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Bahnprojekt Stuttgart–Ulm

Sonderschalungen in einer neuen Dimension

Alle drei Kelchtypen auf einen Blick: Rest-, Regel- und Randkelch – daneben zweiter Restkelch (v. r. n. l.).

Stuttgart (ABZ). – Das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm, eines der derzeit größten Infrastrukturprojekte in Europa, umfasst als Kernbereich auch das als Stuttgart 21 bekannte Verkehrs- und Städtebauprojekt zur Umwandlung des bestehenden Kopfbahnhofes in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof. Der Neubau der Bahnhofshalle ist dabei das zentrale Bauvorhaben mit größter öffentlicher Beachtung. Das nach Entwürfen des Architekten Christoph Ingenhoven entstehende Gebäude wird durch die markanten übergroßen Kelchstützen geprägt. Das bauausführende Unternehmen Ed. Züblin AG beauftragte das Unternehmen Robusta-Gaukel mit der Konzeption und Herstellung der Unterstützungskonstruktion für die Schalkörper. "Die extrem komplexe Form der Kelchstützen, wie sie bisher nie zuvor in Beton realisiert wurde, verlangte eine außergewöhnliche 3D-Finite-Elemente-Berechnung", erklärt Johannes Lissner, Leiter Technik bei Robusta-Gaukel. "Die auftretenden hydrostatischen Betonlasten auf die Freiformflächen mussten durch sehr aufwändige und anspruchsvolle Berechnungen ermittelt werden." Alexander Behrend, Projektoberbauleiter Stuttgart 21, Ed. Züblin AG Stuttgart, ergänzt: "Der Einsatz von Standardrüstungssystemen ist unter Berücksichtigung der auftretenden Lasten und des Bauablaufes nicht möglich. Robusta-Gaukel zählt zu den wenigen Experten im Bereich Sonderschalungsbau in Deutschland, die über das essentielle Know-how und die Flexibilität verfügen." Aktuell laufen die Schal- und Bewehrungsarbeiten für die ersten beiden Regelkelche. Insgesamt prägen nach Fertigstellung 28 Kelchstützen die zukünftige Bahnhofshalle in Stuttgart, ergänzt durch 14 Restkelche und vier Brillenwandkelche. Alexander Behrend erklärt: "Standard- oder Regelkelch ist der vollständige Kelch mit eigenem Fuß in der Mittelreihe der Bahnhofshalle. Randkelch wird ein Kelch mit eigenem Fuß genannt, der an einem Rand in die Trogwand übergeht. Restkelch bzw. Brillenwandkelch beschreibt den Teil eines Kelchs, der aus der Trogwand hervorgeht, jedoch ohne eigenen Fuß. Die 14 Querachsen der Bahnhofshalle bestehen jeweils aus einem Rand-, Standard- und Restkelch."

"Nach dem Betonieren des ersten Restkelches im Juli 2018 ging es im Oktober weiter mit dem Randkelch", erläutert Johannes Lissner. "Die Unterstützungskonstruktion mit den montierten Holzschalungen besteht zu ca. 60 % aus den Türmen des Regelkelches, die restlichen Türme sind speziell für den Randbereich entlang der Längswand entwickelt." Die Zahlen für die Schal- und Bewehrungsarbeiten sind gigantisch: Die Unterstützungskonstruktion besteht aus 26 Turmeinheiten und wiegt knapp 300 t. Beim Verlegen der Bewehrung (Gewicht ebenfalls ca. 300 t) wurden ca. 11 000 verschiedene Positionen in der äußerst komplexen Geometrie verbaut. Nach dem Montieren und Verankern der oberen Deckschalung bestehend aus 18 Schalkörpern sind rd. 700 m³ Beton mit zwei Betonpumpen innerhalb von 10 Std. eingebracht worden. "Beim Ausschalen der bis zu 12 m hohen Türme kam unser bewährter, speziell entwickelter Schwerlast-Plattformwagen zum Einsatz. Er ermöglicht das kranlose Umsetzen der Einheiten und ist ausgerüstet mit vier Sonder-Hubzylindern, die schwenkbar am Wagen angebracht sind. Die Turmeinheiten können damit problemlos und in kürzester Zeit abgesenkt und zur Seite gefahren werden", erklärt Johannes Lissner. "Bevor das benachbarte Segment ausgeschalt werden kann, müssen zuvor die sog. Notstützen eingebaut werden. Diese unterstützen den Kelchrand so lange, bis die offenen Deckenfelder zwischen den Kelchen ebenfalls betoniert und geschlossen sind." Im letzten Schritt wird die sog. "Hutze" als Kragen am Lichtauge des Kelches geschalt und bewehrt. "Robusta-Schrägstützen halten die innenliegenden schrägen Schalkörper auf die inneren Unterstützungstürme. Somit ist die notwendige Stabilität gewährleistet", sagt Alexander Behrend und ergänzt: "Mit Robusta-Gaukel haben wir einen äußerst kompetenten, zuverlässigen und flexiblen Partner an unserer Seite, was nicht nur für Projekte dieser Größenordnung von höchster Wichtigkeit ist. Der Unternehmens-Spirit und die partnerschaftliche Zusammenarbeit sind einfach beeindruckend." "Wir freuen uns und sind stolz, an diesem stadtprägenden Bauwerk mit zu wirken" sagt Johannes Lissner. "Das ist ein bedeutender Meilenstein für unser Unternehmen und eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten!"

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 08/2019.

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