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2020 wird ein weiteres gutes Jahr für das Bauen

Von Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Berlin

Die Bauindustrie geht mit Optimismus in das neue Baujahr. Trotz der all-gemeinen konjunkturellen Schwä-che, die sich vor allem in der Industrie zeigt, werden im Bauhauptgewerbe auch im neuen Jahr Umsatz und Beschäftigung weiter zulegen. Der Bau bleibt damit eine Stütze der gesamtkonjunkturellen Entwicklung.

Dies zeigt sich auch an der Stimmung in der Branche. Mit Jahresende 2019 wurde die aktuelle Geschäftslage im Bauhauptgewerbe per Saldo plus 44 Punkten zwar etwas schwächer beurteilet als ein Jahr zuvor, im langfristigen Vergleich war dies allerdings immer noch ein äußerst positiver Wert. Bei den Geschäftserwartungen für die Zukunft pendelte der Saldo im Vorjahr um die Null-Linie. Die Firmen erwarten somit, dass ihre Geschäftslage auch im neuen Jahr positiv bleiben wird.

Gestützt wird diese Entwicklung vor allem durch den starken Auftragseingang. In den ersten drei Quartalen 2019 legte dieser um nominal 9,6 Prozent zu, real bedeutet dies immer noch eine Wachstumsrate von 3,9 Prozent. Zwar war im Jahresverlauf ein leichter Rückgang zu vermelden, aber auch im dritten Quartal erreichte das nominale Auftragswachstum mit 7,3 Prozent einen hohen Wert.

Allerdings kann sich auch das Bauhauptgewerbe nicht komplett von der gesamtwirtschaftlichen Schwäche lösen. Immerhin hat sich von Januar bis November 2019 der Anteil der Firmen, die im ifo-Konjunkturtest eine Behinderung ihrer Bautätigkeit durch Auftragsstornierungen meldeten, auf 4,1 Prozent vervierfacht. Auf den für die Branche wichtigen Auftragsbestand hatte dies allerdings noch keine Auswirkung. Dieser lag Ende September um 6,2 Milliarden Euro beziehungsweise 13 Prozent höher als ein Jahr zuvor und damit auf einem neuen Rekordwert.

Im Wohnungsbau werden 2019 und 2020 trotz anhaltend guter baukonjunktureller Entwicklung die baupolitischen Ziele der Bundesregierung einmal mehr verfehlt. Der Umsatz im Bauhauptgewerbe in dieser Sparte dürfte 2019 um 10 Prozent zugenommen haben, für 2020 erwartet die Bauindustrie ein weiteres Wachstum von 7 Prozent. Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen hat im Vorjahr bei etwa 300 000 gelegen, im neuen Jahr erscheint eine Rate von etwa 310 000 Wohnungen realistisch.

Damit wird allerdings die Vorgabe der Bundesregierung weiterhin deutlich verfehlt. Diese will bekanntlich in der laufenden Legislaturperiode durchschnittlich 375 000 neue Wohnungen pro Jahr an den Markt bringen. Eine Schwäche zeigen auch die Baugenehmigungen. Seit ihrem zwischenzeitlichen Höchststand im Jahr 2016 sind diese konstant rückläufig, daran hat sich auch im Vorjahr nichts geändert. Besonders problematisch ist, dass im Vorjahr in den sieben größten Ballungsgebieten mit ihrer anhaltend starken Nachfrage nach zusätzlichem Wohnraum die Genehmigungen um durchschnittlich 23 Prozent eingebrochen sind.

Dies ist zum einen auf die anhaltende Unterbesetzung der kommunalen Baugenehmigungsbehörden zurückzuführen. Auch die anhaltende Überfrachtung des Wohnungsneubaus mit immer neuen Normen und Vorschriften belastet die Investoren. Das größte Problem ist aber die mangelnde Verfügbarkeit vom Bauland. So ist von 2016 bis 2018 in den Städten mit mehr als 500 000 Einwohnern die veräußerte Fläche von baureifem Land um ein Viertel zurückgegangen. Auch 2019 hat es hier keine Besserung gegeben.

Die schon seit Mitte 2018 anhaltende Produktionsschwäche in der deutschen Industrie hatte überraschenderweise noch keinen negativen Einfluss auf Nachfrage und Produktion im Wirtschaftsbau. Dies dürfte auch damit zusammenhängen, dass die einstmals dominierende Industrie in Deutschland nur noch gut 7 Milliarden Euro pro Jahr in Bauten investiert. Ver- und Entsorgungsunternehmen mit rund 14 Milliarden Euro sowie die große Gruppe der unterschiedlichen Dienstleistungsunternehmen mit 45 Milliarden Euro sind als Auftraggeber im Wirtschaftsbau mittlerweile dominierend. Deren stabile Nachfrage kann allerdings dann nachlassen, wenn die gesamtwirtschaftliche Schwäche im neuen Jahr auch auf die unternehmensnahen Dienstleister durchschlägt. Dies ist umso wahrscheinlicher, je länger die Schwäche im Verarbeiten Gewerbe anhält.

