Bauaussichten 2016

Große Bauvorhaben sind zu meistern

von:

Alexander DOBRINDT, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Berlin

Bauaussichten Baupolitik

Planen und Bauen ist eine deutsche Kernkompetenz. Unsere Bauwirtschaft setzt Jahr für Jahr tausende Projekte erfolgreich um und genießt national wie international ein hohes Ansehen. Sie trägt maßgeblich zur Wertschöpfung in unserem Land bei und stärkt das Fundament unseres Wohlstands. "Made in Germany" steht für Effizienz, Schnelligkeit und höchste Qualität.In den vergangenen Jahren haben dennoch einige Konflikte bei Großprojekten den Blick der Öffentlichkeit auf diese Erfolge von Bauwirtschaft und den planenden Berufen verstellt. Es war daher an der Zeit, einen neuen Konsens herzustellen. Wir haben deshalb im April 2013 einen runden Tisch von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, die Reformkommission Bau von Großprojekten, mit einem klaren Ziel ins Leben gerufen: gemeinsam Lösungen zu entwickeln, um bei Großprojekten in Zukunft noch mehr Kostenwahrheit, Trans-parenz und Termintreue zu erreichen und die enormen Potenziale einer modernen Planungs- und Baukultur zu heben. Klarer Leitcharakter für den Bund – der 10-Punkte-Aktionsplan im Detail. Dafür haben wir einen 10-Punkte-Aktionsplan entwickelt, den das Bundeskabinett am 9. Dezember 2015 verabschiedet hat. Die Empfehlungen der Reformkommission bekommen so einen klaren Leitcharakter für den Bund. Darüber hinaus sind sie aber auch vorbildhaft für kleinere Projekte und für Vorhaben der Länder und Kommunen.Unser Aktionsplan nimmt in einem ganzheitlichen Ansatz den gesamten Bauprozess in den Blick – von der ersten Projektidee und dem Entwurf über die Planung und Vergabe bis zum Bau und zur Nutzungsphase, von der Planungs- und Bauwirtschaft bis zu den Bauherren und Betreibern. Wir lassen uns dabei von drei elementaren Grundsätzen leiten.1. Wir schaffen eine neue Kooperationskultur.Das Ergebnis eines Projekts ist nur so gut wie seine Bedarfsanalyse und sein Briefing aller Beteiligten von Anfang an. Deshalb soll bereits im Frühstadium, wenn die Bauherren ihre Wünsche formulieren, größte Sorgfalt herrschen. Wir schaffen das mit einer erschöpfenden Bedarfsanalyse, detaillierten Projektanforderungen und interdisziplinären Teams. Wir wollen darüber hinaus die partnerschaftliche Zusammenarbeit verstärken und prüfen Bonus-Regelungen und außergerichtliche Streitbeilegungsmechanismen.2. Wir vergeben an den Wirtschaftlichsten – nicht an den Billigsten.Wir werden Bauaufträge nicht mehr ausschließlich auf Basis des Angebotspreises vergeben. Stattdessen berücksichtigen wir Kriterien wie Qualität der Ausführung, Umwelteigenschaften, technischer Wert, Organisationskompetenz – und Risikomanagement. Denn kein Projekt ist ohne Risiken. Diese sind die Ursache für Kostensteigerungen und Terminüberschreitungen. Die Bundesregierung setzt vor diesem Hintergrund auf ein frühzeitiges und kontinuierliches Risikomanagement.3. Erst digital, dann real bauen.Digitale Technologien bieten enorme Potenziale bei Qualität, Effizienz und Schnelligkeit. Diese Potenziale wollen wir heben – mit einer neuen digitalen Planungs- und Baukultur. Ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg ist das Building Information Modeling (BIM). Als digitale Plattform führt BIM alle relevanten Daten, Pläne, Baufortschritte und Akteure zusammen – und bildet den gesamten Lebenszyklus eines Bauprojekts virtuell ab: vom Entwerfen und Planen eines Bauwerks über den Bau und den Betrieb bis zu seinem Abriss. Mit BIM bekommt Planen und Bauen eine völlig neue Dimension und die Baustelle wird zur kooperativen, intelligenten Datencloud – mit einer neuen Datenqualität, einer engen Vernetzung aller Akteure, mehr Transparenz, mehr Effizienz und einem Projekt-Controlling in Echtzeit. Dadurch minimieren wir die Risiken, sparen wertvolle Zeit und reduzieren die Baukosten deutlich. Die Bundesregierung treibt deshalb die Einführung der Digitalisierung des Bauens konsequent voran.Jetzt geht es darum, den Aktionsplan umzusetzen. Deshalb erproben wir BIM bereits in vier Pilotprojekten – zwei Straßen- und zwei Schienenvorhaben. Die Projekte Eisenbahntunnel Rastatt, Eisenbahnüberführung Filstal, Talbrücke Auenbach (B 107n) und 4. Petersdorfer Brücke (A 19) zeigen bereits jetzt: Wir werden schneller, effizienter und kostensicherer. Deshalb habe ich am 15. Dezember 2015 auf einem Zukunftsforum Digitales Planen und Bauen den Startschuss dafür gegeben, gemeinsam mit allen Beteiligten den Sprung zum Bauen 4.0 voranzutreiben. Und deshalb habe ich einen Stufenplan vorgestellt, der BIM bis 2020 erstmals in Deutschland zum neuen Standard für große Verkehrsinfrastrukturprojekte meines Hauses machen wird.Der 10-Punkte-Aktionsplan ist ein starkes Signal für das Gütesiegel "Made in Germany" und legt den Grundstein für einen Kulturwandel beim Bau. Ich bin überzeugt: In enger Partnerschaft zwischen Politik und Wirtschaft wird es uns gelingen, dass Planen und Bauen auch im global-digitalen Zeitalter eine deutsche Kernkompetenz bleibt und das Fundament unseres Wohlstands weiter stärkt – mit Innovationskraft und Kompetenz, mit Bitumen, Baustahl und Beton und jetzt mit Daten und Algorithmen.

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