Kleemann zur steinexpo

"Kunden brauchen heute Lösungen und nicht nur reine Produkte"

von:

Robert Bachmann

Kleemann steinexpo
Die Geschäftsführer Dr. Rüdiger Kaub (r.) und Dr. Volker Nilles sprachen über die aktuelle Geschäftsentwicklung bei Kleemann und die Messepräsentation des Unternehmens auf der anstehenden steinexpo.

Göppingen. – Am Firmensitz des Brech- und Siebanlagenherstellers Kleemann in Göppingen ist derzeit vieles in Bewegung. Aufgrund des anhaltenden Wachstums in den vergangenen Jahren befindet sich der Produktionsstandort östlich von Stuttgart kontinuierlich im Ausbau. Vor Ort sprach ABZ-Chefredakteur Robert Bachmann mit den Geschäftsführern Dr. Rüdiger Kaub und Dr. Volker Nilles über die aktuelle Geschäftsentwicklung bei Kleemann und die Messepräsentation des Unternehmens auf der anstehenden steinexpo. Geht man heute über das weitläufige Produktionsgelände der Kleemann GmbH in Göppingen, deutet wenig darauf hin, dass es sich hierbei um ein nunmehr 160 Jahre altes Urgestein der deutschen Baumaschinenindustrie handelt. Kein Staub, kein Rost und keine überholungsbedürftigen Arbeitsprozesse trüben das Bild der hochmodernen Fertigung, in der Arbeitskomfort und Arbeitseffizienz scheinbar nahtlos ineinander gehen. Auf vier Produktionslinien werden Brech- und Siebanlagen für den gesamten Weltmarkt in Serie gefertigt – immer aber mit der Option, die Anlagen flexibel an die individuellen Anforderungen der Kunden anzupassen. Alle dafür erforderlichen Bauteile lagern direkt an den jeweiligen Arbeitsstationen. Sämtliche Werkzeuge, Laserschnitt- und Schweißroboter sind auf dem aktuellen Stand der Technik.Einen nicht unwesentlichen Anteil an den hervorragenden Voraussetzungen, unter denen die rd. 500 Mitarbeiter heute bei Kleemann arbeiten, hat die Konzernmutter Wirtgen Group. Vor der Übernahme durch die Unternehmensgruppe 2006 hatte sich Kleemann auf den Nischenmarkt der raupenmobilen Aufbereitungsanlagen spezialisiert – "vorwiegend Sonderanlagen mit Stückzahlen von etwa 50 im Jahr", wie Dr. Rüdiger Kaub, kaufmännischer Geschäftsführer bei Kleemann, in einem früheren Gespräch mit der ABZ erklärte. Seit 2006 konzentriert man sich in Göppingen zunehmend auf Serienprodukte für den internationalen Markt. Heute verkauft Kleemann nach eigenen Angaben rd. 600 Maschinen im Jahr."Mit dieser Strategie fahren wir seit Jahren sehr gut", erklärte Dr. Kaub im Gespräch mit der ABZ. Bereits 2015 konnte Kleemann seinen Umsatz um etwa 20 % erhöhen. "Mit rd. 220 Mio. Euro Umsatz konnten wir dieses Ergebnis 2016 noch einmal steigern. Dieser Trend setzt sich fort. Auch für das aktuelle Geschäftsjahr haben wir uns wieder ehrgeizige Zielvorgaben gesetzt und sind guter Dinge, diese auch erreichen zu können." Mittelfristig werde ein Umsatz von 400 Mio. Euro angestrebt.Für das aktuelle Geschäftsjahr sei man derzeit noch etwas hinter Plan, so Dr. Kaub. Die Zeichen stünden jedoch sehr gut. Dafür spreche die allgemein gute Stimmung in den für Kleemann relevanten Industrien Gewinnung und Baustoffrecycling. Vor allem die Wiederaufbereitung von Baustoffen sei zunehmend im Kommen, was sich natürlich in der Nachfrage mobiler Aufbereitungsanlagen bemerkbar mache. Ohnehin wachse der Markt für mobile Anlagen zunehmend, so Kaub. "Kaum ein Gewinnungsbetrieb erhält heute noch die Lizenz, über 15 bis 30 Jahre in einem Steinbruch aktiv zu sein. Ein entsprechend hohes Maß an Flexibilität und Mobilität wird heute von den Anlagen und ihren Betreibern gefordert." "Hinzu kommt, dass die i. d. R. kompakteren mobilen Aufbereitungsanlagen zunehmend leistungsstärker werden und damit Arbeiten übernehmen können, die früher einmal stationären Anlagen vorbehalten waren", ergänzte Dr. Volker Nilles, technischer Geschäftsführer bei Kleemann.

