Russisches Wasserkraftwerk

Havarierte Bereiche wurden rückgebaut

Cedima bauma München
Beim Rückbau waren äußerste Vorsicht und Präzision geboten, da die Teile im Nachgang an die zuständigen Untersuchungsbehörden überstellt werden mussten. Fotos: Cedima
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SAJANO-SCHUSCHENSKAJA/RUSSLAND (ABZ). - Das Wasserkraftwerk "Sajano-Schuschenskaja GES" am Fluss Enissej ist eine der größten Anlagen in Russland. Es verfügt über zehn Turbineneinheiten, von denen neun im Betrieb sind und eine als Ausfallreserve dient. Die Gesamtleistung beträgt 4,4 Gigawatt.

Am 17. August 2009 kam es dort zu einer schweren Havarie. Aus bisher ungeklärter Ursache löste sich das Turbinenrad der zweiten Einheit und durchschlug die Wand des Fallrohres. Der daraus resultierende Wassereinbruch überflutete in kürzester Zeit die Maschinenhalle und alle Bereiche des Kraftwerks, die unterhalb der Bruchstelle lagen. Durch die ungeheure Wucht der Wassermassen stürzten die Kabeltunnel und die Wartungsgalerien der Turbinen 2, 7 und 9 ein. Besonders schwer war dabei die Turbine 2 betroffen, die völlig zerstört wurde. Der 770 t schwere Rotor des Generators wurde aus seiner Lagerung gerissen und stürzte in den Turbinenschacht, wo er im 45-Grad-Winkel zum Liegen kam.

Direkt nach der Havarie schlossen die Fachleute des Kraftwerks das Sicherungstor am oberen Ende des zerstörten Fallrohres um ein weiteres Nachströmen von Wasser zu verhindern. Kurze Zeit später wurden die unten gelegenen Auslasstore der Anlage geöffnet. Auf diese Weise stellte man das Niveau der Staustufen wieder her und das eingebrochene Wasser konnte abfließen. Um den Druck auf die verbliebenen Turbinen zu reduzieren, regulierte das weiter oben am Flusslauf gelegene Wasserkraftwerk "Majnskaja GES" den Zustrom des Enissej auf die havarierte Anlage.

Schon kurze Zeit nach dem Unfall waren Fachleute der Firma OAO "Nishne-Burejskaja GES" vor Ort, um sich einen Überblick der Lage zu verschaffen und erste Lösungsansätze für die Beseitigung der Schäden zu erarbeiten. Am 19. August liefen die Maßnahmen an. Unter Federführung der Firma OAO "Rushydro" wurden mit zwölf Flugzeugen 700 Arbeiter und 85 t Material aus verschiedenen Regionen Russlands an die Unfallstelle gebracht.

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Zeitgleich kamen 14 Seilsägeautomaten von Cedima aus Celle zum Einsatz.

Für die Projektierung der Rückbauarbeiten inklusive der Bereitstellung aller hierfür erforderlichen Fachkräfte und Technologien arbeitete man eng mit der Firma "Lengidroprojekt" zusammen. Während die Schäden im Bereich der Turbinen 7 und 9 mit konventionellen Rückbaumethoden zu bewältigen waren, stellte sich die Lage bei Turbine 2 ungleich komplizierter dar. Durch den hohen Zerstörungsgrad sahen sich die Verantwortlichen vor bisher nie dagewesene Herausforderungen gestellt. Beim Rückbau war äußerste Vorsicht und Präzision geboten, da die Teile im Nachgang an die zuständigen Untersuchungsbehörden überstellt werden mussten.

Die Arbeiten wurden in mehreren Etappen durchgeführt. Als erstes wurden die eingestürzten Stahlbetonteile zurückgebaut. Zu diesem Zweck kamen zeitgleich 14 Seilsägeautomaten der Cedima GmbH aus Celle zum Einsatz. Für die Erstellung der Seildurchführungsbohrungen bediente man sich diverser Kernbohrgeräte derselben Firma. Je nach Beschaffenheit des Betons wurden entsprechende Bohrkronen beziehungsweise Diamantsägeseile eingesetzt. Dieser erste Schritt wurde in sehr eng gesteckten terminlichen Grenzen aufgeführt, da die Behörden schnellstmöglich den verschütteten Rotor bergen wollten. Das Generatorteil war jedoch so stark deformiert, dass eine Demontage nicht mehr möglich war. Auf Grund des extremen Gewichts von 770 Tonnen und der unzugänglichen Unfallstelle entfiel die Möglichkeit, es in einem Stück zu heben. Eine Zerteilung war unumgänglich.

Um die Sicherheit der Einsatzkräfte zu garantieren, wurde eine Konstruktion aus diversen Stahlbetonstützen errichtet, die ein Kippen des Rotors verhinderte. Bei der Zerteilung selbst griffen die Fachleute von OAO "Rushydro" auf zwei Verfahren zurück. Das erste Verfahren war der Einsatz von Schweißbrennern mit Kohleelektroden, die sich zum Durchtrennen freiliegender und dünner Stahlstrukturen eignen. Für die anderen Bereiche kam wiederum die Seilsägetechnik zum Einsatz. Da dieser Anwendungsfall vorher nicht auftrat, entwickelte die Cedima ein spezielles Diamantsägeseil, dass der Mischung aus verschiedenen Stählen, Legierungen und Buntmetallen gewachsen war. Die Bediener der fünf gleichzeitig in Betrieb befindlichen Seilsägeanlagen konnten die Arbeiten aus sicherer Entfernung steuern.

Das Zerteilen des Rotors konnte zur Zufriedenheit der Auftraggeber am 3. März 2010 abgeschlossen werden. Nach der Beseitigung kann nun mit dem Wiederaufbau der Turbinenanlage begonnen werden.

Cedima ist während der bauma in Halle A1, Stand 325/424, zu finden.

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