Steelwrist erweitert Präsenz in Deutschland

Enormes Entwicklungspotenzial

Der Anbaugerätehersteller Steelwrist eröffnete jüngst eine neue Niederlassung in Norderstedt. Joachim Schier, Geschäftsführer der Steelwrist Deutschland GmbH, sprach mit ABZ-Chefredakteur Kai-Werner Fajga über die Hintergründe zu den verstärkten Aktivitäten im DACH-Raum. Nicht nur die Serviceleistungen sollen ausgebaut werden.
Steelwrist Tiltrotator Anbaugeräte
Joachim Schier ist Geschäftsführer der Steelwrist Deutschland GmbH. Foto: Steelwrist

ABZ: Herr Schier, Steelwrist ist als schwedischer Hersteller von Tiltrotatoren weltweit aktiv, die Hauptabsatzmärkte des Unternehmens liegen außerhalb Deutschlands. Was war der Anlass dafür, die aktuellen Neuheiten-Vorstellungen in Hamburg stattfinden zu lassen?

Schier: Eigentlich hatten wir ja zwei Anlässe für die Einladung. Neben den Produktneuvorstellungen begehen wir auch die Neueröffnung unseres Standortes hier in Norderstedt bei Hamburg. Der Standort hier wird uns in Zukunft als neue Niederlassung in Deutschland dienen, von der aus wir unser Vertriebs- und Servicegeschäft steuern werden. Was unsere Aktivitäten als Hersteller angeht, muss man ganz einfach festhalten, dass die Verbreitung von Baggern mit Tiltrotatoren in Deutschland noch nicht so weit fortgeschritten ist, wie in anderen Ländern. Da gibt es durchaus noch Nachholbedarf und somit ein großes Potenzial für uns als Anbieter.

ABZ: Wie kam es dazu, dass in Hamburg sehr viele Neuheiten auf einmal vorgestellt wurden?

Schier: Wir hatten unsere letzte große Produktneuvorstellung im Jahr 2017 in Schweden und seither unsere Produktreihe erweitert und viele Dinge weiterentwickelt. Jetzt haben wir einige wirklich neue Produkte neben Weiterentwicklungen bereits existierenden Baureihen zeigen können.

ABZ: Sie haben mit der Organisation des neuen Standorts vor rund einem Jahr begonnen. Wie ist er strukturiert?

Schier: Wir sind Anfang 2023 hier an dem Standort eingezogen und haben seither das Gebäude entsprechend ertüchtigt und nach unseren Vorstellungen ausgebaut. Von insgesamt aktuell elf Mitarbeitern, die für den deutschsprachigen Raum zuständig sind, arbeiten am Standort direkt vier Mitarbeiter und steuern von hier aus die Aktivitäten unserer Vertriebs- und Servicemitarbeiter im Außendienst. Mit Lagerflächen für Neuprodukte und Ersatzteile sowie einem Werkstattbereich sind wir für die kommenden Aufgaben gut gerüstet.

ABZ: Welche Aufgaben sind das genau?

Schier: Wir lagern hier in Norderstedt sehr viele neue Produkte und Ersatzteile, um den deutschsprachigen Markt schneller beliefern zu können. Bisher sind alle Produkte aus unserem Mutterwerk in Schweden gekommen, aber von jetzt an verfügen wir hier in Norddeutschland über einen Lagerbestand der gängigsten Produkte und Ersatzteile. So können wir unsere Kunden eben noch schneller bedienen.

ABZ: Welche Leistungen umfasst der Service bei Steelwrist?

Schier: Wie angedeutet, haben wir einige Service-Mitarbeiter, die im Außendienst unterwegs sind. Zu ihren Tätigkeiten zählt es etwa, unsere Produkte – hauptsächlich die Tiltrotatoren und Schnellwechsler – zu installieren, oder Wartungsarbeiten und Reparaturen zu übernehmen. Aufgrund der Tatsache, dass wir unsere Produkte ausschließlich über den Baumaschinen- oder Anbaugerätehandel vertreiben, sind unsere Händler die ersten Ansprechpartner für ihre Endkunden Wir unterstützen den Händler dann bei Bedarf telefonisch oder direkt vor Ort. An dieser Stelle gab es in der Vergangenheit immer wieder Engpässe und deshalb müssen und werden wir unsere Kapazitäten im Servicebereich noch weiter ausbauen. Zusätzlich wollen wir unser Netz an qualifizierten Servicepartnern noch erweitern, die uns noch besser in der Fläche unterstützen können.

ABZ: Wie geschieht die Installation ihrer Systeme?

Schier: Die Installation erfolgt entweder durch den Servicetechniker von Steelwrist oder über einen qualifizierten Service-Partner von Steelwrist. Langjährige Händler von uns mit der entsprechenden Erfahrung sind zum Teil auch selbst in der Lage, die Systeme zu installieren.

ABZ: Was haben Sie sich an dem neuen Standort für die kommenden zwölf Monate zum Ziel gesetzt?

