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Bodenplatte des Stadtquartiers am Tacheles ist bis zu 3 Meter dick

Neubau entsteht rund um Kunsthaus

Rund um das ehemalige Kunsthaus Tacheles entsteht in Berlin-Mitte basierend auf einer historischen Struktur ein neues Stadtquartier. Auf der 2,5 ha großen Grundfläche setzten die Verantwortlichen bereits den komplexen Unterbau, den Keller und die Tiefgarage um.

Berlin (ABZ). – Um das Kunsthaus Tacheles entsteht in Berlin ein neues Stadtquartier. Bis vor kurzem sind im Untergrund bereits 50 000 m³ Beton verbaut worden. Der Bauablauf musste präzise geplant werden. Die Betonmischer kamen fast im Minutentakt zur Baustelle.

Lange hat das Areal rund um das Kunsthaus Tacheles brachgelegen. Nun wird eine der letzten großen Lücken in Berlin-Mitte geschlossen. Die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron erarbeiteten einen Plan, der vorsieht, dass bis 2023 auf rund 85 000 m² sieben Wohnhäuser und drei Bürogebäude entstehen, ebenso wie Restaurants, Cafés und Einzelhandelsgeschäfte. Die denkmalgeschützte Ruine des ehemaligen Kunsthauses mit historischer Fassade wird derzeit saniert und in das Gesamtensemble integriert. Zukünftig soll das Gebäude wieder kulturell genutzt werden, heißt es. Das sei Vorgabe des Bezirks und entspreche auch den Vorstellungen der Architekten und des Projektentwicklers pwr development.

Nach langem Vorlauf beginnt demnächst die Bebauung der 2,5 ha großen Freifläche zwischen Oranienburger und Johannisstraße. Dabei wird die historische Stadtstruktur mit ihren Blockrändern aufgegriffen. In Anlehnung an die noch vor der Wende abgebrochene Bebauung rund um die ehemalige Friedrichstraßenpassage soll nun ein offenes Stadtquartier entstehen, das mit drei begrünten Plätzen realisiert wird.

2017 wurde mit den 280 000 m³ umfassenden Aushubarbeiten begonnen, anschließend sicherten die Arbeiter die Grube mit Spundwänden. Allein der Bau bis zur Oberkante Bordstein, der von der Köster GmbH ausgeführt wird, ist auf dieser Baustelle in innerstädtischer Lage eine logistische Meisterleistung. Als tragende Basis des Stadtquartiers dient eine teilweise bis zu 3 m dicke Bodenplatte. Bis zu drei Kellergeschosse und die Tiefgaragenplätze, sowie die Fahrrad- und Lastenräderstellplätze wurden als weiße Wanne ausgebildet.

Heidelberger Beton produzierte für das ausführende Bauunternehmen Köster unterschiedliche Betone. Einen Großteil davon im Betonwerk Neukölln. Gab es hohen Bedarf, konnten die Arbeiter auch auf die nahe gelegenen Werke Lindenberg, Rudow und Staaken ausweichen. Heidelberger Beton produzierte den Baustoff in den Typen C50/60; C40/50; C35/45; C30/37 und C20/25. Abgesehen von der letzten seien alle Ausführungen für wasserundurchlässige WU-Betone geeignet, verspricht der Hersteller.

Um die Untergeschosse fertigzustellen, nutzten die Arbeiter vor allem C30/37 und C35/45. Die festeren Betone C50/60 und C40/50 setzten sie in tragenden Bauteilen und Stützen ein. Damit der Beton über Betonpumpen weite Strecken zurücklegen konnte, um an den jeweiligen Einbauort zu gelangen, produzierte Heidelberger Beton ihn mit einer 16er-Körnung. Bis vor kurzem seien im Untergrund des Tacheles-Areals bereits 50 000 m³ Beton – in Liefergemeinschaft mit Berger Beton – verbaut worden, so die Verantwortlichen. Der Zement für die Baumaßnahmen, die unter Bordsteinkante ausgeführt wurden, kam aus dem HeidelbergCement-Werk in Königswusterhausen und umfasste 17 000 t. Wegen der großen Mengen Baumaterial und der beengten Innenstadtlage sowie wegen der Verkehrsbedingungen, musste der Bauablauf präzise geplant werden. "Köster bestellt in der Regel eine Woche im Voraus, das Lieferwerk entscheidet ad hoc, je nach Verkehrslage, ob dem frisch gemischten Beton Verzögerer beigefügt werden muss oder nicht", erklärt Hans Peter Scheffold von Heidelberger Beton.

Norm-konform muss Beton 90 Minuten nach Wassereingabe verbaut werden – bei 40 bis 60 Minuten Fahrzeit ist den Bauarbeitern nicht viel Spielraum geblieben. "Bei einem erforderlichen Lieferfluss von 48 m³/h kommen die Betonmischer – an manchen Tagen mit 8 m³ befüllt – fast im Minutentakt zur Baustelle", so der Betonfachmann. "Da ist es absolut erforderlich, dass der angelieferte Transportbeton sofort über die entsprechenden Betonpumpen bis zu seinem Einbauort geleitet wird."

Daher haben die Bauverantwortlichen grüne Pumpen mit unterschiedlichen Reichweiten vor Ort installiert. "Bei der Betonage Anfang Oktober pumpte eine unserer Autopumpen, die M 24, den Beton vom Straßenniveau aus 20 m tief in den Baugrund", schildert Andreas Keiser von Heidelberger Betonpumpen Region Nord-Ost. "Von dort geht es über Rohrleitungen weiter zur nächsten Betonage oder – wenn nötig – bis zum mobilen Betonverteiler." Der mit vier Auslegern bestückte hydraulische Betonverteiler BDH 16 Z4 lenkt den Beton weiter in verschiedene Richtungen und stammt vom dänischen HeidelbergCement-Unternehmen Pumps and Trucks. "Insgesamt können wir mit Unterstützung der Pumpen den Beton über eine Strecke von 150 m führen", so Keiser.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 23/2020.

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