Jacoby-Firmenzentrale

Innendämmung ermöglicht Sanierung ohne sichtbare Eingriffe

Paderborn (ABZ). – Auf dem Grundstück des ehemaligen Landeshospitals an der Kisau im westfälischen Paderborn, dem Stammsitz des von der Familie Jacoby geführten Unternehmens, ließ die Tap Holding ihren neuen Hauptsitz durch David Chipperfield Architects Berlin errichten. Mit der Realisierung der neuen Gebäude wurden zugleich die Ruinen historischer Klostergebäude sowie die unter Denkmalschutz stehende Fassade der Klosterkirche aus der Renaissancezeit erhalten – diese wurden gar zum Zentrum des gesamten Komplexes gemacht.
Dämmstoffe
Mittels eines speziellen Dünnbettmörtels wurden die Wärmedämmplatten schonend an die Bestandswände angebracht und verputzt. Foto: Simon Menges

Um zukünftig eine nachhaltige Entwicklung der gebauten Umwelt zu erzielen, stellen der Erhalt und die Umnutzung derartiger Bausubstanz einen essentiellen Beitrag dar. Bei der großflächigen Innenraumsanierung und -dämmung kam ein System der redstone GmbH & Co. KG aus Bremen zum Einsatz. Als neue Vertriebstochter der Bauprodukte der Calsitherm Gruppe bietet das Unternehmen die Klimaplatten von Calsitherm jetzt unter dem Namen Clima Redboard pro an.

Fassade bleibt erhalten

Auf dem rund 9000 m² großen Gelände, das am westlichen Ausläufer der Paderquellen liegt, entwickeln sich zwischen der historischen Struktur aus Bruchsteinmauerwerk die neuen Bürotrakte in Sichtbeton und mit klar strukturierten Fensteröffnungen. Damit stehen sie einerseits im klaren Kontrast zum ehemaligen Kapuzinessenkloster, andererseits in direktem Bezug, denn auch diese wurden durch Chipperfield maximal reduziert, um sich auf den ursprünglichen Bestand zu konzentrieren. So blieben im Rahmen der Sanierung insbesondere die Fassade der Kirche, der Kreuzgang sowie der Ostgebäudeflügel und der Keller erhalten.

Die Nutzung der Bestandsgebäude geht bis in das 17. Jahrhundert zurück. Ab dem Jahr 1841 wurde der Komplex als Landeshospital genutzt, im zweiten Weltkrieg allerdings schwer beschädigt, es erfolgte im Rahmen der damaligen Sanierung eine rigorose Veränderung des Ensembles, auch in seiner Kubatur – wenig Authentisches blieb seinerzeit sichtbar.

Wenngleich die Klostergebäude rein äußerlich ihrem Ursprung wieder nähergebracht werden sollten, galt es im Innenraum doch einen Standard zu erzielen, der heutigen Ansprüchen an moderne Büroarbeit gerecht wird. Energetische und ökologische Standards wurden dabei nicht außer Acht gelassen und so erfolgte die Innendämmung mittels einer raumseitig grundierten, mineralischen Wärmedämmplatte aus Kalziumsilikat. Das mineralische Clima Redboard pro wurde nach dem Verputzen der Innenwände angebracht und über einen feuchteregulierenden Dünnbettmörtel, der von redstone speziell auf die Produkteigenschaften der Platte abgestimmt wurde, mit diesen verbunden. Die Platte integriert sich nach Herstellerangaben nicht nur optisch in den Raum, sondern wirkt außerdem feuchteregulierend und damit schimmelhemmend. Überdies zählen zu ihren Vorzügen zum Beispiel eine gute Wärmedämmung sowie Umweltverträglichkeit. Nicht zuletzt ist das Material nicht brennbar und trägt so dazu bei, die hohen Anforderungen an den Brandschutz mit den ästhetischen Vorstellungen der Architekten sowie den denkmalbehördlichen Vorgaben zu vereinen. Nach Anbringung der klimaregulierenden Platten erfolgte die Begradigung und Grundierung mittels eines ebenfalls von redstone vertriebenen Kalkinnenputzes, auf den später die mineralische Wandfarbe aufgebracht wurde.

Bauherrn und Architekten war es wichtig, nicht nur ein Statement über eine besondere Architektursprache zu setzen, sondern auch in Sachen Nachhaltigkeit Innovationsgeist zu beweisen. Zur Vermeidung einer flächendeckenden Klimaanlage mit hohem Energieverbrauch wurden unterschiedliche Maßnahmen zur Klimaregulierung im Innenraum ergriffen. So kommt das Wasser aus der angrenzenden Pader zum Einsatz, um mittels einer Wärmepumpe Energie zu gewinnen. Die Kühlung im Sommer erfolgt über eine Betonkernaktivierung, die Erwärmung im Winter mittels einer Fußbodenheizung. In das nachhaltige Konzept integriert sich das Clima Redboard pro, das eine zu hohe Raumluftfeuchte verhindert und so für ein angenehmes Raumklima sorgt. Mittels kapillaraktiver Mikroporen wird überschüssige Feuchtigkeit im Raum aufgenommen und eine Kondenswasserbildung verhindert, teilt der Hersteller mit.

Natürliche Rohstoffe

Die Clima Redboard pro besteht aus natürlichen Rohstoffen und sorgt damit für ein angenehmes Wohn- und Arbeitsklima und fördert mit ihren Eigenschaften eine gesunde Raumluftqualität. In der Produktionsstätte von Calsitherm in Paderborn produziert, wurden mit dem Einsatz in der Jacoby Firmenzentrale überdies kurze Transportwege gewährleistet.

Ende 2019 wurden die Maßnahmen fertiggestellt, hinter Bruchsteinmauerwerk, hellem Ziegel und rohem Beton befinden sich nun moderne Arbeitswelten für rund 140 Mitarbeitende der Unternehmensgruppe. "Die Entdeckung der verlorengeglaubten Klosteranlage im Komplex des Landeshospitals eröffnete uns die Gelegenheit, den Neubau an die reizvolle Ruinenstruktur anzulagern. Bestand und Neubau verbinden sich zu einem Ganzen und schreiben die städtebauliche Entwicklung der Paderborner Altstadt behutsam fort", beschreibt Frithjof Karl, Associate und Projektleiter bei David Chipperfield, den Grund-charakter der Planungen.

Im Oktober 2020 erhielt das Projekt die Auszeichnung "Vorbildliche Bauten NRW 2020" der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und wurde zudem mit der Auszeichnung "Respekt und Perspektive. Bauen im Bestand 2020" der Deutschen Bauzeitung prämiert. Internationales Renommee erhält das Projekt durch die Nominierung für den "Mies van der Rohe Award 2022".

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