Schier: Nachdem wir quasi frisch eingezogen sind, werden wir den Standort erst einmal weiter aufbauen, unsere Prozessabläufe durchspielen und lauffähig machen. Parallel werden wir weiter in unsere Servicekapazität investieren, um weitere Möglichkeiten und Dienste anzubieten. Das wird bis hin zu Full Service-Leistungen für unsere Tiltrotatoren gehen, also dass wir Kunden auch eine Wiederaufarbeitung eines Produktes anbieten können.

ABZ: Welchen Stellenwert nimmt der Deutsche Marktplatz für Steelwrist ein?

Schier: Der Markt ist uns extrem wichtig, weil im deutschsprachigen Raum rund 30.000 Bagger pro Jahr umgesetzt werden, was grob etwa einem Viertel des europäischen Marktvolumens entspricht. Da sich die Installationsrate von Tiltrotatoren in Deutschland aber noch im einstelligen Bereich bewegt, sehen wir hier noch enormes Entwicklungspotenzial. Da sind andere Länder weiter, und deshalb gilt es für uns hier in Deutschland, einfach intensiver anzugreifen.

ABZ: Können sie da einen Vergleich zu anderen Ländern anstellen?

Schier: Das Konzept der Tiltrotatoren kommt ursprünglich aus dem skandinavischen Raum. In diesen Ländern liegen die Installationsraten für Tiltrotatoren in der Maschinenklasse von 2 Tonnen bis 33 Tonnen bei über 90 Prozent– und das ist natürlich für uns ein Benchmark. Andere Länder wie die Niederlande oder Frankreich weisen Installationsraten in Größenordnungen von 30 bis 50 Prozent aus, je nach Maschinensegment. Der deutschsprachige Markt wird an der Stelle sicherlich nachziehen, denn das Konzept ist weltweit bewährt.

ABZ: Wie differenziert sich Steelwrist gegenüber Wettbewerbern?

Schier: Wir sehen ganz klar wesentliche Differenzierungsmerkmale. Als Erstes die Benutzerfreundlichkeit, denn wir haben mit Quantum Connect das am weitesten entwickelte Steuersystem am Markt, welches dem Anwender die Möglichkeit gibt, alles genau auf seine individuellen Bedürfnisse einzustellen Ein weiteres, entscheidendes Differenzierungsmerkmal ist für uns, aufgrund der Bauweise des Tiltrotators aus Stahlguss, sein Gewicht und seine Bauhöhe. Unser Ziel ist es, die Stabilität und die Grabkräfte der Maschine durch den Anbau eines Tiltrotators so wenig wie möglich zu beeinflussen.

ABZ: Steelwrist hat eine ganze Palette Neuheiten vorgestellt, was sind aus Ihrer Sicht die Highlights darunter?

Schier: Bei den Neuvorstellungen nimmt der Tiltrotator XTR20 schon eine Sonderstellung ein. Er repräsentiert die dritte Generation unserer Tiltrotatoren, ist tatsächlich eine neue komplette Neuentwicklung und das erste Modell dieser Baureihe. Die nächsten Modelle werden mit der Zeit folgen. Der XTR20 ist auf 16-20-Tonnen-Bagger ausgerichtet und sowohl mit S60- als auch mit SQ60-Schnellwechsler erhältlich. Der XTR20 verfügt auch über unsere patentierte LockSense-Technologie – ein hochmodernes Sensorsystem zur sicheren Verriegelung von Arbeitsgeräten. Ein weiteres Highlight ist unsere völlig neue Produktreihe der Rotorwechsler mit der Bezeichnung XR. Wir haben die beiden Modelle XR07 und XR20 hier vorgestellt. Die Rotorwechsler sorgen für zusätzliche Flexibilität und Effizienz, da sie eine kontinuierliche Drehung des Arbeitsgeräts um 360 Grad erlaubt. Die Installation ist sehr einfach, da der Rotorwechsler keine Steuerung am Bagger erfordert. Mit den beiden ersten Modellen zielen wir auf Bagger von 4 bis 7 Tonnen mit dem XR7 und auf Bagger von 14 bis 20 Tonnen mit dem XR20. Als Ergänzung zu unserem umfassenden Angebot an Arbeitsgeräten haben wir auch eine neue Reihe von HCX-Verdichtern, MGX-Mehrfachgreifern und SGX-Sortiergreifern vorgestellt, die für den Einsatz unter dem Tiltrotator konzipiert sind.

