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Wolfshof

Ziegeltradition wurde zeitgemäß interpretiert

Wie beispielhaft das gemeinschaftlich orientierte Projekt ist, zeigen auch der Architekturpreis der Stadt Wien und die Nominierung zum Bauherrenpreis 2018.

Wien/Österreich (ABZ). – Wo sich früher Firmengebäude im Hinterhof drängten, öffnet sich eine lichte, grüne Freizeitoase. Wie ein großes gemeinsames Freiluft-Wohnzimmer können die Bewohner des Wolfshofs sowie die ansässigen Büros diesen Innenhof nutzen: Mitten im multikulturellen und urbanen 12. Wiener Bezirk bauen hier Freizeitgärtner Kürbisse und Tomaten an, es sprießen Heilkräuter, Kinder spielen, Nachbarn treffen sich zu einem Plausch in der Sonne und Büroleute machen eine Pause. "Der gemeinschaftliche Aspekt war der Bauherrin ein zentrales Anliegen", berichtet Gerda Maria Gerner von Gerner Gerner Plus Architekten. Das Wiener Architekturbüro ging als Gewinner eines geladenen Wettbewerbs hervor. Zusammen mit der Wolfshof Immobilien GmbH als Bauherrin gestaltete er ein Ensemble mit hohem Wohnwert. Teil des Projekts Wolfshof sind zwei Bestandsgebäude, in denen nach der Sanierung bzw. Totalentkernung Loft-Wohnungen mit Industriecharme entstanden, hohe Decken und eingestellte Raumkuben inkl. Dazwischen wurden zwei Neubauten platziert. Die Wohnungsgrößen und -typen variieren zwischen 45 bis rd. 80 m², vom Einzimmerappartement bis zur Maisonette-Wohnung. Insgesamt entstanden 64 Wohneinheiten, darunter sowohl Miet- als auch Eigentumswohnungen, in denen sich seit der Fertigstellung 2017 rd. 200 Menschen eingerichtet haben, junge Familien ebenso wie Singles. Zudem sind auf der Erdgeschossebene zwei Büros eingezogen. Großzügige Raumzuschnitte, viel Licht und eine hochwertige, nachhaltig durchdachte Ausstattung mit Fußbodenheizung und Holzfenster zeichnen die Innenräume aus.

Nicht nur das räumliche Konzept setzt Maßstäbe, auch die Fassadengestaltung trägt viel zum qualitätsvollen und ökologischen Charakter der Anlage bei. Für die Fassade der Neubauten wählten die Architekten keramische Argeton-Platten von Wienerberger. Eine Kombination aus den klassisch-fugenlosen Tampa-Platten und Terzo mit zwei oder drei horizontalen Scheinfugen verleiht der Fassade eine lebendige Struktur. Der Stabziegel Barro kam als Sichtschutz bei Lüftungsöffnungen zum Einsatz. "Einer der wichtigen Entscheidungsgründe der Bauherrin für diese Keramikplatten war das ökologische Material Ton", sagt Martin Stapf, der Geschäftsführer der Wolfshof Immobilien GmbH, "aber natürlich auch die hochwertige Ästhetik, die Langlebigkeit sowie die Tatsache, dass die Argeton-Platten leicht zu reinigen sind und ausgetauscht werden können." Auf einer Fläche von 1360 m² wurden die 3 cm dicken Platten im Farbton Perlweiß auf einer vertikalen Aluminium-Unterkonstruktion als vorgehängte Fassade montiert, samt 5 cm Hinterlüftung und 20 cm Mineralwolle als ökologischer Wärmedämmung. Die Plattenlängen variieren stark, neben der Maximallänge von 1450 mm wurden die meisten auf 1200 bis 1400 mm gekürzt. Auch auf Eingangstüren wurden die Keramikplatten montiert, um sie in das Fassadenbild zu integrieren.

"Die Ziegelfassade hat im 12. Wiener Bezirk Tradition", betont Architektin Gerda Maria Gerner, "Diese nehmen wir im Wolfshof auf und interpretieren sie mit zeitgemäßer Ästhetik und dem hellem, freundlichen Ziegelton neu." Er hebe sich vom Grau der Umgebung ab. Zur Hofseite ergebe sich ein reizvoller Effekt: Die horizontalen Fugen der keramischen Platten seien ein Kontrast zu den vertikalen Linien der hölzernen Balkonlamellen der beiden Bestandsgebäude. "Die haben beide etwas Strichcode-artiges." Akzentuiert wird die Keramikfassade durch unterschiedlich große Balkonkuben, die als weiße Betonfertigteile in die Fassade eingehängt wurden. Neben der Ästhetik überzeugen die Gebäude aber auch energetisch. Der Heizwärmebedarf (HWB) liegt je nach Gebäudeteil zwischen 25 kWh/(m²a) und 32 kWh(m²a) und entspricht somit der österreichischen Niedrigstenergie-Klasse (? 25) sowie der Niedrigenergie-Klasse (? 50).

Zu jeder Wohneinheit gehören entweder eine Terrasse oder ein Balkon, alle zum Hof hin orientiert, von wo aus die hölzernen Sitzinseln, die Hochbeete und der Spielplatz im Innenhof gut zu überschauen sind. Dies fördert die Kommunikation, was sich die Bauherrin, die zur Familie des hier einst ansässigen Familienunternehmens gehört, auch explizit wünschte – Kontakte unter den Bewohnern und eine lebendige Gemeinschaft. Dies scheint wunderbar zu funktionieren, wovon auch die Bauherrin selbst profitiert, denn nicht nur sie, auch ein weiteres Mitglied der Familie haben sich hier niedergelassen. Wie beispielhaft das Projekt ist, zeigen auch der Architekturpreis der Stadt Wien und die Nominierung zum Bauherrenpreis 2018, dem renommiertesten Architekturpreis Österreichs.

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