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Jubiläum mit mehr als 200 Gästen und Zeitzeugen

Kalksandsteinindustrie feiert 125. Geburtstag

Zeitzeuge Wolfgang Burtscher (r.) im Gespräch mit Moderator Thomas Gerres.

Nürnberg (ABZ). – Die Geschichte der Kalksandsteinindustrie beginnt 1894 in Schleswig-Holstein mit der Aufstellung der ersten maschinellen Presse in Neumünster. 125 Jahre später ist der natürliche Systembaustoff Kalksandstein aus dem Wohnungsbau nicht mehr wegzudenken. Im mehrgeschossigen Wohnungsbau ist er sogar Marktführer. Der Bundesverband Kalksandsteinindustrie e. V. (BV KSI) feierte diese 125-jährige Erfolgsgeschichte und das Jubiläum der industriellen Kalksandsteinproduktion kürzlich mit einem Festakt. Mehr als 200 Gäste waren der Einladung in den Historischen Rathaussaal nach Nürnberg gefolgt und waren Teil einer Reise durch die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Kalksandsteinindustrie.

"Heute Abend sehen und hören wir einiges über unseren weißen Stein. Wir haben Zeitzeugen von damals, Macher von heute und Akteure von morgen hier. Und ich freue mich besonders, dass wir zudem die Gewinner unseres ersten Architektur-Nachwuchswettbewerbs 'Collaborative Living 2018.19' verkünden werden", sagte der Vorstandsvorsitzende des BV KSI Jochen Bayer bei der Begrüßung der Jubiläumsgäste. "Der Aufwand im Vorfeld war groß und der eine oder andere mag denken: Und das alles nur für einen weißen Stein? Ja, genau! Denn der hat vieles zu bieten", wie Bayer in seiner Rede weiter erläuterte. Aber nicht nur das: "Hinter all diesen technischen Innovationen und Fortschritten bei Material, Produktion und Verarbeitung stehen seit 125 Jahren Menschen, die das eigentliche Fundament für den Erfolg des Kalksandsteins bilden und ihn zu dem gemacht haben, was er heute ist. Ein Stein, der aus Kalk, Wasser und Sand ein Zuhause, einen Platz zum Leben macht. Unser Stein tut das auf eine zurückhaltende und unaufgeregte Art: natürlich, aus heimischen Rohstoffen, klimaschonend und nachhaltig, einfach zu transportieren, vielfältig einsetzbar und recyclingfähig."

Der zweite Bürgermeister der Stadt Nürnberg Christian Vogel wies in seinem Grußwort darauf hin, dass in unmittelbarer Nähe zur Stadt Nürnberg, in Schwaig-Behringersdorf, Süddeutschlands erstes Kalksandsteinwerk stehe, das seit 1899 in Betrieb sei und damit zu den drei ältesten Werken in ganz Deutschland gehörte.

Ehrenredner bei dem Jubiläumsabend war der Bayerische Staatsminister der Finanzen und für Heimat, Albert Füracker. Er sagte, dass industriell hergestellter Kalksandstein in Deutschland und in Bayern zurecht eine lange Tradition habe. "Mit einem Marktanteil von über 34 Prozent ist er der am häufigsten eingesetzte Baustoff im Geschosswohnungsbau und damit ein wichtiger Baustein, um bezahlbaren Wohnraum in Stadt und Land zu schaffen", betonte Füracker. "Zugleich wird Kalksandstein mit geringem Energieeinsatz aus natürlichen Rohstoffen nachhaltig und ökologisch produziert. Das sind beste Voraussetzungen für klimaschonendes Bauen und Wohnen auch in der Zukunft."

Nach den Grußworten startete das Programm mit emotionalen Bewegtbildern. Zukunft braucht Herkunft, dies wussten vor allem Kalksandsteiner zu berichten, die viele Jahrzehnte in der Industrie verbracht und diese durch ihre Tätigkeit nachhaltig geprägt haben. Im Film "Zeitzeugen" berichten die teils mehr als 90 Jahre alten Männer in bewegenden Worten, durch welche Höhen und Tiefen sie im Laufe ihres Arbeitslebens gegangen sind. Wie Kriege, Wirtschaftswunder und Wiedervereinigung Einfluss sowohl auf ihr privates wie auch ihr berufliches Leben hatten und welche Wünsche sie mit diesem Industriejubiläum verbinden. Einer der Protagonisten, Wolfgang Burtscher, seit 56 Jahren Geschäftsführer des Kalksandsteinwerks Wemding in Bayern, stand anschließend auf der Bühne noch einmal Rede und Antwort. Der Film "Zeitzeugen" ist im YouTube-Kanal der Kalksandsteinindustrie unter www.kalksandstein.de/zeitzeugen abrufbar.

