Bauaussichten 2017

Nachfragezuwächse mit Sicherheit zu erwarten

Von Dr. Olaf Enger, Hauptgeschäftsführer Bundesverband Mineralische Rohstoffe, Köln

Dr. Olaf Enger, Hauptgeschäftsführer Bundesverband Mineralische Rohstoffe.

Der Optimismus, den Unternehmen und Verbände der Bauwirtschaft im Vorjahr an dieser Stelle aufgrund der günstigen Rahmenbedingungen bereits formulierten, war berechtigt. Die Steigerungsraten des Jahres 2016 sind dennoch ebenso erfreulich wie ungewöhnlich für eine Volkswirtschaft, von der bisweilen behauptet wurde, sie sei fertig gebaut. Dass dem nicht so ist, wissen alle, die regelmäßig mit dem Fahrzeug unterwegs sind, öffentliche Gebäude und Bauwerke betreten oder eine neue Unterkunft suchen.

In Anbetracht der Mittelausstattung, des allseits bekannten Nachholbedarfs und der daraus resultierenden Nachfragesituation in den nächsten beiden Jahren, wird dieser Optimismus für die bauausführenden und zuliefernden Branchen auch das Jahr 2017 prägen. Zwar entwickeln sich Bauinvestitionen und Baustoffbedarf durch einen größeren Mittelbedarf für den Bereich technischer Gebäudeausrüstungen und steigende Baunebenkosten nicht mehr in gleicher Weise parallel wie in der Vergangenheit, dennoch wird auch die Nachfrage nach Gesteinskörnungen steigen. Die Gesteinsindustrie sieht sich aktuell gut aufgestellt und in der Lage, den Zuwachs beim Bedarf an Sand, Kies, Splitt und Schotter für direkte Anwendungen und die Baustoffproduktion mengen- und qualitätsgerecht zu decken. Unsere Gesteinsunternehmen sind gerüstet und bereit die gewünschten Produkte im nachfragegerechten Umfang, bedarfsweise auch im Mehrschichtbetrieb, zu produzieren. Noch erfreuen wir uns zudem in Deutschland der günstigen Situation, bei der Gewinnung von Steine- und Erden-Rohstoffen und der Lieferung von Gesteinsbaustoffen autark agieren zu können. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn viele unserer Mitgliedsunternehmen berichten von erheblichen Schwierigkeiten, Genehmigungen für Erweiterungen oder neue Gewinnungsflächen in ausreichendem Umfang zu erlangen und damit den künftigen Fortbestand ihres Werkes zu sichern. Um aber den Status Quo zu erhalten, braucht die Gewinnungstätigkeit eine vorausschauende Planung mit entsprechenden Genehmigungshorizonten. Sich dafür einzusetzen, ist Aufgabe der regionalen Politik – das Rohstoffverständnis zu fördern, muss Bundesaufgabe sein. Hier vermissen wir eine klare und eindeutige Positionierung, die wir im Netzwerk mit befreundeten Verbänden 2017 einfordern werden.

Das Verständnis für die Bedeutung unserer heimischen Rohstoffe zu fördern ist auch deshalb wichtig, weil Wiederverwertungs- und Sparpotenziale aus anderen Lebensbereichen derzeit mit massiven Forderungen auf unsere Branche übertragen werden sollen. Sicher ist es angeraten, über die Nutzungsdauer von Elektronikartikeln unter dem Aspekt des hierfür erforderlichen Bedarfs an seltenen Erden und edlen Metalle intensiv nachzudenken. Ebenso ist zu hinterfragen, ob wirklich jede Verpackungsidee im Konsumgüterbereich einen Fortschritt darstellt. Die Übertragung der absoluten Substitution auf unsere Branche dagegen erscheint eher fragwürdig.

Nachdem der "Klimawandel" zum Selbstläufer geworden ist, plant das Öko-Institut unter dem Titel "Rohstoffwende 2049" ein gewagtes Sparprogramm. Die Gewinnung und Nutzung heimischer Gesteinsrohstoffe soll danach um bis zu 50 % reduziert werden. Schwer nachzuvollziehen, wie das funktionieren soll. Die als eine Lösung vorgeschlagene Steigerung des Recyclings ist kaum möglich, da bereits heute etwa 90 % aller mineralischen Bauabfälle wiederaufbereitet und verwertet werden. Die ideologische Prägung des Sparansatzes sieht aber durchaus weitere Potenziale und zielt u. a. darauf ab, durch eine Umgestaltung der Grunderwerbsteuern den Bau von Eigenheimen gegenüber Mehrfamilienhäusern zu verteuern, da hier der Bedarf mineralischer Rohstoffe je Wohneinheit höher ausfällt. Ferner wird einer Verringerung des Straßen(aus)baus und der Verlagerung des Gütertransports auf die Schiene das Wort geredet. Auch das letztgenannte Vorhaben, bereits seit vielen Jahrzehnten ohne großen Erfolg propagiert, lässt aufhorchen: Wo nämlich waren die kritisch mahnenden Einwände genau dieses fordernden Instituts, als die Bahn im Frühjahr 2016 die Schließung von 215 Güterverladestellen ankündigte? Wie einige unserer Unternehmen leidvoll erfahren mussten, waren sogar Verladestellen von Bahnschotter-Lieferanten betroffen. Ein Fakt, der an Widersinn kaum zu überbieten ist.

Und da dies nicht der einzige, sondern nur der aktuellste Angriff auf die heute meist als selbstverständlich betrachtete, verwendungsnahe und damit preiswerte, pünktliche und qualitätsgerechte Bereitstellung von Gesteinskörnungen darstellt, könnte diese also tatsächlich in Gefahr geraten. Unsere Aufgabe wird es sein, diese Tatsache 2017 stärker in den Aufmerksamkeitsfokus von Politik und breiter Öffentlichkeit zu rücken. Insofern starten wir gleichermaßen gut gerüstet für die unmittelbaren Aufgaben wie ambitioniert ins Jahr 2017.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 01/2017.

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