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Unter Extrembedingungen

Hybridbeschichtung kann sich durchsetzen

Nullifire SC902 lässt sich nicht nur spritzen, sondern auch mit der Rolle auftragen. Aufgrund ihrer Rezeptur auf Hybridbasis kann die Brandschutzbeschichtung problemlos ab 0°C verarbeitet werden.

Grainau (ABZ). – Erst Anfang des Jahres wurde die neue Stahlbrandschutz-Hybridbeschichtung Nullifire SC902 von tremco illbruck auf der Bau in München vorgestellt – nun tut sie bereits unter Extrembedingungen ihren Dienst. Als sie im April verarbeitet wurde, lag an der Talstation der neuen "Seilbahn Zugspitze" in Grainau noch Schnee, und auch nach der Einweihung und im Betrieb wird sie Frosttemperaturen, aber auch starker Sonneneinstrahlung und Stößen durch Snowboards, Skistiefel und Wanderstöcke ausgesetzt sein. Mehr als doppelt so viele Fahrgäste wie ihre Vorgängerin wird die Seilbahn auf Deutschlands höchsten Berg befördern können und dabei eins der schönsten Bergpanoramen überhaupt präsentieren. Auch konstruktiv ist die Seilbahn ein Projekt der Superlative: max. Spannweite, max. hohe Mittelstütze, max. Höhendistanz. Passend dazu ist die neue Hybridbeschichtung Nullifire SC902 laut Herstellerangaben ebenfalls ein Hochleistungsprodukt: schnell zu verarbeiten, sehr cremig und mit besonders glatter Struktur für ein optisch gelungenes Oberflächenfinish ausgestattet. Den wohl wichtigsten Aspekt stelle jedoch der Feuerwiderstand bis 120 Minuten dar.

Eröffnungstag für die neue Seilbahn auf die Zugspitze ist der 21. Dezember 2017. Bis dahin läuft die Baustelle auf Hochtouren unter extremen Wetterbedingungen und auf engstem Raum – Geschicklichkeit und Schwindelfreiheit sind für die Monteure unabdingbar. Die neue "Seilbahn Zugspitze" ersetzt die Eibsee-Seilbahn aus dem Jahr 1963 mit in etwa gleichem Streckenverlauf. Einige Neuerungen sorgen allerdings dafür, dass die hochmoderne Seilbahn gleich drei Weltrekorde aufgestellt hat: Die 4,5 km lange Strecke kommt nur mit einer einzigen Stütze aus, wodurch sich ein freies Spannfeld von 3213 m ergibt. Die Stütze selbst wird mit 127 m die weltweit höchste Pendelbahnstütze aus Stahl sein, und der auf einmal überbrückte Höhenunterschied von 1945 m wird ebenfalls nirgends auf der Welt getoppt. Auch die vier jeweils 153 t schweren Tragseile, die bis Anfang Oktober fertig gespannt wurden, beeindrucken. Neben Restaurant und Freiterrasse mit spektakulärem Bergblick wird die sichtbare Seilbahntechnik ein großes Highlight der Gipfelstation sein. Wer sich das genauer ansehen will: Bis zur Eröffnung bietet die Bauherrin, die Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG, zweimal täglich kostenlose Baustellenführungen an.

Die modernen Seilbahnkabinen, gestaltet in Form eines Parallelogramms und mit bewusst dezenter Beschriftung versehen, sind bodentief und bis ins Dach verglast, sodass selbst Kinder, Rollstuhlfahrer und in der Mitte der Kabine stehende Passagiere das wunderbare Alpenpanorama genießen können. A propos Platzverhältnisse: Mit einer Kapazität von 580 Passagieren pro Stunde befördern die neuen Kabinen mehr als doppelt so viele Fahrgäste wie bisher. Damit auch bei großem Besucherandrang die Wartezeit nicht lang wird, sind die Bahnsteige in der Bergstation verglast, sodass die Anstehenden das Panorama aus einer weiteren Perspektive genießen können. Auch die Talstation öffnet sich zum Berg, insbesondere mit dem steilen Dach, das von einer schlanken Gabelstütze gehalten wird. Die darunter angeordneten, voneinander getrennten Zu- und Ausstiegsbereiche in Stahlskelettbauweise sind ebenfalls rundherum verglast.

Als Stützen wurden verzinkte quadratische Hohlprofile eingesetzt. Diese für den geforderten Feuerwiderstand von 90 Minuten wie üblich in Gipskarton einzupacken, hätte ihre schlanke Form verändert, und so entschieden sich die Planer, Hasenauer Architekten aus Saalfelden (Salzburg), nach der Beratung durch den Verarbeiter, pannke colorio aus Garmisch-Partenkirchen, für die eben erst eingeführte Beschichtung Nullifire SC902 von tremco illbruck. Für den Auftrag war hier nur ein Arbeitsgang nötig, was die benötigte Zeit natürlich enorm reduzierte. Das Geheimnis dahinter: die neuartige, patentierte Technologie von Nullifire SC902. Damit trocknet die Brandschutzbeschichtung rasch durch, sodass sie in einer dickeren Schicht als üblich aufgetragen werden kann und statt vier bis fünf Arbeitsgängen ein einziger genügt. "Wir sind begeistert von der praxistauglichen Verarbeitbarkeit auf der Baustelle", resümiert Projektleiter Sebastian Kroesen von Hasenauer Architekten. Und nicht nur das: "Wir haben die Beschichtung auch bereits bei weiteren Bauvorhaben eingesetzt."

Die Arbeiten mussten nicht nur schnell, sondern auch direkt vor Ort ausgeführt werden. Trotz bereits montierter Verglasung herrschten auch im April noch Temperaturen um den Gefrierpunkt, doch aufgrund ihrer Rezeptur auf Hybridbasis kann Nullifire SC902 problemlos ab 0 °C verarbeitet werden. Später im Alltag ist die 2K-Mischung besonders witterungsbeständig und schützt exzellent gegen Feuchtigkeit. Durch ihre viskose Konsistenz ließ sie sich auch von Hand leicht auftragen und haftete ohne Haftvermittler direkt auf dem verzinkten Untergrund. Außerdem blieb die Verglasung von Spritzern verschont – das freute auch die Bauleitung.

"Ein 25-kg-Eimer reichte ungefähr für die Beschichtung von zwei Stützen mit knapp 4 mm Dicke", berichtet der Verarbeiter vor Ort, Martin Tobies von pannke colorio. "Nach 24 Std. war der Auftrag jeweils durchgetrocknet und konnte abgeschliffen werden." Auch beim Abschleifen überzeugte die neue Rezeptur: "Das Schleifpapier setzte nicht so schnell zu – das sparte Material und Auswechselzeit, und es entstand eine schöne Struktur als Grundlage für den Endlack."

Vom Felsabtrag bis zur glatten Oberfläche der Stützen – in den vergangenen drei Jahren wurden beim Bau der Seilbahn Zugspitze extreme Anforderungen an die Leistungsfähigkeit von Technik, Material, Logistik und Mitarbeitern gestellt. Bei der Eröffnung im Dezember kann die Seilbahn – 54 Jahre nach Eröffnung ihrer Vorgängerin – ihrerseits volle Fahrt in die nächsten fünf Jahrzehnte aufnehmen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 49/2017.

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