Betonfertigteile werden gebraucht

von: Thomas Kranzler, Geschäftsführer der Syspro-Gruppe Betonbauteile e. V.
Für unsere Mitgliedsunternehmen war das vergangene Jahr insgesamt sehr erfreulich. Die solide gesamtwirtschaftliche Lage und eine weiterhin hohe Nachfrage in allen Segmenten haben die Baukonjunktur 2021 beflügelt. Auch die Werkskapazitäten unserer Mitglieder waren voll ausgelastet. Das Interesse war so hoch, manche Aufträge konnten nur verzögert wahrgenommen werden. Dieser Run erklärt sich mit Blick auf die momentane Lage in der Bauwirtschaft. Steigende Kosten für Baustoffe und Bauleistungen, wachsender Effizienzdruck auf der Baustelle und wachsende Anforderungen an die Gebäudehülle – Syspro-Betonfertigteile bieten darauf eine kostengünstige und schnelle Antwort. Die rationelle, robotergestützte und millimetergenaue Vorfertigung der Elemente im Werk zusammen mit Just-in-Time-Lieferungen reduziert Baustellenkapazitäten auf ein Minimum. Der einzige Wermutstropfen: der Bewehrungsstahl. Eine stark gestiegene internationale Nachfrage sowie Herstellungs- und Transportengpässe ließen die Preise in die Höhe schießen.
SySpro Bauaussichten Bauaussichten

Wir rechnen mit der Verstetigung dieser Trends. Das neue Jahr wird voraussichtlich die Trends von 2021 erst mal fortsetzen. Die Syspro-Unternehmen starten mit vollen Auftragsbüchern und die Nachfrage bleibt auf hohem Niveau. Zweifellos wird der Baubedarf weiterwachsen. Der Koalitionsvertrag sieht 400.000 neue Wohnungen pro Jahr vor. Die jetzt schon bestehenden Kapazitätsengpässe innerhalb der Bauwirtschaft werden sich verschärfen.

Letztlich wird sich das auch im Gewerbebau bemerkbar machen. Verstärkte Investitionen in den Ausbau und die Anpassung der Infrastruktur für Verkehr und Energie dürften ebenfalls die Baukonjunktur stimulieren. Vor diesem Hintergrund ist es ein gutes Zeichen für die Branche und absolut zu begrüßen, dass das Fachthema Bauen wieder ein eigenes Ministerialressort erhält. Wir erhoffen uns davon wegweisende Impulse für Bauermöglichung und -beschleunigung. Wesentliche Bedingung für eine erfolgreiche Baupolitik und -förderung bleibt Technologieoffenheit. Die einseitige Bevorzugung eines Baustoffs führt uns nur in eine Sackgasse. Jeder Baustoff hat spezifische Stärken, Schwächen und Einsatzgebiete. Den einen Baustoff, der alle ökologischen, ökonomischen und baulichen Anforderungen befriedigen kann, gibt es nicht. Deshalb sind alle Bauweisen und -produkte gleichwertig zu fördern und zu entwickeln.

Voraussichtlich wird es zu weiteren Preissteigerungen für Baustoffe kommen. Verantwortlich dafür sind in erster Linie die Rohstoffpreise. Höhere Kosten für Zement, Sand und weitere Vorprodukte werden auch die Preisgestaltung von Betonfertigteilen beeinflussen. Dagegen wird die Zahl verfügbarer Fachkräfte weiter sinken. Bereits im vergangenen Jahr war es schwierig, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden, um alle Vakanzen zu besetzen. Diese Lage droht sich weiter zu verschärfen. Die Syspro-Unternehmen werden neue Wege finden müssen, Arbeitnehmer und Nachwuchskräfte in Deutschland für die Betonfertigteilproduktion zu begeistern. Außerdem werden wir unsere Netze auswerfen und sowohl das europäische als auch das außereuropäische Ausland in unsere Personalakquise integrieren. Diese Herausforderung wird uns wohl auf Jahre begleiten.

Besonderen Fokus werden wir auf das Thema Klimaneutralität legen. Laut Koalitionsvertrag soll dieser Zustand 2045 erreicht sein, Klimaforscher fordern dies sogar schon bis 2035. Als Hersteller von Betonfertigteilen stellen wir uns dieser Verantwortung. Der größte CO2-Posten besteht in unserem Vorprodukt, dem Zement – darauf haben wir nur wenig Einfluss. Die Zementhersteller haben eine Roadmap vorgelegt und sind auf dem richtigen Weg. Bislang steht eine klimaneutrale und wirtschaftlich darstellbare Alternative zum klassischen Zementherstellungsverfahren oder auch zum Zement jedoch noch aus.

Wir als Betonfertigteilhersteller können aber an anderen Punkten ansetzen und tun dies bereits. Derzeit skizzieren und terminieren wir entsprechende Maßnahmen für eine Roadmap, die Mitte des Jahres veröffentlicht wird. Ein wichtiger Schritt wird sein, die Energieversorgung der Werke und auch der Lieferketten auf erneuerbare Quellen umzustellen.

Auch werkseitige Effizienzpotenziale müssen systematisch gehoben werden. Außerdem entwickeln unsere Mitgliedsunternehmen im Verbund mit Forschungseinrichtungen innovative und klimafreundliche Verfahren und Produkte, die den Zementeinsatz und die CO2-Emissionen deutlich reduzieren können: beispielsweise Betonfertigteile mit hohen Anteilen an Recyclingbeton und Elemente mit Carbonbewehrung oder aus Schaumbeton.

Wir agieren auf breiter Front und vor allem technologieoffen. Diese Flexibilität und Agilität ist der größte Vorteil einer Gemeinschaft von Mittelständlern wie der Syspro. Entscheidend für den Erfolg unserer Umstellungsbemühungen wird sein, dass funktionierende Ansätze rasch in Genehmigungs- und Normierungsverfahren münden.

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