Tuchel profitierte von Schnee und Eis

Kunden bestellten im Winter sogar unlackierte Schneeschilde

von:

Sönke Petersen

Tuchel Anbaugeräte Kommunaltechnik
Den Tuchel-Trac gibt es bald mit Kabine – hier noch die "Oben-ohne-Version". Vom Erfolg überzeugt sind (v. li.) Geschäftsführer Dieter Beckmann, Irmlind Rickermann, Innendienstleiterin Vertrieb, Entwickler Dirk Sommer und Jan Tobaben, verantwortlich für den Vertrieb in Norddeutschland.

SALZBERGEN. - Premiere bei Tuchel auf der GaLaBau: Den allradgelenkten Tuchel-Trac Quattro gibt es jetzt optional mit Kabine. Die neue Version schließt eine Lücke im Programm: "Etliche Kunden benötigen unser Gerät auch in der kalten Jahreszeit, etwa für Winterdienste, und legen Wert auf einen entsprechenden Schutz", erläutert Ingenieur Dirk Sommer, der den Quattro entwickelt hat. Mit der eintürigen Kabine sei der Schritt zur Ganzjahresmaschine vollzogen worden.

An den von den Kunden geschätzten Eigenschaften – kompakt, wendig und leise – soll sich bei der neuen Variante nichts ändern: "Mit seinen Maßen von 240 x 90 Zentimetern passt der 22 PS starke Quattro weiterhin durch jede Gartentür." Auch sonst sei das 1100 Kilogramm leichte Modell absolut alltagstauglich: "Über den Joystick lässt es sich einfach und problemlos bedienen."

Jan Tobaben, verantwortlich für den Vertrieb in Norddeutschland, bestätigt: "Man kann den Kunden die Maschine schnell erklären. Das macht sie insbesondere für Anfänger, Aushilfen etc. interessant." Als weitere Pluspunkte nennt er die hohe Kipplast von mehr als 600 Kilogramm und den stabilen Stand: "Gerade mit diesem Vorteil kann Allrad punkten."

Gut bei den Anwendern kommt überdies das Inchpedal an, das die Geschwindigkeit reduziert und die Energie stattdessen ins Anbaugerät lenkt. "Dieses Pedal ist vom Grundsatz her nicht neu, aber nicht jeder hat es", erläutert Sommer. Die offene Variante wartet mit einer zusätzlichen Besonderheit auf: "Das Aufsteigen ist von beiden Seiten möglich. Das bieten nur die wenigsten Allradlenker", unterstreicht der Diplom-Ingenieur. Zu den Merkmalen auch der Kabinenversion zählen außerdem der niedrige Schwerpunkt mit entsprechend niedriger Sitzposition, der serienmäßige Hydraulikölkühler, die Pendelachse hinten sowie der Starrrahmen. Als Optionen sind ein zweiter Hydraulikkreis, ein Tuchel-Schnellwechsler und – speziell für den Bau interessant – eine Differentialsperre erhältlich.

Mehr als erwartet verkauft

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Tuchel hat vor einiger Zeit die Fertigung komplett umgestellt. Jetzt gibt es Produktionsstraßen, auf kleinen Wagen werden die jeweiligen Geräte von Station zu Station geschoben.

Sommer hatte das Konzept für das Allradmodell Mitte 2008 ausgetüftelt. Im Frühjahr 2009 war der Prototyp fertig. Im November schließlich stellte Tuchel den Quattro offiziell vor und verkaufte bislang rund 60 Einheiten – mehr als erwartet. Anfangs sei er wegen seiner Größe belächelt worden, erinnert sich der Entwickler: "Aber durch seine Leistung, gepaart mit hoher Standsicherheit, hat er überzeugt." Darunter auch etliche Vermieter: "Die haben mit diesem Modell ihr Programm nach unten abgerundet", berichtet Geschäftsführer Dieter Beckmann. Bereits gut einführt sind die Quattro-"Geschwister": die dreirädrige Grundversion "Basic" und die Bohrervariante "Drill", die unter anderem für den Kleinbrunnenbau eingesetzt wird. Die Entwicklung weiterer Varianten hält Beckmann offen: "Wir wollen uns nicht verzetteln."

Für ihn steht fest: "Es gibt in dieser Baugröße und mit dieser Ausstattung nichts Vergleichbares auf dem Markt, zumindest nicht in Europa." Entsprechend laufe die Tuchel-Trac-Reihe auch im Ausland sehr gut. Zu den positiven Reaktionen haben nach Überzeugung von Dirk Sommer unter anderem die hochwertigen Komponenten beigetragen: "Wir verbauen keine 08/15-Teile." Zulieferer wie Kubota ("Uns sind keine besseren Motoren in dieser Größe bekannt."), Parker und Sauer-Danfoss bürgten für Qualität. Beckmann sieht darüber hinaus die Vielzahl an Anbaugeräten als Erfolgsfaktor – immerhin etwa 20 pro Branche.

Nicht nur die Tracs haben sich am Markt etabliert. Auch sonst sieht sich das Unternehmen aus Salzbergen bestens aufgestellt: Zum Programm zählen diverse Kehrmaschinen, darunter zwei handgeführte, sowie Schneeräumschilde.

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Zum Programm gehören auch etliche Kehrmaschinenmodelle.

