Anzeige

Verfahren spart Zeit

Flachbordsteine auf die Fahrbahn geklebt

Ein Kreisel aus Radienformteilen im Flachbord-Format lässt sich nachträglich schnell und einfach auf die Asphaltfläche aufkleben

Mayen (ABZ). – Planer setzen vermehrt auf Klebetechnik, teilt die Firma Meudt mit. Ein Vorteil sei, dass keine Aufgrabungen nötig sind.

Um den Verkehrsfluss in den Innenstädten zu verbessern, versuchen Planer sehr häufig – wo möglich – Ampelkreuzungen in Kreisverkehre umzubauen. Grund hierfür ist nicht nur der gesteigerte Durchlass an Fahrzeugen, sondern auch die höhere Sicherheit des Verkehrs im Vergleich zu vorfahrts- oder signalgesteuerten Kreuzungen. Denn die Fahrzeuge fahren im Kreisverkehr langsamer, der Verkehr ist übersichtlicher. Daher gibt es weniger Verkehrsunfälle, und die Unfälle verlaufen glimpflicher. Kommunen könnten zudem langfristig Geld sparen, weil keine Kosten für die Anschaffung und Wartung einer Ampelanlage entstehen. Beim Bau der als Kreisverkehr angelegten Knotenpunkte stellt sich immer wieder die Frage, welche Bauweise für Kreisel und Verkehrs-Leitsysteme geeignet ist. Mittlerweile setzen Planer bei der Anlage von Verkehrsleitsystemen vermehrt auf die Bordstein-Klebetechnik. Denn dabei entfallen kosten- und zeitintensive Aufgrabungen für den konventionellen Einbau von Bordsteinen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Sanierung des Innenstadtrings im rheinland-pfälzischen Mayen in der Vulkaneifel. Bereits im 7. Bauabschnitt befand sich 2018 der Ausbau der L 82 "Innenstadtring Mayen" im Bereich des Boemundrings, hinter der Burgbrücke zur Genovevaburg bis zur Einmündung "Am Obertor". Schadhafte Stellen und Spurrillen im geplanten Ausbaubereich, die die Verkehrssicherheit erheblich einschränkten, waren der Grund für diese Maßnahme. Zudem sagt die Eckzifferprognose des Landes Rheinland-Pfalz voraus, dass bis zum Jahr 2025 der Verkehr um knapp 12 % auf 14 500 Fahrzeuge pro Tag zunehmen wird. Der Ausbau war daher dringend erforderlich, um den Verkehr sicherer zu machen und Streckencharakteristik, Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Seit 2010 und bis Ende 2019 werden deswegen nun an sechs Knotenpunkten lichtsignalgesteuerte Kreuzungen in Kreisverkehre umgebaut.

Durch den werkseitigen Schneideprozess gibt es keine fertigungsbedingten Höhenschwankungen bei den Bordsteinen.

Günter Göbel von der Kohns+Göbel Ingenieur GmbH aus Mayen schildert die Maßnahme: "Im Rahmen des 7. Bauabschnittes musste der bituminöse Straßenoberbau der L 82 und die oberen 15 cm der Frostschutzschicht erneuert werden. Beidseitig der Fahrbahn wurden zudem die Entwässerungsrinnen mittels zweizeiliger Betonpflasterrinnen 16/16/14 (3-zeiliger Muldenrinne neben Busbuchten) und die Straßenabläufe mit Anschlussleitungen saniert." Der Knotenpunkt L 82 an den Straßen Boemundring, Kelberger Straße und Marktstraße sei bisher von einer Ampel geregelt worden. Nun sei er zu einem kleinen Kreisverkehrsplatz mit einem Außendurchmesser von 26 m ausgebaut worden. Er bestehe aus einer 6 m breiten Kreisfahrbahn und einem 3 m breiten Innenring. Der Innenring sei durch Flachborde und dem Einbau von Gussasphalt, um ca. 5 cm höher als die Kreisfahrbahn, ausgebildet worden. Das verhindere weitgehend, dass Pkw den Innenring befahren. Für Busse und Schwerfahrzeuge sei dies jedoch möglich. Das Besondere an dem Kreisverkehr: Alle Flachbordsteine wurden auf die zuvor neu hergestellte Fahrbahn geklebt. Vorher waren die im Betonsteinwerk Meudt in Wallmerod hergestellten Flachborde bereits werkseitig auf eine exakt gleiche Bedarfshöhe geschnitten worden. Nach Reinigung der Fahrbahn wurde in einem Dünnbettklebeverfahren 2-K-Kunststoff auf der Asphaltfahrbahn aufgebracht und die Bordsteine mit der geschnittenen Seite verklebt. "Dieses Verfahren bietet eine ganze Reihe an Vorteilen", erklärt Günter Göbel. "Da wir die vorhandenen Flächen lediglich reinigen, aber nicht aufgraben müssen, sparen wir etwa 50 % an Arbeitszeit im Vergleich zum konventionellen Einbau der Bordsteine."

Ein weiterer Vorteil sei, dass die Kreisel bei dieser Bauweise länger halten würden. Würden Borde konventionell in Beton versetzt, seien sie während des Einbaus oft starken Witterungsschwankungen ausgesetzt. Die Folge sei oft eine schlechte Qualität des Betons, was wiederum negative Auswirkungen auf die Haltbarkeit des gesamten Kreisels habe. "Bei der Bordsteinklebetechnik haben wir dieses Problem nicht", so Göbel. "Im Gegenteil: Die Verklebung auf den glatten Flächen der geschnittenen Steine hält sehr gut, da die Zementhaut hierbei entfernt wird." Bei zahlreichen Projekten aus der Vergangenheit habe das Büro damit bereits sehr gute Erfahrungen gemacht.

Neben den Kreiseln wurden auch einige Verkehrsinseln des Mayener Innenstadtrings mit der Bordstein-Klebetechnik realisiert. In 2019 findet die Sanierung der L 82 mit dem 8. Bauabschnitt ihren Abschluss.

https://jobs-in-gruen-und-bau.de/index.php?id=123&tx_patzerboerse_paboeplugin[unterthemen]=195++491++229&no_cache=1

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 28/2019.

Anzeige

Weitere Artikel