Ein Highlight des Abends war die Bekanntgabe der Gewinner des ersten Architektur-Nachwuchswettbewerbs der Kalksandsteinindustrie "Collaborative Living 2018.19". Bianca Jacobsen und Lara Weiler von der Universität Stuttgart setzten sich mit ihrem Entwurf "Fast Forward" gegen eine starke Konkurrenz durch.

Für eine Überraschung sorgten die Auszubildenden aus den Kalksandstein-Mitgliedsunternehmen mit einer Videobotschaft. Stellvertretend für alle überreichte Florian Todt, Auszubildender im Kalksandsteinwerk in Behringersdorf bei Nürnberg, Glückwünsche an den Verbandsvorsitzenden Jochen Bayer und seinen Stellvertreter Rudolf Dombrink in Form einer großen Torte.

Der Verbandsvorsitzende Jochen Bayer begrüßt die Gäste im Nürnberger Rathaussaal.

Das Programm leitete der ntv-Moderator Thomas Gerres. Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung von Susanne Czech, Teilnehmerin der 8. Staffel der TV-Sendung "The Voice of Germany" und dem Pianisten Peter Schnur. Begleitet wurden sie bei ihren Aufritten von Sarah Kiesecker und Dominik Höß von der Jazzaret Dance-Company Karlsruhe.

Den Grundstein für 125 Jahre industrielle Kalksandsteinproduktion legte Friedrich August Anton Bernhardi. "Er hat das Verfahren zur Herstellung von Kalksandstein erfunden", so Rudolf Dombrink, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des BV KSI, am Rande der Jubiläumsveranstaltung. Bernhardi war eigentlich Arzt, aber auch Erfinder. Er verfasste bereits 1856 die Anleitung zur Herstellung von Kalksandstein. Das Patent dazu wurde dann 1880 in Berlin an den Baustoffchemiker Dr. Wilhelm Michaelis erteilt. Nachdem zu Beginn die Steine noch einzeln mit einer Handpresse hergestellt wurden, war 1894 das Geburtsjahr der industriellen Produktion. Die erste automatische Presse mit einer Produktionskapazität von 3000 Steinen pro Stunde wurde aus England importiert und durch die Firma Amandus Kahl im Werk des Maurermeisters Mechlenburg in Neumünster, Schleswig-Holstein aufgebaut. Dombrink fügte hinzu: "Das war der Beginn unserer Erfolgsgeschichte. Die Presse erledigte drei Arbeitsgänge selbsttätig: Füllen, Pressen und Ausstoßen. Plötzlich konnte in kurzer Zeit das Vielfache an Kalksandsteinen hergestellt werden. Von diesem Zeitpunkt an begann ein beispielloser Siegeszug des neuen Baustoffs."

Aktuell sind in Deutschland 78 Kalksandsteinwerke über den Bundesverband organisiert, die im Jahr 2018 mit rund 2000 Mitarbeitern insgesamt knapp 2 Milliarden Volumen-NF Kalksandsteine produziert haben.

"Doch auf diesen Zahlen ruhen wir uns nicht aus!", sagte Roland Meißner, Geschäftsführer des BV KSI. "Wir sind auf die Anforderungen von morgen vorbereitet. Das gemeinsame, zukunftsgerichtete Engagement unserer Unternehmer, Mitglieder, Mitarbeiter und aller in den Verbandsgremien ehrenamtlich Tätigen schafft eine ideale Ausgangsbasis, um Innovationen rund um unser tolles Produkt und modernes Bauen mit vereinter Kraft weiter voranzubringen." Dabei gelte es heute und zukünftig aus den Herausforderungen des digitalen Zeitalters reale Zukunftschancen zu machen. Die Umsetzung und Weiterentwicklung moderner Technologien sichere langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Verbandsmitglieder und verbessere auch die Marktchancen für die Partner. Mehr denn je müsse dabei der Klimaschutz bei allen Entwicklungen einbezogen werden. "Schon deshalb, weil wir überzeugt davon sind, dass es für die beste Sache ist."

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