alkus

Wenn das Leben dir Zitronen gibt . . .

Michael Tschenett, Geschäftsführer der alkus AG, sprach mit ABZ-Volontär Christoph Scholz über die Probleme während der aktuellen Krisenzeit, seine persönlichen Erwartungen an die bauma 2022 und die Zukunftspläne seines Unternehmens.
Alkus Schalung bauma München
Michael Tschenett sprach mit der ABZ über Pandemie, Preiserhöhungen und die bauma. Foto: alkus

ABZ: Herr Tschenett, kommen wir direkt zur ersten Frage: Wie hat die Pandemie Ihr Unternehmen betroffen?

Tschenett: Das kommt darauf an, von welchem Jahr wir sprechen. Die einzelnen Jahre waren für uns sehr unterschiedlich. 2020 sind wir zunächst sehr gut gestartet. Durch die Pandemie sind wir dann natürlich kurz ausgebremst worden. Damals wusste man ja wirklich eine Zeit lang nicht genau, wie sich die Situation entwickeln würde. Es war dann aber schnell klar, dass die Baubranche wieder anziehen und auf einem vernünftigen Niveau weiterfahren würde. Die zwei, drei schwierigen Monate haben wir als Unternehmen natürlich gespürt. Insgesamt war das Jahr 2020 für uns aber gut. Die Herausforderung bestand zu Beginn der Pandemie darin, Themen wie Krankheit, Ausfall und Homeoffice zu regeln. Insbesondere, weil auch viele Behörden nicht wussten, wie das alles genau funktionieren soll, beispielsweise die Kurzarbeit-Modelle. Da gab es jede Woche andere Informationen.

Wir haben aber auch sehr, sehr gute Mitarbeiter, die sich da reingehängt und überlegt haben: Wie sehen unsere Optionen aus? Wir haben uns dann dafür entschieden, gewisse Arbeiten ins Homeoffice zu verlagern.Da war es für uns von Vorteil, dass wir sehr früh, schon in der Vor-Pandemie-Zeit, damit begonnen hatten, unsere internen Prozesse entsprechend umzustellen. Das war anfangs noch nicht perfekt, aber wir waren gut vorbereitet. Deshalb haben wir diese Umstellung gut überstanden. Ein anderes Thema ist die Aluminium-Knappheit. Beim Aluminium muss ich sagen: Wir haben zum Glück bis heute keinen Ausfall gehabt und konnten unsere Waren im Grunde dauerhaft liefern. Wir müssen aber mit der für uns neuen Situation umgehen, dass die Lieferzeiten für unser Spezial-Aluminium sehr stark gestiegen sind. Hier reden wir von sechs bis sieben Monaten, wo wir früher bei zwölf Wochen waren.Deshalb mussten wir intern umdenken. Es ist jetzt notwendig, viel weiter in die Zukunft zu planen. Wir haben die Lager-Volumen erhöht und kaufen alles ein bisschen großzügiger zu als in der Vergangenheit. Auch preislich ist sowohl beim Aluminium als auch bei allen anderen Rohstoffen ein Anstieg da, den jede Firma merkt und den man teilweise an den Markt weitergeben muss.

Dann ist da noch das Thema Holz: Die Preise sind gestiegen, die Produktionen ausgelastet, die Lieferzeiten länger. Dadurch haben wir als Hersteller von Schalungsplatten aus Kunststoff natürlich, speziell jetzt im laufenden Geschäftsjahr 2022, durchaus positive Effekte. Es gibt mittlerweile Kunden, die umdenken und lieber in eine alkus Platte investieren als Holz zu kaufen. Für unseren technischen Support und den After Sales Service ist es natürlich eine Herausforderung, diese Leute, die vielleicht zum Umstellen und Bestellen der alkus gezwungen waren, weil sie keine Holzplatten bekommen haben, dauerhaft an uns zu binden. Wenn wir es hinkriegen, aus der Not eine Tugend zu machen, dann glaube ich, dass wir bei diesen Unternehmen die Lust auf das Produkt steigern. Und dann kann es sein, dass langfristige Partnerschaften entstehen, die heute noch gar nicht absehbar sind.

ABZ: Also wenn ich das richtig verstanden habe, dann war die Pandemie von Ihrer Seite aus eigentlich relativ gut zu bewältigen und jetzt versuchen Sie, das sogar noch ins Positive zu wenden.

Tschenett: Ja, genau. Die Pandemie war natürlich für uns alle nicht schön. Das kann man, glaube ich, nicht anders sehen. Aber wir haben bei alkus die Herausforderungen so bewältigt, dass wir lieferfähig geblieben sind, dass wir auch für die Zukunft geschickt und clever zugekauft haben und dass wir gewisse Synergien genutzt haben, die wir in der Vergangenheit oder bei normalem Geschäftsverlauf vielleicht nicht bekommen hätten. Problematisch für uns sind allerdings der sehr teure Übersee-Transport, Verfügbarkeiten und Verschiffungen. Die Container, im Speziellen in die USA, kosten im Moment ein Vermögen im Verhältnis zu Vor-Pandemie-Zeiten. Fakt ist aber, dass viele Dinge importiert werden müssen und die Preise überall steigen. Die Kunden spüren das selbst bei jedem Import. Dahingehend haben wir das Thema sehr teure Transporte zwar auf dem Tisch, aber die Kunden wissen, dass es bei jedem so ist.

