Anzeige

Ungewöhnliche Schalungslösung

Wand und Decke in einem Guss betoniert

Maisach (ABZ). – Bei der Erneuerung von Durchlässen unterhalb einer Bahnüberführung in Bayern sah die Ausschreibung der Deutschen Bahn vor, im bestehenden Bauwerk Fertigteilrohre aus Stahlbeton im alten Querschnitt zu verlegen und die Hohlräume mit Quellbeton zu verpressen. Die bauausführende Vitus Rieder GmbH und Doka setzten das Projekt stattdessen mit einer hierzulande (noch) eher ungewöhnlichen Schalungslösung um: mit sogenannten Box Culverts, bei der Wand und Decke in einem Guss betoniert werden können.

Bei Ausschreibungen greifen Bauherren oft auf Lösungen zurück, die sie schon anderweitig erfolgreich angewandt haben. Sie schlagen also eine Variante vor, die deshalb für sie naheliegend ist. Aus Sicht eines Generalisten ist dieses Vorgehen auch logisch. Doch es kann sich auch lohnen, Bauunternehmen Gehör zu schenken, die aufgrund ihres größeren Erfahrungsschatzes und Detailwissens Alternativvorschläge machen, die je nach Fall sinnvoller, da zeit- und kostensparend, sein können.

Doka, Schalungstechnik, Tunnelbau

Mit Box Culverts als Schalungslösung lassen sich Wände und Decken in einem Schritt schalen und betonieren, wie hier beim Durchlass unter der EÜ Westenbrunnenbach.

Um diese ungewöhnlichen Bauvorgänge umzusetzen, braucht es wiederum Spezialisten, die auf ihrem Fachgebiet so viel Erfahrung oder Ideen haben, als dass sie die Vorstellungen des Bauunternehmens in der Praxis durchführen können. Ein konkretes Beispiel hierfür ist der Fall der Durchlasssanierungen unterhalb einer Eisenbahnüberführung in der Nähe von Treuchtlingen, Bayern: der EÜ Westenbrunnenbach.

Die Bauunternehmung Vitus Rieder ist in der Region Schwaben einer der Spezialisten für den Brücken- und Spezialtiefbau. Statt die laut Ausschreibung vorgesehenen Fertigteilrohre aus Stahlbeton herzustellen, schlug die ausführende Baufirma eine Ortbetonlösung vor. Doka bot dazu eine Schalungsvariante an, die hierzulande fast schon ein wenig in Vergessenheit geraten ist: Box Culverts. Dabei handelt es sich um eine voll mietbare Lösung für Rechteckquerschnitte, bei der Wand und Decke in einem Guss betoniert werden können (offene Bauweise, Frischbetondruck von 50 kN/m²).

Im Falle der EÜ Westenbrunnenbach ergänzte Doka das bestehende Box Culvert-System so, dass auch die einhäuptige Betonage ohne Probleme funktionierte. Mit dieser Konstruktion konnten in einem Schritt die Wände und die Decke der Durchlässe monolithisch betoniert werden. Zudem hat sie einen ganz entscheidenden Vorteil gegenüber der herkömmlichen Schalungsvariante, bei der Wand und Decke getrennt geschalt und betoniert werden: Die Innenschalung – sprich der Rahmen, der im Querschnitt steht – könne ganz einfach in den nächsten Abschnitt gezogen werden. Die Fahrrollen gehörten nämlich zum System. Wird das Box Culvert-System bei 2-häuptigen Wänden eingesetzt, wird lediglich die Außenschalung mit dem Kran versetzt. Dagegen muss bei einer herkömmlichen Schalung die Wandschalung komplett mit dem Kran umgesetzt und die Deckenschalung abgebaut, vorgetragen und neu aufgebaut werden. Bei längeren Abschnitten ergibt sich somit beim Einsatz von Box Culverts ein klarer Zeitgewinn für die Baustelle: Der Schalungseinsatz war nach gerade einmal drei Monaten abgeschlossen.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 51/2017.

Ausgewählte Unternehmen

Die Anbieterprofile sind ein Angebot von llvz.de
Anzeige

Weitere Artikel