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Bauindustrie NRW

Kostensteigerungen nicht den Bauunternehmen anlasten

Düsseldorf (ABZ). – "Die Diskussion um steigende Baupreise nimmt ja mittlerweile in Teilen groteske Züge an. Der Vorwurf, die Bauunternehmen würden sich jetzt die Taschen voll machen, ist geradezu lachhaft und entbehrt jedweder Realität." Mit diesen Worten reagierte Prof. Beate Wiemann, Hauptgeschäftsführerin des Bauindustrieverbandes Nordrhein-Westfalen, auf die anhaltende Diskussion um steigende Baukosten im Hoch- wie im Tief- und Straßenbau. Der Bauindustrieverband Nordrhein-Westfalen hat die steigenden Baukosten sachlich analysiert und mehrere Gründe hierfür identifiziert. Dies sind erstens immens anziehende Preise für Rohstoffe und Materialien, zweitens ein weit überdurchschnittlicher Tarifabschluss für 2018, drittens die Auslastung von Nachunternehmern und Handwerkern und viertens moderat ansteigende Unternehmenseinnahmen. Der Verbandsanalyse nach sind die Kosten für Wohngebäude im vierten Quartal 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rd. 4,4 %, die von Bürogebäuden um 3,9 % und die von gewerblichen Betriebsgebäuden um 4,5 % gestiegen. Diesen Kostensteigerungen stehen massive Lieferengpässe bei Materialien und Rohstoffen gegenüber. Durch die in den letzten Jahren massiv angezogene Nachfrage müssten Rohstofflieferanten ihre Produktion erst einmal ausbauen. "Unsere Unternehmen tun alles, um die Baunachfrage zu bedienen und Aufträge zu realisieren. Wer aber heute Bitumen aus Österreich und Splitte aus Norwegen holen muss anstatt vom benachbarten Niederrhein, zahlt alleine schon höhere Transportkosten. Ein Preisanstieg für den Auftraggeber ist dann nur logische Konsequenz", so Prof. Beate Wiemann weiter.

Nach Jahren der Lohnzurückhaltung sah der Tarifabschluss im Bauhauptgewerbe zum Mai 2018 eine deutlich höhere Steigerung von 5,7 % vor. Lohn- und Gehaltskosten stehen für rd. 30 % der Gesamtkosten am Bau. Prof. Beate Wiemann: "Unsere Beschäftigten arbeiten seit Jahren auf Hochtouren und reparieren dieses Land zum Wohle aller. [...] Diese Leistungen sollten uns allen etwas wert sein."

Die in den letzten Jahren deutlich gestiegene Baunachfrage führe nicht zuletzt zu einer hohen Auslastung, insbesondere bei kleineren Bauunternehmen und Handwerksbetrieben. Anders als die Bauindustrie können diese ihre Kapazitäten schwieriger umverteilen und geraten schnell an Grenzen. Treten diese Betriebe als Nachunternehmer auf, diktieren sie aktuell die Preise. Die Bindungsfristen für Angebote wurden zuletzt deutlich gekürzt. Die Nachfrage bestimmt den Preis. Rd. ein Drittel der Baukosten gehen auf das Konto von Nachunternehmerleistungen. "Die Bauindustrie befindet sich derzeit im Schraubstock zwischen Kritik an steigenden Preisen unserer Auftraggeber und zunehmend selbstbewussten Nachunternehmern", so die Hauptgeschäftsführerin der nordrhein-westfälischen Bauindustrie.

Darüber hinaus stehe in der Öffentlichkeit vermehrt der Vorwurf im Raum, die Bauindustrie würde sich zuungunsten ihrer Kunden bereichern. Eine Umsatzrendite vor Steuern von 3,5 % im Geschäftsjahr 2016 in der Bauindustrie spricht jedoch eine andere Sprache. Seit mehr als 20 Jahren liegt die Preisentwicklung im Bauhauptgewerbe zudem unterhalb der Entwicklung der Verbraucherpreise. Prof. Beate Wiemann dazu: "Die Bauindustrie bleibt der ,Rendite-Zwerg' der deutschen Industrie. [...] Und selbst wenn unsere Unternehmen aktuell besser verdienen als in den Jahren zuvor, sie müssen es auch, denn aus einer schwarzen Null lassen sich Investitionen in Ausbildung, Technik und Digitalisierung für die Zukunft nicht finanzieren."

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