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Bauaussichten 2019

Die Baulokomotive steht weiter unter Dampf

Von Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Berlin

Die baukonjunkturelle Entwicklung in Deutschland zeigt seit einigen Jahren nur in eine Richtung: ein stetiges, anhaltend starkes Wachstum. Das deutsche Bauhauptgewerbe verzeichnete 2018 das sechste aufeinanderfolgende Jahr mit einer realen Umsatzsteigerung, nominal blieb das Wachstum mit 6 % auf dem hohen Niveau des Jahres 2017. Damit stellen wir unter Beweis, dass wir leistungsfähig und eine der wichtigsten Säulen der Konjunktur in Deutschland sind.

Diese Entwicklung schlägt sich auch auf dem Bauarbeitsmarkt nieder. Immerhin haben wir seit dem Tiefpunkt im Jahr 2009 die Zahl unserer Beschäftigten um 127 000 Personen steigern können. Die Zahl der arbeitslosen Baufacharbeiter in unserer Branche liegt nur noch geringfügig über derjenigen der offenen Stellen. Das bedeutet aber auch: Es wird für unsere Unternehmen immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden.

Vor diesem Hintergrund sind wir für 2019 entsprechend zuversichtlich. Wir erwarten, dass sich das Wachstum der Bautätigkeit im neuen Jahr auf hohem Niveau fortsetzen wird. Für 2019 gehen wir von einem nominalen Umsatzplus von 6 % aus. Der Umsatz erreicht damit einen Wert von 128 Mrd. Euro. Damit einher geht auch ein weiterer Beschäftigungsaufbau mit einer Steigerung auf 850 000 Erwerbstätige.

Der Wohnungsbau wird ein nominales Umsatzplus von 5,5 % erzielen. Davon sind wir überzeugt, wenn wir die ersten drei Quartale 2018 auswerten. Mit rd. 320 000 fertiggestellten Wohnungen werden wir allerdings auch im neuen Jahr die politische Zielvorgabe deutlich verfehlen. Die deutsche Bauindustrie setzt daher zukünftig verstärkt auf die serielle Bauproduktion von Typengebäuden. Durch stationäre Vorfertigung bis hin zur Produktion von Modulen bauen wir nicht nur schneller, sondern auch kostengünstiger. Wir erwarten dabei aber auch Unterstützung durch die Politik. Neben einer Vereinheitlichung der Landesbauordnungen muss beim seriellen Wohnungsbau frühzeitig Baukompetenz in die Planung eingebracht werden. Die frühere strikte Trennung von Planung und Bauausführung passt einfach nicht mehr in die heutige Zeit.

Der Wirtschaftsbau wird nach unserer Einschätzung im neuen Jahr den schwieriger gewordenen gesamtkonjunkturellen Rahmenbedingungen trotzen. Die Rücknahme der Wachstumserwartungen an das Bruttoinlandsprodukt für 2019 auf rd. 1,5 % geht vor allem zu Lasten der Exportwirtschaft. Betroffen wäre die deutsche Bauwirtschaft erst dann, wenn deutsche Industrieunternehmen aufgrund verschlechterter Absatzerwartungen im Ausland ihre Investitionen – darunter auch in Bauten – im Inland zurückfahren würden. Dafür gibt es aber bislang noch keine Anzeichen.

Nach langen Jahren der Investitionszurückhaltung zeigt sich auch bei der öffentlichen Hand ein deutliches Wachstum. Vorreiter war der Bund, der von 2014 bis 2017 die Investitionslinie Verkehr von 10,3 auf 13,3 Mrd. Euro steigerte. Diese Entwicklung setzt sich auch in der neuen Legislaturperiode fort. Für 2018 und 2019 ist eine weitere Zunahme der Verkehrswegeinvestitionen um 1 Mrd. Euro bzw. 250 Mio. Euro in die Haushalte eingestellt. Mittlerweile haben auch die Länder ihre anhaltend gute Haushaltslage für eine Ausweitung ihrer Bautätigkeit genutzt.

Sorgenkind bleiben für uns allerdings die Kommunen mit einem Anteil von gut 50 % an den staatlichen Bauinvestitionen. Anders als bei Bund und Ländern liegen die Nettoinvestitionen – also die Bruttoinvestitionen abzüglich der kalkulatorischen Abschreibungen – mit rd. 7 Mrd. Euro deutlich im roten Bereich. Die kommunale Infrastruktur wird also immer noch auf Verschleiß betrieben, auch wenn mache Kommunen laut Deutschem Städtetag ihre Investitionen ausweiten wollen.

Wir halten also fest: Die deutsche Bauwirtschaft ist insgesamt in einer sehr guten Verfassung und auf dem Weg, ihre Kapazitäten weiter an die steigende Nachfrage anzupassen. Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass uns dies vor große Herausforderungen stellt. Aber wir haben auch in der Vergangenheit bewiesen, dass wir sehr wohl handlungsfähig sind.

Dabei ist die Bauindustrie auf verlässliche politische Rahmenbedingungen angewiesen. Vor diesem Hintergrund setzen wir in der Politik auf Beständigkeit. Die Signale, die wir aus der Politik erhalten, stimmen uns zuversichtlich, dass die von der GroKo angestoßenen Vorhaben in der Wohnungsbau- und der Verkehrspolitik trotz gewisser Unruhen weiter auf der Agenda bleiben. Und da gibt es ja noch einiges tun. Im Wohnungsbau ist das Ziel, 350 000 Wohnungen jährlich zu schaffen, noch nicht erreicht. Auch sind Novellierung einer Musterbauordnung, die Straffung von Planungs- und Genehmigungsverfahren und mehr serielles und modulares Bauen noch schneller voranzubringen. In der Verkehrsinfrastruktur sind Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, die Infrastrukturgesellschaft für Autobahnen (IGA) muss ins Laufen kommen und mehr Partnerschaft muss am Bau einziehen, damit Prozesse effizienter werden.

Wir freuen uns auf das Baujahr 2019 und werden gemeinsam mit unseren Partnern diese Aufgaben angehen.

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