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Schloss Brake

Herausfordernde Trockenbauarbeiten im Weserrenaissance-Museum durchgeführt

Das "RigiRaum"-System sollte in einer von oben begehbaren Variante realisiert werden, um spätere Wartungsarbeiten zu erleichtern. Gefordert war, eine Lastenaufnahme von mindestens 150 kg/m² sicherzustellen.

Lemgo (ABZ). – Zwischen dem Beginn der Reformation und dem Dreißigjährigen Krieg erlebte der Weserraum einen regelrechten "Bauboom". Davon zeugen unter anderem das Rathaus, die Bürgerhäuser und das Ballhaus der Alten Hansestadt Lemgo. Im Lemgoer Vorort Brake ist zudem die Renaissance-Residenz der ehemaligen Grafschaft Lippe erhalten geblieben: das Schloss Brake.

In dem Gebäudekomplex, der ursprünglich vier Flügel hatte, befindet sich seit 1989 das Weserrenaissance-Museum. Um zukunftsfähig zu bleiben, wurde das Erdgeschoss der Kultureinrichtung kürzlich umfassend umgebaut. Als Träger des Museums hat der Landesverband Lippe mit Unterstützung Dritter knapp 2 Millionen Euro in die energetische Ertüchtigung, den barrierefreien Umbau und die veranstaltungs- und ausstellungstechnische Optimierung investiert. Am Aus- und Umbau waren unter anderem die Mitarbeiter des Ausbaubetriebes Baumanagement Andrä beteiligt.

"Im Rahmen der Umbaumaßnahmen wurden speziell an den Trockenbau verschiedene Anforderungen gestellt", erklärt Gerold Andrä, Betriebsleiter von Baumanagement Andrä. "Brandschutzdecken und -wände mussten errichtet, ausgefallene Akustikdeckensegel gestaltet und installiert werden. Die Ausformung geschwungener Wandkonstruktionen forderte unsere Mitarbeiter ebenso wie die Umsetzung eines von oben begehbaren Raum-in-Raum-Systems." Durch die Abstimmung mit dem verantwortlichen Architekturbüro Schwakenberg/Bley aus Lemgo und den Technikern des Ausbaupartners Rigips habe die Baumanagement-Firma für jede Herausforderung passende Lösungen finden können.

Zu Beginn mussten die Arbeiter unter anderem eine selbstständige F90-Brandschutzdecke in einem der großen Ausstellungs- und Vortragssäle installieren. Im Fall eines Brandes soll die Vorrichtung die Deckenunterseite und die vorhandenen und neu eingezogenen Stahlträger schützen. Besonders dabei ist, dass die Unterkonstruktion der rund 300 m² großen Brandschutzdecke so konzipiert wurde, dass sie zusätzliche Lasten von bis zu 15 kg/m² halten kann. Gleichzeitig musste sie aber mit einem erweiterten Befestigungsabstand von 1250 mm (für die Nonius-Abhänger) realisiert werden. Regulär hätten die Verantwortlichen im entsprechenden Rigips-System des Typs SD11RF einen Abstand von 750 mm einhalten müssen. "Wegen der Stahlträger und einiger Kabelkanäle unter den Trägern hatten wir keine Möglichkeit, das eigentlich geforderte Raster für die Nonius-Abhänger umzusetzen", so Andrä. "Unser Ziel war es dennoch, die Unterkonstruktion so auszuführen, dass sämtliche Unterbauten direkt an dieser montiert werden konnten, ohne Gewindestangen oder andere zusätzliche Befestigungen für Deckensegel und Leuchten durch die Brandschutzdecke zu führen." In Abstimmung mit dem Ausbauteam führten Rigips-Techniker eine zusätzliche Statikberechnung durch. Sie verringerten die Achsabstände bei den Grund- und auch bei den Tragprofilen auf 400 mm. Beplankt wurde die so ausgebildete Unterkonstruktion mit zwei Lagen "Die Dicke" von Rigips in je 20 mm Stärke.

Neben den brandschutztechnischen Vorgaben sollten im Deckenbereich auch die ästhetischen Vorstellungen von Architekt und Bauherr umgesetzt werden. Um die später angebrachten weißen Akustikdeckensegel gut zur Geltung zu bringen, sollte die Brandschutzdecke schwarz beschichtet werden.

Dazu brachte das Ausbauteam die Deckenfläche zunächst mit dem Rigips-Vario-Fugenspachtel und der ProMix-Plus-Fertigspachtelmasse auf Q3 auf, um die Deckenfläche dann mit einer speziellen Farbstoffkomponentenmischung im Spritzverfahren zu beschichten.

