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Wohnen in ehemaliger Glashütte

Recyceltes Baumaterial und Holzfaserdämmplatten wurden eingesetzt

Auf der östlichen Seite konnte ursprünglich ein Verladezug das Werkstattgebäude unterqueren. Die Brückenbauten werden heute als Zugang zu Wohnungen und als Wintergarten genutzt.

Berlin (ABZ). – Ein ehemaliges Werkstattgebäude aus dem Jahr 1923 bietet im Berliner Stadtteil Friedrichshain gegenüber dem Bahnhof Ostkreuz nun Raum für Wohnungen und Gewerbe. Es wurden recycelte Baumaterialen und energieeffiziente Holzfaserdämmplatten der Firma Gutex verwendet.

Das 1923 von der Stralauer Glashütte Aktiengesellschaft erbaute 66 m lange Werkstatthaus war Teil der Flaschenfabrik Evert & Neumann. Bis 1997 wurden darin unter den Namen Stralauer Glashütte, VEB Stralauer Glaswerke und zuletzt Nienburger Glaswerke Bier-, Wein-, Wasser- und Sektflaschen produziert. Seitdem gab es kurzzeitig Ausstellungen und Konzerte in dem Gebäude. Pläne einer Umnutzung als gemeinwohlorientierten Weltladen scheiterten. Der Zustand des Gebäudes war schlecht, es wären hohe Investitionskosten nötig gewesen. Für Investoren war das Gebäude daher trotz des gestiegenen Berliner Wohnraumbedarfs uninteressant. Es stand sogar bereits kurz vor dem Abriss. Doch die Architekten Anita Eyrich und Christian Hertweck setzten sich zusammen mit der Maklerin Tanja Zieske drei Jahre lang in Berliner Ämtern, im Abgeordnetenhaus und Landesparlament für den Erhalt des Gebäudes ein. Die "Berliner Baugruppe Glashütte Alt-Stralau" konnte es schließlich kaufen und umbauen.

Dabei wurde ein offenes Erdgeschoss geschlossen, beschädigte Gebäudeecken wurden repariert und durchlaufende Fensterbänder von ihren Mauern befreit. Schadstoffe wurden eliminiert und ökologisch nachhaltige Baumaterialien wie die modernen Holzfaserdämmstoffe aus heimisch nachwachsenden Rohstoffen von Gutex eingebaut.

Wegen des Denkmalschutzes war es nicht möglich, die Ziegelfassade von außen zu dämmen. Erschwerend war ebenfalls die Stahlkonstruktion. Sie zieht sich von der Fassade in das Innere des Gebäudes und stellt eine erhebliche Wärmebrücke dar.

Die Spuren der Industriearchitektur setzen sich auch im Inneren fort: Mauerwerk, Stahlträger und Sichtbeton prägen die Wohnräume.

Um dennoch von den Vorteilen einer Fassadendämmung zu profitieren, wurden Gutex-Dämmplatten vollflächig auf die Innenseite der Außenwände geklebt. Durch ihre geringe Dämmdicke gehe nur wenig Raum verloren, daher gehöre sie zu beliebten Dämmlösungen in der Denkmalsanierung, beschreibt der Hersteller. Die diffusionsoffene, Kondensat-tolerante Dämmplatte kann darüber hinaus bis zu 15 % ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und geregelt wieder abgeben, ohne dass die Dämmwirkung beeinträchtigt wird. Den Angaben von Gutex zufolge hatte die innenseitig angeordnete Holzfaserdämmplatte neben der sehr guten Wärmespeicherfähigkeit und dem angenehmen Wohnklima auch bei der Montage besondere Vorteile. So konnte der ausführende Verarbeiter auf ein außenseitiges Montagegerüst für die Wanddämmung verzichten und witterungsunabhängig arbeiten. Vor Ort ließen sich die 830 x 600 mm großen, handlichen Dämmplatten leicht mit üblichem Werkzeug, wie Stich-, Kreis, oder Alligatorsäge zuschneiden und mit hoher Maßgenauigkeit befestigen. "Summa Summarum ist bei fachgerechtem Einbau eine moderne Innendämmung mit Holzfaserdämmplatten eine sichere und ökologische Alternative zur Außendämmung der Gebäudehülle", so der Hersteller.

Um den ursprünglichen Charakter des Gebäude zu erhalten, wählten die Architekten dunkle rustikale Zinkfassadenelemente für Veränderungen und Ergänzungen im Erdgeschoss und am neu aufgestockten Dachgeschoss, an den Balkonen in den oberen Etagen und an den Treppenhäusern der Brückenbauten.

Im Inneren des Gebäudes wurden alte Bahnschienen, Stahlträger und Mauerwerke freigelegt. In den Wohnbereichen und am Aufzugsschacht wurde Sichtbeton verwendet, was an die ursprüngliche Nutzung des Gebäudes erinnert. Die 24 Wohnungen sind zwischen 40 und 158 m² groß und verteilen sich auf drei Ebenen. Im Erdgeschoss gibt es ein Friseurgeschäft und eine Wohnwerkstatt. Als weitere Besonderheiten gelten Zwischenebenen und eine Stahl-Spindeltreppe zu einer der vier Maisonette-Wohnungen. Zwei Wohnungen wurden durch Brückenbauten erschlossen. Durch diese direkten Zugänge sowie einem inneren Laubengang war ein weiteres Treppenhaus nicht notwendig.

Gutex-Dämmstoffplatten konnten leicht zugeschnitten und mit hoher Maßgenauigkeit an der denkmalgeschützten Fassade befestigt werden.

Auch die historisch, einfach verglasten Fenster mussten in diesem Teil des Gebäudes nicht verändert werden. Für die milden Raumtemperaturen der Wintergärten reichte eine nachträglich eingebaute Dämmschicht, ebenfalls aus Holzfaserplatten von Gutex im Bereich der Außendecke. Die Fenster in den restlichen Wohnbereichen hingegen wurden durch isolierte Doppelkastenfenster mit integriertem Sonnenschutz erweitert.

Zwischen dem Wasserturm am Ostkreuz und der Rummelsburger Bucht, zwischen Hausbooten und der Berliner Clubszene ist nach zweijähriger Bauzeit in der ehemaligen Glashütte ein Wohnhaus entstanden, das wegen seiner schonenden Sanierung und der Verwendung ökologischer, recycelter Baumaterialien hervorsticht.

Aufgrund der guten wärmetechnischen Eigenschaften der Holzfaserdämmplatten konnte die charakteristische Stahlstruktur des Baudenkmals Glashütte Alt-Stralau im Original erhalten bleiben. Für den Umbau wurde das Projekt 2019 mit dem zweiten Preis des KfW-Award in der Kategorie Bauen im Bestand ausgezeichnet. Neben Kriterien wie kosteneffizienter Bauweise durch Wiederverwendung alter Baumaterialien und gesundem Wohnklima durch ökologische Holzfaserdämmstoffe von Gutex bewertete die Jury auch den Beitrag zum Klimaschutz und die harmonische Anpassung in die umliegende Bebauung.

ABZ-Stellenmarkt

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 33/2020.

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