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Kleemann steinexpo
Aufgrund des anhaltenden Wachstums in den vergangenen Jahren befindet sich der Produktionsstandort von Kleemann in Göppingen, östlich von Stuttgart, kontinuierlich im Ausbau.

Natürlich habe sich auch der aktuelle Konjunkturhochlauf in Deutschland bei Kleemann bemerkbar gemacht, sagte Dr. Kaub. "Seit dem Einstieg in die Wirtgen Group haben wir das internationale Geschäft stark forciert. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass wir das Engagement auf unserem Heimatmarkt zurückgenommen hätten. Deutschland ist nach wie vor unser stärkster Einzelmarkt. Hier halten wir derzeit etwa 30 % Marktanteil. International liegen wir bei etwa 10 %."Während das konjunkturelle Hoch am Bau in Deutschland vielerorts für Lieferengpässe sorgt, trägt man bei Kleemann seit jeher dafür Sorge, die Produktionskapazitäten an das stetige Wachstum des Unternehmens anzupassen. "In den letzten beiden Jahren haben wir 50 Mio. Euro in die Erweiterung unseres Werks investiert", erklärte Dr. Nilles. "Neben der Erhöhung unserer Produktionskapazitäten haben wir dabei unsere Lagerfläche verdoppelt." Ausreichend Platz für künftige Erweiterungen sei ebenfalls vorhanden. Hierfür wurden bereits weitere Flächen am Standort erschlossen.Aktuell bereitet man sich bei Kleemann auf die anstehende steinexpo vor. Als Fachmesse speziell für die Gewinnungsindustrie hat die Leistungsschau in Homberg Nieder-Ofleiden natürlich einen besonderen Platz im Veranstaltungskalender von Kleemann. Dr. Kaub: "Die steinexpo ist für uns alle drei Jahre ein besonderes Highlight. Im Gegensatz zu einer bauma, deren Qualitäten vor allem in ihren Dimensionen und ihrer Relevanz für die gesamte Baubranche liegen, zeichnet sich diese Messe vor allem durch ihren Demonstrationscharakter aus. Hier können wir unsere Anlagen direkt im Steinbruch bei der Arbeit präsentieren. Etwas Vergleichbares gibt es ansonsten lediglich mit der Hillhead in Großbritannien." Die Präsentation während der Anwendung sei heute von großem Wert, da es immer mehr darauf ankomme, Lösungen anzubieten, statt "nur ein Produkt", so Dr. Kaub. "Die Anwendungen in der Aufbereitung von Gestein und Baustoffen werden zunehmend komplexer. Entsprechend auch die Maschinen, weshalb der Vertrieb sehr beratungsintensiv ist. Diese Lösungskompetenz darstellen zu können, ist uns sehr wichtig. Aus Erfahrung wissen wir: Gut beratene Kunden kommen wieder. Unsere Produkte im Einsatz zeigen zu können, ist dabei natürlich eine große Hilfe."

