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Trend zu genossenschaftlichen Wohnkonzepten

Monolithische Ziegelbauweise wertet Quartier auf

Nicht nur die Außenwandkonstruktion, auch alle Innenwände und Wohnungstrennwände wurden in Ziegel errichtet und tragen somit zur Erhöhung der Speichermasse des Baukörpers bei.

Fürth (ABZ). – Erschwinglicher Wohnraum ist auch in der Metropolregion Nürnberg knapp. Gerade Familien und Senioren mit durchschnittlichen Einkommen bekommen dies immer deutlicher zu spüren. Die Wohngenossenschaft Fürth-Oberasbach eG trägt neben dem verantwortungsbewussten Erhalt und der Modernisierung ihres Wohnungsbestandes durch den Neubau von Wohnungen zur Reduzierung der Wohnungsknappheit in dieser Region bei. Dieses Jahr konnten 40 neu errichtete Genossenschaftswohnungen ihren Mietern übergeben werden. Die Wohnbebauung am Fürther Espan, geplant von Hilpert + Kretschy Architekten aus Fürth, verteilt sich auf zwei Bauriegel. Der Bauherr entschied sich bei der Außenwandkonstruktion explizit für den hoch wärmedämmenden, perlitgefüllten Ziegel Poroton-S9 von Schlagmann Poroton. Der Baustoff sowie die Ausführung als monolithische, verputzte Baukörper erfüllen so deren Anspruch an nachhaltigem Wirtschaften im Sinne ihrer Mitglieder. Nicht einmal 100 m von der neu errichteten Wohnbebauung entfernt, baute die 1920 gegründete Wohnungsbaugenossenschaft Fürth ihre ersten Häuser. Nach Ende des Ersten Weltkriegs herrschte in den bayerischen Städten eine alles beherrschende Wohnungsnot, die durch Flüchtlinge und heimkehrende Soldaten zusätzlich verschärft wurde.

Erstmals wurden deshalb baupolitische Fördermaßnahmen ergriffen, diese führten u. a. ab 1920 zu einer Gründungswelle gemeinnütziger Wohnungsbaugesellschaften. Die ersten Häuser der Fürther Wohnbaugenossenschaft wurden für und von Kriegsveteranen errichtet. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges entstehen so am Espan in Fürth-Poppenreuth 337 Wohnungen. Die Genossenschaft wächst durch Zusammenschlüsse (Wohnungsgenossenschaft Oberasbach eG, 2011) und weiterer Neubauten, auch außerhalb des Espans, auf heute rd. 1200 Wohneinheiten bei rd. 2200 Mitgliedern. Doch in den 1980er-Jahren kommt der Neubau fast ganz zum Erliegen. Erhalt, Modernisierung, energetische Sanierung sowie der barrierefreie, altersgerechte Aus- und Umbau des Wohnungsbestands haben bei einer mäßigen Baukonjunktur Vorrang. Erst ab 2012 werden, auch aufgrund der günstigen Baukredite, wieder Neubauten erstellt.

Sozialverträgliche Wohnungen sind dringend gesucht. Die Wohnungsbaugenossenschaft Fürth-Oberasbach versucht deshalb, neuen Wohnraum für Haushalte mittleren Einkommens zu schaffen. Denn zwischen teuren Eigentumswohnungen und öffentlich geförderten Sozialwohnungen klafft eine große Lücke. So entschied man, dass ein bestehendes Gebäude an der Wiesenstraße 33, mit wenig Wohneinheiten und einer nicht erhaltenswerten Bausubstanz, einer Wohnanlage mit 40 Mietwohnungen mit Tiefgarage weichen soll. "Es sind 1400 Wohnungsinteressenten auf unserer Warteliste und in Fürth gab es kaum mehr freie Bauflächen", sagt Roland Breun, geschäftsführender Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft. "Umso wichtiger ist es, Baulücken zu schließen, um bezahlbare Mietwohnungen zu schaffen."

Ein Architekturwettbewerb gab 2014 den Ausschlag für die bestmögliche Nutzung dieses Grundstücks am Rande der historischen Kriegerheimsiedlung am Espan. Hilpert + Kretschy Architekten aus Fürth integrierten mit ihrem Planungskonzept gekonnt eine zeitlose, und doch moderne Architektur in eine historische Wohnsiedlung und bildeten damit Anforderungen und Vorstellungen des Bauherren an einen wirtschaftlichen und nachhaltigen Wohnungsbau im Sinne einer verantwortungsbewussten Genossenschaft am besten ab.