Was uns in diesem Zusammenhang extrem wichtig ist, ist dass Steelwrist immer auch für offene Schnittstelle steht. Wir sehen Steelwrist nicht als isoliertes System, das seine eigene Schnellwechsler-Schnittstelle nutzen will, sondern wir unterstützen den Open S-Standard mit offenen Schnittstellen. Die Geräte verschiedener Hersteller, die nach diesem Standard bauen, sind miteinander mechanisch und hydraulisch kompatibel und kombinierbar. Darüber hinaus ist uns das Thema MIC 4.0 extrem wichtig. Wir sind bereits seit Anfang 2020 aktives Mitglied in dieser VDMA-Arbeitsgruppe und wollen auch dort unseren Beitrag leisten, um eine offene Schnittstelle auf der digitalen Seite zu entwickeln, damit auch an dieser Stelle herstellerübergreifende Kompatibilität geschaffen wird.

ABZ: Der Open-S-Allianz haben sich unter anderem Hersteller wie Volvo angeschlossen. Wie stehen andere große Hersteller dem Thema gegenüber?

Schier: Die Open-S-Allianz existiert seit 2020, und wurde von Steelwrist und Rototilt gegründet. Nicht nur Volvo oder Kinshofer sind in der Allianz engagiert, auch andere namhafte Unternehmen, wie zum Beispiel jetzt das neue Mitglied Wacker Neuson. Durch die OEM Kooperationen von Steelwrist und Rototilt werden bereits heute Open-S-Schnellwechsler von großen Herstellern wie Volvo oder Caterpillar angeboten.

ABZ: Zurück zu den Neuheiten, was sind die weiteren Highlights?

Schier: Da ist zum Einen das Thema LockSense – unsere neue und patentierte Sicherheitslösung für die Arbeitswerkzeugverriegelung bei Schnellwechslern und zum Anderen OptiLube – unser integriertes Schmiersystem bei Tiltrotatoren.

ABZ: Wo wird die LockSense-Technik verbaut?

Schier: Die LockSense-Technik wird bei unseren Schnellwechslern verbaut, also bei den hydraulischen S-Wechslern und bei den vollhydraulischen SQ-Wechslern, entweder beim Schnellwechsler an der Maschine oder angebaut unter dem Tiltrotator Es ist eine völlig neuartige Technologie, die die Position und die Lage der Riegelbolzen über integrierte Sensoren überwacht und dieses Signal an das Display in der Fahrerkabine schickt. Das Besondere daran ist, dass LockSense kabellos funktioniert. Es gibt keine Kabel am Schnellwechsler oder über den Ausleger der Maschine, die beschädigt werden können.

Dadurch ist das System deutlich widerstandsfähiger, weil weniger Kabel oder Bauteile vorhanden sind, die beschädigt werden könnten. Das macht die Lösung für den Baustellenalltag deutlich besser nutzbar.

ABZ: Was steckt hinter dem Begriff OptiLube?

Schier: Unsere neue XTR Baureihe der Tiltrotatoren ist mit wartungsfreien Lagern ausgestattet. Um den Schneckantrieb ebenfalls bestmöglich zu schmieren, haben wir das System OptiLube entwickelt. OptiLube sorgt automatisch für die optimale Schmierung von Steelwrist Tiltrotatoren. Das verwendete Schmiermittel wurde speziell für Steelwrist-Tiltrotatoren entwickelt und reduziert die Reibung und verlängert die Lebensdauer. Die Lösung ist in das Steuersystem des Tiltrotators integriert, ermöglicht eine kontinuierliche

Überwachung der Schmierleistung und warnt den Bediener, wenn es Zeit ist, die Schmierstoffkartusche auszutauschen.

ABZ: Das Marktgeschehen im deutschen Baugewerbe ist momentan durch die Krise im Wohnungsbau geprägt. Es gibt seit mehr als zwölf Monaten einen deutlichen Rückgang der Auftragseingänge. Wie stellt sich die Situation für Steelwrist als Anbieter dar?

Schier: Also, wir merken natürlich auch den Rückgang oder sagen wir, eine gedämpfte Nachfrage. Ein kräftiges Standbein für uns war immer die Installation von Schwenkrotatoren an neue Maschinen, aber ein nicht unerheblicher Teil ging auch immer in dem Bestandsmarkt, also die Nachrüstung von vorhandenen Maschinen mit Schwenkrotatoren. Und an der Stelle haben wir immer noch eine recht gesunde Nachfrage, sodass wir den Rückgang in anderen Feldern abfedern können.

ABZ: Wie wird sich das Marktgeschehen diesbezüglich im deutschen Markt in den kommenden zwölf Monaten entwickeln – wagen Sie eine Prognose?

Schier: Ich bin generell positiv gestimmt und guter Dinge. Ich sehe einfach, dass ein großer Bedarf vorhanden ist. Die Projekte sind da, die Notwendigkeiten beim Wohnungsbau, in der Infrastruktur, ob Schienen- oder Straßenbau. Wir haben jetzt zwar einen Abschwung, der wurde aber schon vor einigen Jahren erwartet. Insofern sind wir auf diese Situation vorbereitet. Ich bin überzeugt davon, dass auch verschiedene politische Maßnahmen zeitnah greifen werden, und dann wird das Marktgeschehen Ende 2024 schon wieder anders aussehen.

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