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Wohnungsverband

Kein gutes Bauklima in Berlin

Berlin (dpa). – Die Hauptstadt kommt nach Einschätzung eines Wohnungsverbands nicht schnell genug mit dem Bauen voran. "In Berlin entstehen immer noch zu wenige bezahlbare Mietwohnungen", sagte die Chefin des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), Maren Kern, in der vergangenen Woche. Es gebe Anzeichen, dass sich die Entwicklung sogar verschärfen könnte.

Ihre Mitgliedsunternehmen bauten vergangenes Jahr rd. 4000 Wohnungen. Das waren doppelt so viele wie 2016, aber 800 Wohnungen weniger als geplant. Auch ein Teil des Geldes wurde folglich nicht verbaut. Die Unternehmen investierten rd. 2 Mrd. Euro, davon etwa 820 Mio. Euro in Neubau. Es hätten aber knapp 430 Mio. Euro mehr sein sollen. Die Gründe seien etwa verzögerte Genehmigungen, weil Ämter schlecht besetzt seien, Uneinigkeit zwischen Senat und Bezirken oder fehlende Baukapazitäten, sagte Kern. Auch die Bürgerbeteiligung, die der rot-rot-grüne Senat anstrebt, verzögere Projekte oft um Monate. Manche Vorhaben würden nach Protesten gar nicht umgesetzt. Kern warnte vor einem Teufelskreis: Wenn die Bevölkerung die wachsende Stadt kritischer sehe, werde auch der Widerstand etwa gegen Bauprojekte größer. Das führe wiederum dazu, dass mehr Wohnungen fehlten und der Frust noch größer werde. Jedes Jahr wächst Berlin um rd. 40000 Einwohner. Nach Einschätzung des Senats müssen bis 2030 mindestens 194000 Wohnungen gebaut werden, damit sich die Lage entspannt. Das macht 20 000 pro Jahr. Zuletzt seien es nur etwa 16 000 Wohnungen gewesen, sagte Kern.

Dem BBU gehören Landesunternehmen und Genossenschaften, aber auch private Unternehmen an. Viele davon beklagten, der Senat sehe Wachstum nicht als Chance. Die Verwaltung unterstütze Firmen zu wenig. "Es herrscht in Berlin kein konstruktives Bauklima", sagte Kern.

Mittlerweile ist auch die Konkurrenz um Flächen groß. Streit gab es z. B. um ein Gelände des Bremsenherstellers Knorr-Bremse in Marzahn. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) wollte es ausschließlich als Gewerbefläche nutzen, Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) auf einem Teil Wohnungen bauen. Nach einem Treffen bei Regierungschef Michael Müller (SPD) gibt es nun einen Kompromiss. Er sieht neben Gewerbestandorten auch rund 1000 Wohnungen etwa für Studenten und Firmenmitarbeiter vor. Der Wohnungsbau ist eines der umstrittensten Themen in der Koalition: Vor allem die SPD wirft Lompscher vor, zu viel für den Schutz bestehender Mieter zu tun und dafür den Neubau zu vernachlässigen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 29/2018.

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