Zwar stagnierten in den ersten drei Quartalen 2019 die Baugenehmigungen im Wirtschaftshochbau gegenüber dem Vorjahr, der Auftragseingang hingegen legte im gleichen Zeitraum mit 10,5 Prozent deutlich zu, ohne dass sich auch hier im Jahresverlauf eine schwächere Entwicklung zeigte. Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass im neuen Jahr mit Blick auf die weltwirtschaftlichen Verwerfungen inländische Investitionen im Wirtschaftsbau verschoben oder ganz abgesagt werden.

Trotz der allgemeinen Alarmrufe hinsichtlich der Entwicklung der öffentlichen Haushalte sorgt ein Blick auf die Fakten erst einmal für Beruhigung. Die Steuereinnahmen vom Bund, Ländern und Gemeinden sind 2019 um 17 Milliarden Euro gestiegen, und auch für das neu Jahr erwarten die Steuerschätzer eine weitere Zunahme um 14 Milliarden Euro. Damit geht zwar der Haushaltsüberschuss des Staates zurück, bleibt aber gleichwohl positiv und liefert damit ausreichend Spielraum für eine weitere Ausweitung der staatlichen Bautätigkeit.

Anders als noch vor einigen Jahren dürften 2020 vor allem die Kommunen Wachstumstreiber bei der öffentlichen Bautätigkeit sein. Während der Bund seine Investitionen – vorrangig in die Verkehrsinfrastruktur – auf hohem Niveau stabilisiert, erwartet der Deutsche Städtetag ein überproportionales Wachstum der kommunalen Ausgaben für Baumaßnahmen vom 11 beziehungsweise 2,6 Milliarden Euro. Da auf die Städte und Gemeinden nach wie vor mehr als die Hälfe der öffentlichen Baunachfrage entfällt, ist dies für das Bauhauptgewerbe eine gute Nachricht.

Vor diesem Hintergrund sind wir für 2020 entsprechend zuversichtlich. Wir erwarten, dass sich das Wachstum der Bautätigkeit im neuen Jahr auf hohem Niveau fortsetzen wird. Für 2020 gehen wir von einem Umsatzplus von 5,5 Prozent aus.

Der Wohnungsbau wird ein nominales Umsatzplus von 7 Prozent erzielen. Davon sind wir überzeugt, wenn wir die ersten drei Quartale 2019 auswerten. Die Bauindustrie setzt daher zukünftig verstärkt auf die serielle Bauproduktion von Typengebäuden. Durch stationäre Vorfertigung bis hin zur Produktion von Modulen bauen wir nicht nur schneller, sondern auch kostengünstiger. Wir erwarten dabei aber auch Unterstützung durch die Politik. Neben einer Vereinheitlichung der Landesbauordnungen muss beim seriellen Wohnungsbau frühzeitig Baukompetenz in die Planung eingebracht werden. Die frühere strikte Trennung von Planung und Bauausführung passt einfach nicht mehr in die heutige Zeit.

Der Wirtschaftsbau wird nach unserer Einschätzung im neuen Jahr den schwieriger gewordenen gesamtkonjunkturellen Rahmenbedingungen trotzen. Für 2020 gehen wir von einem Umsatzplus von 5,5 Prozent aus.

Nach langen Jahren der Investitionszurückhaltung zeigt sich auch bei der öffentlichen Hand ein deutliches Wachstum. Vorreiter war der Bund, der von 2014 bis 2018 die Investitionslinie steigerte. Diese Entwicklung setzt sich auch in der neuen Legislaturperiode fort. Hier gehen wir von einem Zuwachs von 4 Prozent aus.

Wir halten also fest: Die deutsche Bauwirtschaft ist insgesamt in einer sehr guten Verfassung und auf dem Weg, ihre Kapazitäten weiter an die steigende Nachfrage anzupassen. Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass uns dies vor große Herausforderungen stellt. Aber wir haben auch in der Vergangenheit bewiesen, dass wir sehr wohl handlungsfähig sind. Die Bauindustrie ist auf verlässliche politische Rahmenbedingungen angewiesen. Vor diesem Hintergrund setzen wir in der Politik auf Beständigkeit. Die Signale, die wir aus der Politik erhalten, stimmen uns zuversichtlich, dass die von der GroKo angestoßenen Vorhaben in der Wohnungsbau- und der Verkehrspolitik trotz gewisser Unruhen weiter auf der Agenda bleiben. Und da gibt es ja noch einiges tun.

Wir freuen uns auf das Baujahr 2020 und werden gemeinsam mit unseren Partnern diese Aufgaben angehen.

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