ABZ: Und wie war es mit den Messen? Da sind ja ziemlich viele ausgefallen. Wie haben Sie da Ihre Produkte an den Mann oder die Frau gebracht?

Tschenett: Wir gehen nur auf wenige, ausgewählte Messen. Dazu gehört unter anderem die World of Concrete in Las Vegas. Da ist nur eine Ausgabe ausgefallen. Außerdem stellen wir immer auf der bauma in München aus. Die ist jetzt ohnehin von April auf Oktober verschoben worden. Was uns aber vor eine Herausforderung gestellt hat, war, dass man in der Pandemiezeit nicht oder nur erschwert reisen kann. Unser Produkt ist aber sehr beratungsintensiv. Deshalb haben wir uns so aufgestellt, dass unsere Produkt-Schulungen auch online stattfinden konnten. Das war neu für uns.

Wir haben bei uns vor Ort ein kleines Trainings-Center und in dem haben wir mit Kamera-Systemen und über Teams, Skype und Zoom die Kunden geschult und ihnen die Möglichkeit gegeben, die Themen, die sie beispielsweise im Bereich Service und After Sales beschäftigen mit uns online zu besprechen. Gerade dieser Punkt ist bei unseren Kunden sehr gut angekommen. Insbesondere unsere Übersee-Kunden wussten genau, dass das Reisen schwierig war und wir leider nicht kommen konnten, auch wenn wir wollten.

ABZ: Ich habe schon häufiger gehört, dass das persönliche Gespräch nicht zu ersetzen ist. Wie sehen Sie das?

Tschenett: Das muss man ganz klar so sagen. Auf Dauer kann man die persönlichen Besuche nicht durch das Online-Gespräch ersetzen. Das funktioniert nicht. Deshalb sind wir jetzt auch wieder verstärkt unterwegs, haben wieder angefangen zu reisen. Und es tut ja auch gut, die Leute mal wieder persönlich zu sehen. Auch die, die man vorher gekannt hat und dann einfach lange nicht mehr gesehen hat. Diese Leute wieder persönlich zu treffen und mit ihnen ein persönliches Gespräch zu führen oder mal ein Abendessen zu haben, das ist einfach auch eine andere Basis für die nachfolgenden Geschäfte.

ABZ: Wie läuft denn das Messe Jahr 2022 bisher? Sie haben bisher nur die World of Concrete besucht?

Tschenett: Auf der World of Concrete haben wir einen Stand gehabt, an dem wir die Produkte ausgestellt und Produktvorführungen gemacht haben. Das war für uns ein Erfolg. Es ging uns dort um die Neukunden-Akquise, aber auch darum, neue Interessenten zu finden und um das Netzwerken mit bereits bekannten Leuten. Ich hoffe, auch die bauma wird nun den Erfolg bringen, den wir uns versprechen. Das ist eine sehr, sehr große Messe. Da müssen wir jetzt erstmal abwarten, was sich da bei den Vorschriften und Regelungen tut.

Aber ich bin überzeugt, dass wir einen interessanten Messestand entwickelt haben. Wir werden dort wie immer mit einem frischen Auftritt vertreten sein und ebenfalls Produktvorführungen machen. Außerdem haben wir auf der bauma die Gelegenheit, wirklich Zeit mit den Kunden zu verbringen und gleichzeitig auch mal zu schauen, was Nicht-Kunden der Firma alkus so machen. Was kann man auf deren Messeständen sehen, das vielleicht auch für uns und für die Zusammenarbeit interessant sein könnte?

ABZ: Und welche Erwartungen haben Sie an die bauma? Womit planen Sie?

Tschenett: Die Erwartungen sind ganz klar, dass wir bestehende Kundenbeziehungen vertiefen können, dass wir dort aber auch neue Kunden gewinnen können. Natürlich werden wir jetzt nicht zigtausend Quadratmeter Platten verkaufen. Aber man kann auf der bauma erste Kontakte knüpfen.

Das haben wir in den vergangenen Jahren, 2016 und 2019, gemerkt.Und das ist sehr, sehr interessant. Erstens, weil sich hier ein internationales Publikum auf einem Fleck befindet. Und zweitens, weil das natürlich auch mit Blick auf größere Baufirmen eine interessante Veranstaltung ist. Das ist für uns und unser Produkt relevant, weil die großen Firmen auch irgendwann Schalung kaufen und sich überlegen müssen: Was mache ich da rein? Wird das eine Holz-, eine Holz-Kunststoff- oder eine Vollkunststoff-Platte? Deshalb erwarten wir einiges von der bauma. Ich hoffe, dass die Besucherzahl passt und die Internationalität gegeben ist. Da bin ich persönlich zumindest noch ein bisschen skeptisch. Aber wir sind ja Optimisten und gehen daher davon aus, dass das funktioniert – dass wir eine wirklich gute Messe mit vielen Besuchern haben werden.

