Bauaussichten 2019

Produktionskosten der Bauunternehmen werden steigen

Bauaussichten

Von Michael Gilka, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e. V., BonnDer Aufschwung in Deutschland hält nun im sechsten Jahr in Folge an. Der private Konsum hat auch 2018 zur gesamtwirtschaftlichen Expansion beigetragen, die sich im Jahr 2019 weiter fortsetzen wird. Im Jahresdurchschnitt 2018 hat die Wirtschaftsleistung in Deutschland um ca. 1,7 % zugenommen. Die führenden Wirtschaftsinstitute gehen in ihren Herbstprognosen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im Jahr 2019 um 1,9 % zulegen kann.Die gesamtwirtschaftlich gute Entwicklung zeigt sich auch in den deutlichen Finanzierungsüberschüssen des Staates in Höhe von 53,5 Mrd. Euro im Jahr 2018, die damit einen Höchststand erreicht haben.Auch wenn die Wirtschaftsinstitute prognostizieren, dass 2019 der Aufschwung an Fahrt verliert – insbesondere durch Unsicherheiten über den Fortgang der Weltkonjunktur aufgrund zahlreicher Handelskonflikte – so ist dennoch davon auszugehen, dass Deutschland und die deutsche Bauwirtschaft diesen Tendenzen gut trotzen können.Die Wohnungsbauinvestitionen werden durch die günstige Arbeitsmarktlage und die anhaltend vorteilhaften Finanzierungsbedingungen voraussichtlich um 3,2 % zunehmen. Die Investitionen für gewerbliche Bauten werden durch den erheblichen Nachholbedarf im Breitbandausbau und die geplanten Investitionen der Deutschen Bahn AG voraussichtlich um 1,7 % gegenüber 2018 zulegen. Bei den öffentlichen Bauinvestitionen ist mit einem Anstieg um 3,1 % im Jahr 2019 zu rechnen. Die erneut erfreuliche Quote bei den öffentlichen Bauinvestitionen ist auf die günstige Finanzlage der öffentlichen Auftraggeber zurückzuführen. Die Finanzlage hat sich inzwischen auch bei den Kommunen verbessert und spiegelt sich zudem bei den steigenden Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur von Bundesfernstraßen wider. Alles in allem prognostizieren die Wirtschaftsinstitute eine kräftige Zunahme der Bauinvestitionen im Jahr 2019 um 2,8 % und für das Jahr 2020 um 3,1 %.Die Zunahme der Bauinvestitionen dürfte sich aber nicht weiter beschleunigen, da die Kapazitätsauslastung im Bauhauptgewerbe bei den Unternehmen schon jetzt überdurchschnittlich ist. Aber auch innerhalb der Bauverwaltungen gibt es erhebliche Engpässe, da im Zeitraum von 1991 bis 2015 rd. 40 % des Personals abgebaut wurde und dieses nun für Planungs- und Genehmigungsprozesse fehlt. Hier zeigt sich sowohl für die Bauwirtschaft als auch für die Bauverwaltungen, wie notwendig verlässliche Investitionslinien auf einem hohen Niveau sind. Leider hat die Politik jahrzehntelang an dieser Front versagt, mit der Folge, dass nicht nur die Infrastruktur und die Wohnungssituation in einem verheerenden Zustand sind, sondern auch die planerischen und bauausführenden Kapazitäten bis auf ein Minimum heruntergefahren wurden. Entsprechend ist es, vor allem vor dem Hintergrund der insgesamt robusten konjunkturellen Situation in Deutschland in den vergangenen Jahren und des damit verbundenen qualifizierten Personalbedarfs in allen Branchen, kein Wunder, dass diese Kapazitäten nicht von heute auf morgen wieder aufgebaut werden können. Aber es ist an dieser Stelle nicht die Zeit, in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft zu schauen.Gerade auch von der Bauwirtschaft sind Hausaufgaben zu erledigen, um die Zukunft positiv zu gestalten. So z. B. bei der Beseitigung des Fachkräftemangels, der eines der dringendsten Probleme unserer Zeit ist. Was ist zu tun?

  • Das Ansehen und die Chancen in der Bauwirtschaft, die bei jungen Leuten als eher mäßig eingeschätzt werden, müssen von uns verbessert werden. D. h. die Attraktivität der Baubranche muss deutlich gesteigert werden.
  • Aufgabe der Bauunternehmen ist es, selber auszubilden und dabei auch die Chancen der Zuwanderung zu nutzen. Jeder Betrieb ist heute für seine Zukunftssicherung mit Blick auf das Personal selber verantwortlich und sollte sich nicht auf jemand anderes verlassen.
  • Wir – Politik, Verbände und Bauunternehmen – müssen gemeinsam dafür Sorge tragen, dass einer gewerblichen Ausbildung in Deutschland wieder die gebührende Wertschätzung unserer Gesellschaft entgegengebracht wird.
  • Wir müssen den Schülern eine gute Berufsorientierung anbieten, um über die Vielfalt der Berufe und vor allem die Karriereperspektiven in der Bauwirtschaft aufzuklären.
  • Wir müssen die Mitarbeiter bei dem Wandel hin zur digitalisierten Gesellschaft mit gezielter Weiterbildung mitnehmen.
  • Wir dürfen in der deutschen Bauwirtschaft nicht nur ständig über Digitalisierung reden, sondern müssen sie auch in der Praxis umsetzen. Dazu ist eine ehrliche Bestandsaufnahme in den Unternehmen notwendig, was bereits geschafft ist und wo jetzt in Technik und Ausbildung investiert werden muss, um die Produktivität zu verbessern. Gleiches gilt für die Bauverwaltungen von Bund, Ländern und Gemeinden in Deutschland.

Grundsätzlich sieht die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e. V. gute Vorzeichen für die deutsche Bauwirtschaft im Jahr 2019. Die Fortsetzung der hohen Bauinvestitionen ist ein positives Signal für die Bauunternehmen, in Fachkräfte und Maschinen zu investieren. Da Bauunternehmen aufgrund der hohen Nachfrage nach Bauleistungen derzeit bewusster ihre Entscheidungen für oder gegen einen Auftraggeber treffen, werden derzeit Auftraggeber bevorzugt, die Verlässlichkeit und Transparenz mit Blick auf eine Zusammenarbeit pflegen und faire Rahmenbedingungen bei der Vergabe und Ausführung von Bauleistungen garantieren. Zudem ist zu erwarten, dass sich die Produktionskosten für Bauunternehmen durch Mangel an Rohstoffen, wie z. B. Sand und Bitumen, oder auch Logistikkapazitäten, Deponieraum und nicht zuletzt Fachkräften weiter erhöhen werden und sich damit auch der Aufwärtstrend der Baupreise fortsetzen wird.

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