Bauholz

Deutschland schon auf Importe angewiesen

Dr. Ronald Rast, Geschäftsführer der DGfM.

Berlin (ABZ). – Vergleicht man die Marktanteile der überwiegend verwendeten Baustoffe im gesamten Wohnungsbau, wird schnell klar, dass Wände aus Mauersteinen mit knapp 73 % deutlich an der Spitze liegen. Die natürlichen Rohstoffe Sand, Kies und Ton, die zur Herstellung von Mauersteinen überwiegend verwendet werden, sind nahezu unbegrenzt vorhanden. Weiterhin sind sie in fast jeder Region verfügbar, was die Transportwege kurzhält. Für Steine liegen die Transportentfernungen gemäß Güterverkehrsstatistik bei durchschnittlich 53 km, während einheimisches Holz durchschnittlich über 167 km transportiert wird. Immer mehr Nadelhölzer zu Bauzwecken werden auch aus fremden Ländern eingeführt, was mit zunehmenden Transportentfernungen einhergeht.

"Vor allem mit Blick auf eine immer häufiger beworbene Ausweitung des Holzeinsatzes im Baubereich fehlen dafür eindeutig die Ressourcen an Nadelholz hierzulande", so Dr. Ronald Rast, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM). Denn für die Anwendung als Bauholz werden für Außenwände zu 96 % und für Innenwände zu etwa 94 % Nadelhölzer eingesetzt. Untersetzt wird diese Aussage durch eine aktuelle Studie der LCEE, einem Spin-Off der TU Darmstadt, mit dem Titel "Massiv- und Holzbauweise". Diese beleuchtet in dem Zusammenhang die Handelsbilanz für das zur bauwirtschaftlichen Nutzung priorisierte Nadelholz. Demnach könne der heutige Bedarf in Deutschland aus heimischen Nadelhölzern immer weniger gedeckt werden, sodass schon seit mehreren Jahren Nadelrohholzimporte vonnöten sind. Während es beim Nadelschnittholz noch einen Netto-Exportüberschuss von 2,7 Mio. m³ gibt (Importvolumen: 3,7 Mio. m³; Exportvolumen: 6,4 Mio. m³), herrscht beimNadelrohholz ein Defizit von 5,7 Mio. m³ (7,4 Mio. m³ zu 1,7 Mio. m³) vor. "Somit ist Deutschland bei den als Bauholz verwendeten Nadelhölzern ein Netto-Importeur. Zur Deckung des Nadelholzbedarfs im Baubereich sind wir also bereits heute auf ausländische Ressourcen angewiesen", erläutert Dr. Rast. Bei Betrachtung der unterschiedlichen Aspekte scheint widersprüchlich, dass die Verwendung von Holz im Baubereich auch in bisher für Holzkonstruktionen unübliche Anwendungen weiter gesteigert und dafür sogar eine Änderung in den Bauordnungen angestrebt werden soll, die den freien Wettbewerb zwischen den Bauweisen bewusst verzerrt. 

In den Augen der DGfM ist diese angestrebte Bedarfsankurbelung für Nadelholz nicht nachvollziehbar: "Es kann nicht im Sinne einer nachhaltigen Holzwirtschaft sein, dass eine bewusste weitere Nachfragesteigerung für Bauholz vorangetrieben wird, obwohl das dafür erforderliche Nadelholz schon seit Jahren anteilig importiert werden muss und außerdem das Risiko der Verwendung nicht zertifizierter Hölzer zunehmend besteht", stellt Dr. Rast klar. Der ansteigende Bedarf an Holzimporten geht einher mit zunehmenden Transportentfernungen von z.T. mehr als 1000 km und auch laut einer WWF-Studie mit dem wachsenden Einsatz an nicht zertifizierten Hölzern, die aus illegalem Holzeinschlag stammen: Mit nachhaltigen Bauen hat das dann nichts mehr zu tun! Grundsätzlich, so stellt die DGfM dar, gibt es keinerlei Vorbehalte gegenüber dem Werk- und Baustoff Holz an sich. Praktisch schon seit Jahrhunderten werden z. B. Hölzer für Dachstühle, Bauelemente wie Fenster und Türen sowie Fußbodenbelege und Wandverkleidungen zusammen mit Mauerwerk der verschiedensten Arten insbesondere in Wohnbauten genutzt. Auch Fachwerkhäuser, die neudeutsch wahrscheinlich als "Hybridbauten" bezeichnet würden, gehören in einigen Gebieten Deutschlands fest zur Baukultur und prägen ganze Stadtbilder. Gerade jetzt stehe man vor der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, den bezahlbaren Wohnungsbau in Deutschland nochmals deutlich zu steigern.

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