ABZ: Wie groß wird denn der Messestand ungefähr?

Tschenett: Der hat ungefähr 70 Quadratmeter. Von der Größe, von der Grundfläche her, ist der Messestand damit analog zum Jahr 2019. Er ist auch an der gleichen Stelle angesiedelt: in der Schalungshalle.

ABZ: Und was wird man da sehen können?

Tschenett: Wir stellen auf der bauma verschiedene Neuheiten vor. Zum einen haben wir ein Reparaturset light entwickelt. Für die alkus Vollkunststoffplatte gibt es ja ein eigenes Reparatur-Verfahren. Der Gedanke hinter der light-Version war der, dass wir für kleinere Unternehmungen ein Reparatur-Verfahren, beziehungsweise Geräte, anbieten, die vom Preisniveau her deutlich günstiger sind, aber trotzdem die Qualität der Platte und die der Reparatur gewährleisten. Außerdem haben wir wieder tolle Reparatur-Vorführungen auf dem Stand. Da präsentieren wir die neuesten Kniffe und behandeln die neusten Themen im Bereich Reparatur. Wir werden ein neues Produkt auf dem Stand haben, welches erstmals vorgeführt wird. Da möchte ich aber noch nicht genauer drauf eingehen. Das ist aktuell in der Testphase und ich denke, wenn es alles so funktioniert, wie wir uns das vorstellen, werden wir das präsentieren. Dann werden wir auf der bauma das Thema Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellen. Außerdem geht es um das Thema Sieben-Jahres-Garantie, die wir nochmal ein bisschen in den Vordergrund stellen werden. Natürlich werden wir an unserem Messestand auch auf unsere Partner eingehen, also auf die Firmen, die konstant mit alkus zusammenarbeiten. Und auch das Thema Internationalität wollen wir in den Mittelpunkt stellen, da alkus mittlerweile wirklich auf der ganzen Welt unterwegs ist. Und das ist eine ganz spannende Sache, finde ich.

ABZ: Was wird der genaue Höhepunkt? Das ist wahrscheinlich die Neuerfindung, die Sie da eventuell präsentieren wollen.

Tschenett: Es handelt sich um eine Weiterentwicklung unseres Produkts für andere Anwendungen. Wir haben uns überlegt: Was kann unsere Produktion? Was kann man aus der Produktion alles machen? Was kann man in der Produktion alles herstellen? Und auf dieser Basis haben wir Produkte entwickelt, die jetzt aktuell in der Testphase sind und von denen wir denken, dass sie außerhalb der Rahmenschalungen nochmal einen Zusatznutzen generieren können. Diese Produkte sind also wirklich für besondere Anwendungen im Sonderschalungsbau gedacht.

ABZ: Und was ist für das kommende Jahr 2023 geplant?

Tschenett: Am wichtigsten ist es für uns, dass wir uns auf dem Markt noch breiter präsentieren. alkus ist nicht nur eine Schalungsplatte, sondern ein System-Anbieter. Die Themen Dienstleistung, Service, After Sales Support und alles, was dazu gehört, stehen für uns wirklich im Vordergrund.

Auch das Thema alkus als Marke ist für uns wichtig. Wir möchten, dass man wirklich versteht, dass sich alkus von jedem anderen Vollkunststoff-System unterscheidet. Das möchten wir fokussieren und wirklich am Markt pushen, um die Marke und den Namen noch breiter zu streuen. Gerade im Schalungsmarkt gibt es noch so viel Potenzial für die Firma alkus. Da kann man mit den Bestandsprodukten noch viel machen.

ABZ: Damit sind wir auch schon bei der letzten Frage: Wenn Sie die bauma organisieren würden, was würden Sie bei der Messe hinzufügen, verändern oder weglassen?

Tschenett: Also ich glaube, dass die bauma ein sehr gelungenes Event ist. Allerdings sind die Kosten im Vergleich zu anderen Messen extrem. Da müsste man schon mal versuchen, dran zu arbeiten. Wenn man bedenkt, dass man für das Hotel fast das Dreifache bezahlt, auf der bauma, ist das ja auch von Seiten der Besucher nicht wirklich das Gewünschte. Natürlich hat sich alles verändert: Die Standmiete hat sich verändert, die Parkplatzmiete hat sich verändert, es hat sich alles verändert.

Da kann die bauma selbst vielleicht noch wenig dafür, aber die bauma war früher schon immer eine relativ teure Messe. Von der Organisation her würde ich gar nicht viel verändern. Ich sage, die Organisation auf der bauma selbst ist top. Angefangen vorne beim Eintritt, wo alles ruhig und gut läuft, obwohl eine enorme Menge an Leuten durchmüssen – und das jeden Morgen. Das ist wirklich gut organisiert! Ich bin jetzt mal gespannt auf den Rest. Ich war 2019 schon mal auf der bauma, aber damals nur als Besucher. Und dementsprechend werde ich heuer noch mal ein bisschen einen anderen Blickwinkel darauf haben, wie die Abläufe mit dem Messestand sind.

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