Die positive Entwicklung der Auftragslage setzt sich fort

von: Marcus Nachbauer, Bundesinnungsmeister und Präsident des Bundesverbands Gerüstbau

Im vergangenen Jahr 2021 war die Umsatzentwicklung im Gerüstbau durchwachsen. Selbst während der pandemiebedingten Lockdowns zeigten sich die Betriebe des Gersütbauer-Handwerks krisenresistent und arbeiteten trotz mancher Einschränkungen relativ unbeeinträchtigt weiter. Gerüstbauleistungen für die Bauwirtschaft waren gut nachgefragt, doch es gab im Industriegerüstbau eine abgeschwächte Entwicklung.

Bundesinnung/Bundesverband Gerüstbau Verbände

Insgesamt hatten wir für das Gerüstbaugewerbe ein Umsatzwachstum in Höhe von 1 Prozent prognostiziert. Diese Einschätzung war allerdings an die Vorstellung geknüpft, dass der Impfstoff und die damit verbundene Strategie zur Bekämpfung des Covid-19-Virus das Pandemiegeschehen weiter zurückdrängt, als es bis heute der Fall war. Voraussichtlich kann das Niveau des Vorjahres gehalten werden, welches wiederum minimal über dem Niveau von 2019 lag, dem letzten, nicht durch die Corona-Pandemie beeinflussten Wirtschaftsjahr.

Aktuell gehen wir davon aus, dass 2021 beim Umsatz eine Nullrunde möglich ist und die Betriebs- wie auch Beschäftigtenzahlen stagnieren. Im Bauhauptgewerbe geht man davon aus, dass der Branchenumsatz 2021 nominal etwa 0,5 Prozent über dem Niveau von 2020 liegen wird. Real, also preisbereinigt, soll das Umsatzvolumen 2021 unter dem Vorjahresergebnis liegen.

Der gesunkene reale Branchenumsatz repräsentiert das "echte" Bauvolumen – und das ist für das Gerüstbaugewerbe der bedeutsamere Referenzwert. Eine vor Kurzem vom Bauverband durch-geführte Unternehmensbefragung zeigt dennoch eine positive Lagebeurteilung der Unternehmen.

Im neuen Jahr wird mit einer guten Entwicklung gerechnet, die aber noch nicht endgültig zu beziffern ist.

Doch wir blicken zuversichtlich nach vorne und denken, dass der pandemiebedingte negative Einfluss auf die Weltwirtschaft 2022 überwunden sein sollte. Natürlich wird es Corona weiterhin geben, doch das Wirtschaftsleben könnte nächstes Jahr seinen gewohnten Rhythmus wiederfinden. Wir hoffen, dass sich in dem Zuge dann auch Material-Engpässe ausgleichen.

Der Blick nach China hat gezeigt, dass nach der Coronakrise ein ordentlicher Aufschwung möglich ist. Wir gehen ebenso wie einige Wirtschaftsforschungsinstitute davon aus, dass dies auch in Deutschland gelingen wird und das Gerüstbaugewerbe hiervon positiv beeinflusst wird. Auch die niedrigen Zinsen werden sich positiv auf uns und die gesamte Bauwirtschaft auswirken.

Die neu gebildete Bundesregierung hat große Pläne mit der Bauwirtschaft und diese in ihrem Koalitionsvertrag fixiert. Zu begrüßen ist die Ankündigung der Ampelkoalition, die Bedeutung des Bauens mit einem eigenständigen Ministerium hervorzuheben. Denn egal ob Leitungsinfrastruktur, der Ausbau der Windenergie oder die energetische Gebäudesanierung – bei der Klimawende ist die Bauwirtschaft mit ihrem Know-how gefragt.

Richtig ist auch, dass gegen die bestehende Wohnungsnot nur neu Bauen hilft – auch wenn das Ziel, 400.000 Wohnungen jährlich zu bauen, sehr ambitioniert ist und mit den richtigen Maßnahmen unterstützt werden muss. In Bezug auf das Bauen weisen einige der in dem Koalitionsvertrag enthaltenen Aussagen, zum Beispiel zu Digitalisierung, zur Ent-bürokratisierung sowie zur Standardisierung, in die richtige Richtung. Entscheidend bleibt aber, dass sie und wie sie im Detail umgesetzt werden.

Die Preise und damit der Umsatz werden nicht nur wegen guter Nachfrage, sondern auch wegen höherer Kosten voraussichtlich steigen. Der Lohntarifvertrag im Gerüstbauer-Handwerk vom 1. Juni 2021 hat eine Laufzeit von 24 Monaten und sieht ab dem 1. Oktober 2022 eine weitere Tariflohnerhöhung um 2,5 Prozent vor. Trotz ordentlicher Löhne bleibt die Fachkräftesituation im Gerüstbau angespannt.

Erfreulich ist, dass die Maßnahmen, die wir im Rahmen unserer Imagekampagne gemeinsam mit unseren Mitgliedsbetrieben umsetzen, einen positiven Effekt erzielen, der sich in steigenden Ausbildungszahlen wiederspiegelt. Ob der Zulauf ausreicht, um den zukünftigen Fachkräftebedarf zu decken, bleibt fraglich, weshalb die Nachwuchsgewinnung und -sicherung weiterhin ein Fokusthema unserer Verbandsarbeit bleibt.

Auch die tarifvertraglich geregelten Weiterbildungen zum Geprüften Gerüstbau-Monteur, Geprüften Gerüstbau-Montageleiter und Geprüften Gerüstbau-Kolonnenführer werden gut angenommen. Diese anerkannte und attraktive Quereinsteigerqualifikation schafft Fachkräfte und stärkt die Branchenbindung. Es ist erwiesen, dass ungelernte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viel schneller ein Gewerbe verlassen als ausgebildete Fachkräfte.

Aufgrund der dargestellten Situation rechnen wir damit, dass der Branchenumsatz 2022 im Gerüstbaugewerbe insgesamt um 1,5 bis 2 Prozent steigen wird. Die Zahl der Gerüstbauunternehmen wird voraussichtlich, wie in den letzten Jahren auch, stagnieren. Die Mitarbeiterzahl – und damit auch die Mitarbeiterzahl je Betrieb – wird um etwa 1 Prozent steigen.

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