Die Baukörper sind in massiver, einschaliger Ziegelbauweise errichtet und entsprechen den strengen Anforderungen der aktuellen Energieeinsparverordnung. Entscheidend tragen die hochwärmedämmenden Außenwände aus Poroton-S9-Planziegeln in 36,5 und 42,5 cm Wanddicke dazu bei, den energieeffizienten Gebäudestandard einzuhalten. Der Planziegel mit einem U-Wert der Wand von 0,23 W/(m²K) bzw. 0,20 W/(m²K) hält mit einer innenliegenden Dämmung aus natürlichem Vulkangestein (Perlit) die Wohnräume im Winter warm und im Sommer kühl. Dafür sorgen seine klimaregulierenden Eigenschaften. Zahlreiche Zertifizierungen unterschiedlichster Umwelt-Labels von natureplus, über eco-Institut bis Blauer Engel (Poroton-Perlit-Dämmstoff) belegen die wohngesunden Eigenschaften perlitgefüllter Ziegel von Schlagmann Poroton.

Zur Erhöhung der Speichermasse des Baukörpers tragen die Innenwände (Poroton-Planziegel T 1,4) und Wohnungstrennwände (Poroton-S-Pz mit d=24 cm), die ebenfalls mit Poroton-Ziegeln realisiert wurden, bei. Für einen erhöhten Wärmeschutz wurden die in Beton ausgeführten, von der Tiefgarage hoch zu den Wohngeschossen durchgehenden Treppenaufgänge zusätzlich mit Poroton-WDF gedämmt.

Für Bauherr Roland Breun, der die Initiative zur Ausführung dieser Bauweise ergriff, stand die Nachhaltigkeit der Gebäudehülle von Anfang an im Vordergrund: "Da neu gebaute Genossenschaftswohnungen unseren Mitgliedern über viele Jahre einen hohen Wohnkomfort garantieren sollen, setzen wir auf die ökonomischen, ökologischen und bauphysikalischen Vorteile der nachhaltigen Ziegelbauweise." Bauherr und Architekt waren von den Vorteilen der perlitgefüllten Poroton-Ziegeln angetan, nachdem aber die moderne Ziegelbauweise in der Region in Vergessenheit geraten schien, informierten sie sich daher eigens auf einer Baustellen-Exkursion. Breun: "Wir denken als Genossenschaft in 100 Jahren. Perlitgefüllte Ziegel passen daher zu unserer Philosophie, sie sind nachhaltig und langlebig. Gebäude daraus haben eine hohe Wertbeständigkeit und Stabilität, sie garantieren unseren Mietern ein gesundes Wohnklima."

Die Mitgliedschaft in der Wohnungsbaugenossenschaft Fürth-Oberasbach verschafft Mietern eine hohe Wohnqualität durch hochwertigen zeitgemäßen Wohnungsbau einerseits. Unübertroffen aber ist die lebenslange Wohnsicherheit zu fairen Mietpreisen. Der Mietpreis der neuen Wohnungen liegt bspw. 8,90 Euro/m² zzgl. Nebenkosten. Dies liegt weit unter dem Durchschnittspreis in der Metropolregion. So verwundert die geringe Fluktuationsrate von 6,5 % (Stand 2016) kaum; ein Auszug oder Wohnungswechsel betrifft als Folge der Demographie meist ältere Mitglieder. (So ist jeder 2. Mieter bereits über 60 und 100 der 1200 Mieter über 80.)

Kluge Planung und die sorgfältige Auswahl qualitativ hochwertiger Materialien zeigen sich bei dieser Baumaßnahme sowohl in der optisch sehr ansprechenden als auch in der technisch-bauphysikalischen Ausführung der Wohnanlage. Auf eine zusätzliche Außendämmung konnte dank der monolithischen Ziegelbauweise verzichtet werden. Dem nachhaltigen Gedanken einer langen Lebensdauer sowie wirtschaftlichen Unterhaltskosten der Fassaden wurde somit Rechnung getragen. Zwei weitere Neubauobjekte der Wohnungsbaugenossenschaft Fürth-Oberasbach eG wurden in der Zwischenzeit ebenfalls mit perlitgefüllten Poroton-Ziegeln realisiert bzw. befinden sich im Bau.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 49/2018.

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