Kleemann steinexpo
Auf der steinexpo hat Kleemann in diesem Jahr eine Weltpremiere im Programm. Mit der Backenbrechanlage MC 120 Z PRO ist auf der steinexpo erstmals das neue Modell aus der PRO-Serie zu sehen. Fotos: Kleemann

Auf der steinexpo hat Kleemann in diesem Jahr eine Weltpremiere im Programm. "Mit der Backenbrechanlage MC 120 Z PRO zeigen wir auf der steinexpo erstmals unser neues Modell aus der PRO-Serie", sagte Dr. Nilles. "Die Anlage ist speziell auf die Hartgesteinsaufbereitung ausgelegt, ist extrem robust und für eine hohe Durchsatzleistung von bis zu 650 t/h konstruiert." Das sogenannte Continuous Feed System sorgt auch bei der MC 120 Z PRO für eine optimale Brecherauslastung. Dabei wird die Materialzufuhr in Abhängigkeit des Materialflusses geregelt.

Ein integriertes Doppeldecker-Vorsieb mit extragroßer Siebfläche gewährleistet zudem eine effektive Vorabsiebung von Feinanteilen. Auch in puncto Sicherheit und Bedienbarkeit soll die neue Anlage Maßstäbe setzen. Hierfür wurde die MC 120 Z PRO mit dem auf der Conexpo vorgestellten Steuerungskonzept Spective ausgestattet. Dieses ermöglicht, alle Anlagenfunktionen und –komponenten über ein intuitiv bedienbares Touchpanel zu kontrollieren. "Damit tragen wir sowohl dem weltweit sehr unterschiedlichen Anwenderniveau Rechnung als auch dem Umstand, dass unsere Aufbereitungsanlagen in ihrer Funktionsvielfalt immer komplexer werden", erklärte Dr. Nilles.

Seine hohe Produktionsleistung werde der Backenbrecher zur steinexpo als verkettete Anlagenkombination zusammen mit dem Kegelbrecher MCO 11 PRO (als Ergänzung in der zweiten Brechstufe mit bis zu 470 t/h Durchsatzleistung) und der Siebanlage MS 953 EVO demonstrieren. Das neue Steuerungskonzept Spective sei ein gutes Beispiel, wenn auch nur ein kleiner Ausschnitt, dafür, welche Rolle das Thema Digitalisierung bei Kleemann spiele, erklärte Dr. Nilles. "Schon vor etwa 15 Jahren haben wir damit begonnen, Modems in unseren Anlagen zu verbauen, um damit die Fernwartung der Maschinen zu ermöglichen. In der Digitalisierung sehen wir vor allem ein großes Potenzial, unsere Kunden bei den Themen Service und Sicherheit zu unterstützen. Ein Thema, auf das wir bspw. hinarbeiten, ist, dass bei Problemen künftig auf dem Display der Maschinen Fehlermeldungen und entsprechende Lösungsanweisungen angezeigt werden, wie man das etwa von Druckern kennt."

Mit dem Telematik-System WITOS verfügt die Straßenbausparte der Wirtgen Group bereits über ein intelligentes Flottenmanagementsystem. Positive Synergieeffekte in puncto Digitalisierung erwartet Dr. Nilles auch von der neuen Konzernmutter Deere & Company, deren Kernkompetenz in der Landmaschinentechnik liegt, die bei Themen wie Vernetzung, Automatisierung etc. bereits sehr fortgeschritten sei.

Das Bekanntwerden der Übernahme im Juni dieses Jahres sei nach Aussage der beiden Kleemann-Geschäftsführer hauptsächlich auf positive Resonanz gestoßen. Zum Einen habe man als relativ junges Mitglied der Wirtgen Group bereits vor nicht allzu langer Zeit sehr gute Erfahrungen mit einer Unternehmensübernahme gemacht. Zum Anderen sei Deere hinlänglich für eine sehr nachhaltige Mitarbeiterpolitik bekannt. Auch gäbe es im Grunde keine Überschneidungen im Produktangebot, weshalb Dr. Kaub und Dr. Nilles der neuen Konzernstruktur sehr erwartungsvoll entgegen sehen. Dr. Nilles: "Deere ist ein weltweit tätiges und hoch angesehenes Unternehmen, das über ein riesiges Vertriebsnetzwerk, technisches Know-how und unschätzbare Erfahrungswerte verfügt. Davon können wir nur profitieren."

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