolitischen Herausforderungen zu bewältigen und die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland im zunehmend unruhigen Fahrwasser auf Wachstumskurs zu halten.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 01/2019.

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