"Die Bereitschaft wächst, in hochwertige, große Kehrmaschinen mit Vollausstattung zu investieren", hat Jan Tobaben beobachtet. Tuchel biete in diesem Segment individuelle und vor allem stabile und langlebige Modelle für diverse Trägerfahrzeuge an. Die Käufer verlangten immer größere Arbeitsbreiten, darauf habe man sich eingestellt: "Unsere ,Profi' gibt es bereits bis 2,90 Meter."

In diesen Segmenten hat der Hersteller aus Salzbergen vom vergleichsweise harten Winter 2009/2010 profitiert. Geschäftsführer Beckmann berichtet von einem verdoppelten Auftragseingang: "Wir haben den ganzen Sommer über Schneeschilde produziert und mussten sogar Sonderschichten fahren." In den ersten Monaten des Jahres war manche Order so eilig, dass der eine oder andere Kunde unlackierte Schneeschilde in Kauf nahm, um die Lieferzeit zu verkürzen.

Nach wie vor ist die Nachfrage – auch nach Kehrmaschinen mit Schneebürsten – ungebrochen. Denn viele Kommunen und Firmen haben ihren Gerätebestand im Laufe der Zeit heruntergefahren: "Jetzt stocken sie wieder auf."

Geschäft zieht weiter an

Beckmann ist optimistisch, dass das Geschäft insgesamt weiter anzieht: "Allerdings wird es noch drei, vier Jahre dauern, bis wir das Rekordniveau von 2007/2008 wieder erreichen." Denn auch Tuchel wurde von der Krise gebeutelt: "Wir haben 2009 mit 7,8 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr etwa ein Viertel weniger Umsatz erwirtschaftet. Für dieses Jahr peilen wir die Neun-Millionen-Marke an." Der Umsatz verteilt sich mit jeweils 35 Prozent Anteil auf die Segmente GaLaBau/Bau und Landwirtschaft sowie mit je 15 Prozent auf Industrie und Kommunen.

Auch bei den Stückzahlen ging es nach unten. Vor der Krise waren es 3400 im Jahr, 2009 rund 25 Prozent weniger, das Ziel für 2010 lautet 3000. "Nach dem erfolgreichen Frühjahr sieht es gut aus, dass wir das auch schaffen", meint der Geschäftsführer zuversichtlich.

Exportquote rund 50 Prozent
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Die erst drei Jahre alte Lackieranlage arbeitet im Vergleich zur Vorgängerin deutlich umweltgerechter und schneller. Fotos: Pertersen

Die Exportquote liegt bei ca. 50 Prozent mit Schwerpunkt Europa. Wichtigster ausländischer Markt ist Skandinavien, gefolgt von Österreich und der Schweiz. Gelegentlich werden die Maschinen aus Salzbergen auch Richtung Südhalbkugel verschifft, nach Australien und Neuseeland etwa. In Osteuropa geht es derzeit ruhig zu: "Vor der Krise ist Russland super gelaufen, aber erst jetzt fängt es langsam wieder an."

Mit Unterstützung eines externen Dienstleisters sowie in enger Abstimmung mit den Betroffenen hat Tuchel vor einiger Zeit die Fertigung komplett umgestellt. Jetzt gibt es Produktionsstraßen, auf kleinen Wagen werden die jeweiligen Geräte von Station zu Station geschoben. "Der Schritt hat sich bewährt: Wir sparen Zeit, die Wege sind um bis zu 20 Prozent kürzer geworden", erläutert Beckmann. Eine weitere Verringerung der Produktionszeit soll dadurch erreicht werden, dass die Lieferanten komplette Baugruppen bereitstellen. Größere Investitionen sind nach Auskunft des Geschäftsführers nicht geplant: "Unser Maschinenpark ist gut ausgestattet und auf aktuellem Stand."

Auch die Umstellungen in der Produktion sieht Dieter Beckmann als Beleg für die qualitätsorientierte Firmenphilosophie, an der er trotz aller Aufs und Abs festhält: "Wir werden uns niemals zum Billiganbieter entwickeln." Durch hochwertige Produkte und das Komplettprogramm sei man überzeugend positioniert, was auch den Händlern Vorteile bringe: "Sie können mit unseren Geräten ihre gesamte Kundschaft bedienen." Rund 280 Händler zählt der Hersteller: "Lücken hat unser Vertriebsnetz eigentlich nicht", meint Irmlind Rickermann, Innendienstleiterin Vertrieb. Ein Direktvertrieb sei kein Thema.

Knapp 60 Mitarbeiter

Derzeit zählt das Unternehmen knapp 60 Mitarbeiter, davon rund 35 in der Produktion, hinzu kommen Aushilfen. Etwa zehn Kollegen mussten im Zuge der Krise die Firma verlassen, meist Leiharbeiter oder Beschäftigte mit Zeitverträgen. "Aber von den Festangestellten sind viele schon etliche Jahre dabei", berichtet sie. "Die Fluktuation ist gering." Viel Wert legt Tuchel legt auf die Ausbildung, etwa im Metallbau oder im kaufmännischen Bereich: "Wir beschäftigen hier immer vier bis acht Azubis, im Moment sind es sieben. Bislang haben wir alle übernommen", so Rickermann.

Darüber hinaus spielen Praktikanten und Diplomanden, etwa von der FH Steinfurt, eine wichtige Rolle. Die Studenten arbeiten an Projekten wie der Überarbeitung von Schneeschilden oder dem Quattro-Fahrantrieb. Dirk Sommer selbst hatte hier als Diplomand für seine Abschlussarbeit die Simplex-Kehrmaschine entwickelt.

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