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CO2-neutraler Wohnraum

Quartiersentwicklung in Überlingen am Bodensee hat Vorbildcharakter

Blick auf die neue Wohnsiedlung Schättlisberg mit vielen autofreien Flächen für die Bewohner. Die Autos stehen in den Tiefgaragen.

Überlingen (ABZ). – Die 180 Mietwohnungen umfassende Neubau-Wohnsiedlung im Gebiet "Schättlisberg" in Überlingen ist nicht nur ein Beispiel für den konsequenten Einsatz von PU-Dämmstoffen.

Das vorbildlich geplante Bauvorhaben wurde kürzlich als Teil des "Q5 Wohnquartiers Hildegardring/Schättlisberg" und gemeinsam mit einem Bauvorhaben der Stadt Stuttgart als eines von insgesamt sechs Leuchtturmprojekten im Rahmen eines Forschungsauftrags der Bundesregierung ausgewählt. Dabei erhalten das Stuttgarter und Überlinger Projekt unter der gemeinsamen Bezeichnung "Stadtquartier 2050" aus der Förderinitiative "Solares Bauen/Energieeffiziente Stadt" der Bundesministerien für Bildung und Forschung (BMBF) sowie Wirtschaft und Energie (BMWi) insgesamt 13,5 Millionen Euro für umfassende und zukunftsweisende Forschungen rund um klimaneutrales, sozialverträgliches und bezahlbares Bauen und Wohnen (Projektlaufzeit: 1. März 2018 bis 28. Februar 2023).

Über klima- oder CO2-neutrales Bauen wird viel gesprochen. Aber wie geht das? Im Einfamilienhausbau wird oft die Kraft der Sonne genutzt, effizient gedämmt und gezielt gelüftet. Im klassischen, mehrgeschossigen Mietwohnungsbau sieht die Situation dagegen grundlegend anders aus. Als ertragsorientierte Unternehmen unterliegen Wohnungsbaugesellschaften finanziellen Zwängen, von stetig steigenden Grundstückspreisen ganz zu schweigen.

Klug planen und preiswert bauen, ist im Segment des bezahlbaren Wohnbaus daher eine besonders herausfordernde Aufgabe. Dabei reicht der Blick auf die reine Bautechnik oder auf ein einzelnes Gebäude oft nicht aus. Zur flächendeckenden Umsetzung der Energiewende gilt es, die klimapolitischen Zielsetzungen von der Bundes-, über die Kreis-, bis auf die kommunale Quartiersebene konsequent herunterzubrechen und umzusetzen. Mit dem 2015 erstellten Energie- und Klimaschutzkonzept für den Bodenseekreis sowie dem Beschluss zur Erstellung eines Energie- und Klimaschutzkonzepts inklusive Energiemasterplan mit konkreten Quartiers- und Infrastrukturprojekten für die Stadt Überlingen verfügt die Region bereits heute über ein entsprechendes Leitbild und Rahmenwerk zur Umsetzung der energie- und klimaschutzpolitischen Ziele. Das Ziel in Überlingen ist es beispielsweise, den Energie-Masterplan "Überlingen 2020/2050" auf Quartiers- und Projektebene mit konkreten Infrastrukturprojekten umzusetzen, um so schrittweise ein klimaneutrales Wohnumfeld zu schaffen. Das Stadtquartier-2050-Projekt mit der Quartiersentwicklung in Überlingen zeigt eindrucksvoll, wie das funktionieren kann.

Für das neue Q5 Wohnquartier der Baugenossenschaft Überlingen eG (BGÜ) bedeutet das die Schaffung besonders energieeffizienter und bezahlbarer Wohnungen. Das 180 neue Wohnungen umfassende Quartier am Schättlisberg liegt direkt neben einem Bestandsquartier der Baugenossenschaft Überlingen am Hildegardring aus dem Anfang der 70er-Jahre.

Die Bauten des Bestandsquartiers bieten aktuell 240 Wohnungen, sollen demnächst energetisch modernisiert werden und zudem über eine Aufstockung der Gebäude eine weitere Wohnetage bekommen. Fahrstühle werden in Zukunft die Altbauten für die zunehmend älteren Bewohner besser zugänglich machen. Mit der Sanierung des Altbestandes, bei der unter anderem die Fassaden, Fenster, Heizungsanlagen und die Dächer erneuert und gedämmt werden, wird ein KfW-55-Standard angestrebt.

Schlank und sehr gut dämmend: ein WDV-System auf PU-Basis.

Die Wohnungen des Bestandsquartiers am Hildegardring werden zukünftig umweltfreundlich von einer naheliegenden Holzhackschnitzel-Heizzentrale beheizt. Das Heizwasser nutzen die Bestandsbauten über klassische Heizkörper. Diese Heizkörper liefern recht hohe Rücklauftemperaturen. Die BGÜ hat deshalb beschlossen, das Rücklaufwasser aus der alten Wohnsiedlung Hildegardring als Vorlaufwasser für die neu errichtete Wohnsiedlung Schättlisberg zu nutzen. So wird eine viel größere Temperaturdifferenz Delta T und damit ein besserer Wirkungsgrad für die Heizzentrale erreicht. Dieser Effekt stellt für das gesamte Quartier einen wesentlichen Gewinn an Energieeffizienz dar.

Das Überlinger Neubauprojekt versucht möglichst unkompliziert zu sein. Das Thema heißt "Low-Tech-Lösungen". Die Gebäude sollen damit besonders energieeffizient, ressourcenschonend, wirtschaftlich, robust und langlebig ausgeführt werden.

Es soll wenig und vor allem bedienbare Technik verbaut werden, damit die Betriebskosten dauerhaft auf sehr niedrigem Niveau gehalten werden können. Dazu wird großer Wert auf einen hochwertigen Wärmeschutz gelegt (KfW 40 Plus). Es geht um den Einsatz von ressourcenschonenden und recyclingfähigen Polyurethan-Dämmstoffen von puren. Das Partnerprojekt in Stuttgart legt dagegen einen stärkeren Fokus auf eine hocheffiziente Energieversorgung. Das gemeinsame Forschungsprojekt soll unter anderem die Kosten, den Energiebedarf und die Ökobilanz der zwei unterschiedlichen Ansätze vergleichen. Das wird spannend!

Auf der Dämmstoff-Seite beginnt in Überlingen der Einsatz bei den Tiefgaragen mit einer rund 140-Millimeter-puren-TG-Tiefgaragendämmung (U-Wert etwa 0,18 (Watt pro Quadratmeter und Kelvin)). Die massiven Betonwände der Außenfassade sind mit einem WDVS mit 180-Millimeter-purenotherm gedämmt (U-Wert etwa 0,13 (Watt pro Quadratmeter und Kelvin)). Die Flachdächer erhielten eine zweilagige Dämmung aus im Mittel 170 mm puren-Gefälledämmung plus 80 mm puren-Secure-Flachdach-Dämmplatten (U-Wert etwa 0,10 (Watt pro Quadratmeter und Kelvin)).

Die Attikabereiche wurden mit speziellen purenit-Attikabohlen so gedämmt, dass das WDVS der Wand und die Dämmung der Flachdächer ohne Wärmebrücken miteinander verbunden werden konnten. Alle Aufbauten der Gebäudehülle sind zudem schwerentflammbar und damit besonders sicher konstruiert, so das Unternehmen.

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