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Nachhaltigkeit ist mehr als Klimaschutz

Von Clemens Kuhlemann, Geschäftsführer der Deutschen Poroton, Berlin

Jeden Freitag gehen Millionen Schüler weltweit auf die Straße, um für die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens zu demonstrieren. "Fridays for Future" ist innerhalb kurzer Zeit zu einer kraftvollen Bewegung geworden, die den Klimaschutz an die Spitze der politischen Agenda katapultiert hat. Für die Mehrheit aller Deutschen ist die Begrenzung der Erderwärmung ein wichtiges Zukunftsthema geworden. Mittlerweile gehen selbst Unternehmen für den Klimaschutz auf die Straße. "Entrepreneurs for Future" heißt die europäische Umweltinitiative, zu der sich mehr als 4377 Unternehmen zusammengeschlossen haben. Sie verpflichten sich, ihren CO2-Ausstoß in den nächsten zwei Jahren schrittweise zu verringern.

Ich finde das absolut richtig und wichtig. Denn mit ein bisschen Klimakosmetik ist es nicht getan. Deutschland braucht eine ökologische Transformation, die weit über die Forderung nach mehr Windrädern und Solaranlagen hinausgeht.

Wir müssen nicht nur die Energiewende schaffen, sondern wahrscheinlich unsere gesamte Wertschöpfungskette neu gestalten. Eine riesige Herausforderung, die nur mit vereinten Kräften gelingen kann. Die Politik muss dafür die Rahmenbedingungen schaffen, wir als Unternehmen weiterhin unsere Hausaufgaben machen. Die Deutsche Poroton hat die ökologischen Weichen in Richtung Zukunft gestellt: Mit der Expertise unseres 2014 in Zeilarn eröffneten Forschungs- und Entwicklungszentrums ist es uns gelungen, den Klimaschutz in der Ziegelproduktion deutlich voranzutreiben. Grundlage dafür ist eine Drei-Säulen-Strategie, welche vorab bei den bayerischen Werken Anwendung findet: Mit einem nach ISO 50001 zertifizierten Energiemanagementsystems wurden vom TÜV Nord alle Poroton-Werke zertifiziert, die in Bayern das Produktsegment Perlit verfüllter Ziegel bedienen. Andere Werke werden kurzfristig, schon im Frühjahr dazukommen. Dazu mussten im Vorfeld Investitionen getätigt werden, wodurch pro Jahr in etwa 1580 Tonnen CO2 eingespart werden. Nach dem Motto "Grüne Energie für rote Ziegel" kommt dabei Strom maßgeblich aus erneuerbaren Energien (Wasser und Sonne) zum Einsatz und als drittes werden nicht vermeidbare Emissionen durch UNFCC-Klimaschutzprojekte kompensiert.

Laut einer aktuellen Umfrage sind 80 Prozent der deutschen Betriebe bereit, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, 30 Prozent würden dafür sogar Mehraufwand und Einbußen in Kauf nehmen. Allerdings darf die Politik die Firmen nicht überfordern. Nach der Maxime "Fördern und Fordern" müssen sich Anreize und Belastungen in einem ausgewogenen Verhältnis bewegen. Nehmen wir zum Beispiel den Gesetzesentwurf zur CO2-Bepreisung. Hier sieht sogar der Bundesrat dringenden Korrekturbedarf: Zum einen, weil der damit verbundene Bürokratieaufwand die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen beeinträchtigen würde und zum anderen, weil Unternehmen, die bereits dem europäischen Emissionshandel unterliegen, von der nationalen CO2-Besteuerung doppelt belastet würden.

Doch was nützt der beste Klimaschutz, wenn er für Unternehmen und Verbraucher nicht bezahlbar ist? Wer Nachhaltigkeit rein ökologisch betrachtet, denkt zu kurz. Sie ist immer ein ausgewogener Dreiklang aus ökologischen, ökonomischen und sozio-funktionalen Aspekten. Im Rahmen einer ganzheitlichen Perspektive punkten unsere Produkte mehrfach. Selbst Ziegel, die nicht vom TÜV Nord als klimaneutral zertifiziert wurden, haben im Vergleich zu anderen Baustoffen nur einen sehr kleinen CO2-Fußabdruck. Die Gründe dafür liegen in der Langlebigkeit und einem bis zu 10 Prozent geringeren Heizwärme- und Kühlenergiebedarf aufgrund der hohen Wärmespeicherfähigkeit von Ziegeln. Hinzu kommen die ökonomischen Vorteile, die bei der Schaffung bezahlbaren Wohnraums von besonderer Bedeutung sind. Laut einer aktuellen Studie der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßen Wohnungsbau (ARGE Kiel) lassen sich Außenwände im mehrgeschossigen Wohnungsbau mit Ziegelmauerwerk 13 Prozent günstiger als mit Beton und 18 Prozent preiswerter als in Holzbauweise errichten. Hierzu veröffentlicht die ARGE Anfang 2020 das neue Informationsblatt "Kostengünstiger monolithischer Objektbau".

Zudem werden monolithische Ziegelgebäude höchsten Schallschutzansprüchen gerecht, was im urbanen Städtebau ein wichtiger Faktor ist. Doch mit Klimafreundlichkeit und niedrigen Kosten ist es nicht getan. Wenn die Lücke zwischen fertiggestelltem und benötigtem Wohnraum nicht noch größer werden soll, müssen wir schneller– und rationeller bauen.

Mit Redbloc verfügen die Poroton-Anbieter bereits jetzt über ein marktreifes Verfahren, um Ziegelwände seriell zu fertigen. Mit den Ziegelfertigteilen können die Verarbeiter mehrgeschossige Wohngebäude innerhalb weniger Tage, mit vergleichsweise geringem Personalaufwand, montieren. Erste Objekte haben gezeigt, dass ein Facharbeiter und zwei Hilfskräfte ausreichen, um ein Stockwerk pro Tag zu errichten.

Unsere Innovationen leisten insofern einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung klimaverträglichen und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraums.

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