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Pilotbetrieb im Steinbruch

Digitales Lagerbuch hilft bei Explosivstoffen

Gewinnung, Bau digital

Mit dem Sprengmittel Lagerbuch erfüllt die Firma Zement- und Kalkwerke Otterbein GmbH & Co. KG die ab 2015 geltende EU-Kennzeichnungsrichtlinie und profitiert vom Komfort eines elektronischen Lagerbuches.

GROßENLÜDER-MÜS (ABZ). - Die Zement- und Kalkwerke Otterbein liegen zwischen Vogelsberg und Rhön. Das Unternehmen wurde vor etwa 100 Jahren im Lauterbacher Graben, als Zusammenschluss mehrerer kleiner Kalkbrennereien, gegründet. Heute fördert Otterbein jährlich fast 500 000 t Kalk. Um diese Produktion zu ermöglichen werden alle zwei bis drei Tage Sprengungen durchgeführt. Somit gilt auch für die Zement- und Kalkwerke Otterbein die neue EU-Richtlinie für die Kennzeichnung und Rückverfolgung von Explosivstoffen. Aus diesem Grund beschäftigte sich Bernhard Pfohl, Leiter des Steinbruchbetriebs und Sprengverantwortlicher, schon früh mit den neuen Anforderungen, die im April 2015 in Kraft treten werden. Seit Herbst 2013 suchte er nach einer passenden Lösung. Neben der Erfüllung der EU-Kennzeichnungsrichtline sollte sichergestellt sein, dass für den Betrieb kein Internetanschluss nötig ist, weil das Lager über keine entsprechende Installation verfügt. Die verwendeten Geräte müssen den Empfehlungen der BAM entsprechen, welche sicherstellen, dass die Nutzung im Sprengstofflager gefahrlos möglich ist. Außerdem muss die Lösung von den örtlichen Behörden als Ersatz für das bisherige Lagerbuch akzeptiert werden. Darüber hinaus sollen keine laufenden Kosten entstehen und auch ein Lieferantenwechsel sollte bei Bedarf problemlos möglich sein.

Wichtig war außerdem, dass am bestehenden Arbeitsablauf keine starken Veränderungen vorgenommen werden müssen, sondern die neue Lösung sollte sich gut in die bestehenden Vorgänge integrieren lassen. Otterbein wollte diese Kennzeichnungspflicht auch nutzen, um von dem Papier-Sprengmittel-Lagerbuch auf eine elektronische Lösung zu wechseln.

Mit dem Sprengmittel Lagerbuch der Firma Ontaris, bestehend aus einem 9"-Tablet-PC mit handlichem Bluetooth-Scanner, fand er eine entsprechende Standardlösung auf dem Markt, die seinen Anforderungen entspricht.

Ende Juni 2014 kam es im Steinbruch Otterbein zum ersten Einsatz des Ontaris Sprengmittel Lagerbuchs. Der Steinbruch bekommt etwa alle zwei Wochen eine Lieferung Sprengmittel, die im Durchschnitt je zwei Paletten umfasst. Seit diesem Zeitpunkt wird durchgängig mit dem elektronischen Sprengmittel Lagerbuch gearbeitet. Das elektronische Lagerbuch, bestehend aus dem Tablet-PC und dem Bluetooth Handscanner, wurden im Vorfeld von Ontaris schon fertig konfiguriert, sodass mit der ersten Sprengstoff-Lieferung durch die Firma Maxam, direkt mit der Erfassung der Ware begonnen werden konnte.

Pünktlich um 7 Uhr wurde die Sprengstoffbestellung am Sprengstofflager angeliefert. Direkt bei der Ankunft kontrollierte Pfohl, wie bisher auch, die Lieferung mit den papiernen Lieferschein. Für die Nachverfolgbarkeit des Sprengstoffs und um die elektronische Lagerbuchführung zu ermöglichen bringt der Fahrer eine Lieferanten-Datei im XML-Format mit. Diese enthält die Liste aller Identifikationsnummern der Artikel und Verpackungen in der Lieferung. Der Einfachheit halber wurde diese Datei auf einem USB-Stick mitgebracht. Die Datei wird von der Software importiert und der USB-Stick direkt an den Lieferanten zurückgegeben.

Um sicher zu stellen, dass die Kistennummern bzw. Itemnummern der Lieferanten-XML-Datei mit der tatsächlichen Lieferung übereinstimmen, führt Pfohl mit dem Scanner nun eine Stichprobe durch. Dazu scannt er alle Kisten, um sicher zu stellen, dass alle korrekt in der Lieferantendatei enthalten sind. Bei diesen Kisten sieht er eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass der Inhalt nicht übereinstimmt, da diese nach der Produktion nicht mehr verändert wurden. Bei den vorkonfektionierten Zünderbündeln ist die Fehlerwahrscheinlichkeit, durch das manuelle Verpacken, höher. Aus diesem Grund öffnet er die Verpackungen und überprüft die darin enthaltenen Artikel einzeln. Hier freut Bernhard Pfohl sich besonders über den kleinen Handscanner: "Damit kann ich jetzt auch Kisten scannen, die nah an der Wand stehen." Nach der erfolgreichen Stichprobe verbucht Pfohl die Ware in das Lagerbuch.

"Dieser ausführliche Wareneingang dauert kaum fünf Minuten und jetzt muss ich kein Lagerbuch mehr auf Papier führen oder etwas abends am PC nacharbeiten. Das spart viel Zeit", so Pfohl. Mit dem Verbuchen des Wareneingangs auf dem Tablet-PC wird sofort auch das Lagerbuch geschrieben. "Wenn jetzt unser betreuender Aufsichtsbeamter zu mir in den Steinbruch kommt, kann ich ihm sofort und ohne zusätzlichen Aufwand den Lagerbestand nachweisen." Nachdem er die Ware nun in sein Lager gebracht hat, wählt er die Sprengmittel für die nächste Sprengung aus und scannt sie. Dann lädt er sie auf seinen Wagen und fährt zum Sprengort. Ihm gefällt auch die einfache Möglichkeit Artikel mit unlesbaren Etiketten wieder in den Bestand aufzunehmen. Durch Verschmutzung auf der Sprengstelle kann es schnell vorkommen, dass ein Etikett vollkommen zerstört wird und der Barcode nicht mehr eingelesen werden kann. "Auch wenn ich das den Sommer noch nicht gebraucht habe, passiert das öfter als man denkt, vor allem wenn das Wetter jetzt schlechter wird." Hat er einige Artikel bei der Sprengung nicht verbraucht, bringt er diese nach Abschluss der Sprengung wieder mit und führt eine Rückmeldung durch. Hierfür scannt er die Artikel einfach wieder und bucht sie so in das Lagerbuch zurück. 

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 4/2015.

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