Die eigentliche Herausforderung bestand allerdings darin, die Deckensegel passend zu montieren: Geplant waren zehn nahezu raumbreite, mit akustisch wirksamen Rigitone-Air-Lochplatten beplankte Deckensegel. Diese sollten so angeordnet werden, dass alle Segel gleich weit voneinander entfernt sind. "Da der Saal jedoch nicht absolut gerade verläuft, sondern bei einer rechteckigen Form eine leichte Biegung aufweist, mussten einige dieser Deckensegel in leicht konischer Form hergestellt werden", erklärt Andrä. Eine weitere Herausforderung sei der umlaufende geschlossene Fries an allen Deckensegeln bei gleichbleibendem Lochbild gewesen.

Die ursprüngliche Idee, die Lochplatten werkseitig mit einem aufgekanteten Winkel und dem vom Architekten gewünschten umlaufend geschlossenen Fries mit 150 mm Breite vorzufertigen, musste fallengelassen werden. Die gleichbleibenden Abstände, das Lochbild und die Friesbreite kollidierten mit dem machbaren Werkfertigungsmaß, teilten die Verantwortlichen mit. Also wurden glatte Formteile für die 150 mm Friesbreite mit einer 120-Grad-Aufkantung gefertigt. Durch die kann die Unterkonstruktion von unten nicht mehr eingesehen werden. "Mit diesem Vorgehen haben wir sowohl ein gleichmäßiges Lochbild als auch die fixen Abstände zwischen den Segeln sicherstellen können", so Andrä. Dazu sei es wichtig gewesen, die Lochplatten sehr genau zuzuschneiden. Die Lochstanzungen im Randbereich durften nicht beschädigt werden, damit später die Fries-Formteile gut angespachtelt werden konnten. Auch an anderer Stelle sei das Trockenbauteam ästhetischen Ansprüchen gerecht geworden. So verkleideten die Mitarbeiter etwa einen Treppenaufgang mit gebogenen Rigips-GK-Form Platten. In die Platten arbeiteten sie jeweils oberflächenbündige LED-Lichtbänder ein. Besonders an der Sanierung im Schloss Brake war außerdem die Erneuerung der Sanitärbereiche. Diese sollten in Form eines Raum-in-Raum-Systems umgesetzt werden. Durch viele Lüftungskanäle, andere Installationen und die weißen Deckensegel konnten die Wände der einzelnen Raumzellen allerdings nicht an der Rohdecke befestigt werden. Darüber hinaus sollte das "RigiRaum"-System in einer von oben begehbaren Variante installiert werden, um mögliche Wartungsarbeiten zu erleichtern. Daher mussten die Verantwortlichen eine Lastenaufnahme von mindestens 150 kg/m² garantieren. Die Raumzellen sollten sehr robust sein und einen guten Schallschutz bieten. "Vor allem aber sollte es möglich sein, im Inneren wie von außen Lasten an den Wänden zu befestigen, ohne diese vorher mit Traversen oder OSB-Platten zu verstärken", erklärt Gerold Andrä.

Aus statischen Gründen wäre im ausgewählten "RigiRaum"-System lediglich eine zweilagige Beplankung mit der Hartgipsplatte Rigips-"Die Harte" (je Wandseite) notwendig gewesen. Um den zusätzlichen Anforderungen für die Lastenbefestigung gerecht zu werden, entschieden sich die Trockenbauprofis, eine Mischkonstruktion einzusetzen: Auf eine erste Lage Rigips-"Die Harte" (12,5 mm) montierten sie eine Lage der mas-siven Trockenbauplatte Rigips-"Habito" (12,5 mm). An letzterer können laut Hersteller selbst schwere Lasten mit einfachen Schrauben und ohne weitere Verstärkungen befestigt werden. Daher eigne sich das Produkt sehr gut, um Wände für Ausstellungszwecke zu installieren. Als aussteifende und begehbare Beplankungslage wurden abschließend auf der Oberseite der Decke 22 mm starke, tragfähige Holzwerkstoffplatten als Lastverteilung aufgelegt und mit einem Abstand von 250 mm mit UA-Profilen verschraubt. Die Arbeiter verlegten die Platten dabei über mindestens zwei Felder spannend im Verband.

"Die Umbaumaßnahmen im Weserrenaissance-Museum waren gleichermaßen abwechslungsreich und komplex", fasst Andrä zusammen. "Die fachgerechte Umsetzung aufwändiger Brand- und Schallschutzkonstruktionen war genauso gefordert wie die optisch einwandfreie Verarbeitung etwa im Bereich der Deckensegel und der geschwungenen Wandkonstruktionen." Zum positiven Ergebnis habe besonders die gute Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro und den verantwortlichen Rigips-Technikern beigetragen.

Das Schloss Brake gilt als das Wahrzeichen von Lemgo. Es wurde ab 1587 als Residenz der Grafen zur Lippe im Renaissance-Stil ausgebaut. Es ist von einem Wassergraben umgeben und steht auf den Grundmauern einer der größten mittelalterlichen Burgen Norddeutschlands.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 25/2020.

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