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Geschick bewiesen

Volkshochschul-Neubau konnte in historischen Kontext integriert werden

Die Dämmung der Betonkonstruktion erfolgte mit perlitgefüllten Poroton-WDF-Ziegeln. Damit konnten die schlechteren Wärmedämmeigenschaften des Betons ausgeglichen und das Gebäude gemäß den Anforderungen der EnEV errichtet werden.

Landau (ABZ). – Mit hohem kreativem Geschick wurde der Neubau der VHS Landau a. d. Isar in den Kontext der historischen Altstadt eingegliedert. Die Stahlbetonkonstruktion der Außenwand erhielt eine stabile Wärmedämmung aus Poroton-WDF und sichert die Ansprüche an eine nachhaltige und hochwertige Gebäudehülle.

Der Neubau der Volkshochschule sollte für die Stadt Landau a. d. Isar als ein weiteres Signal der Neugestaltung und Aufwertung der historischen Altstadt gelten. Zur Verfügung standen der Kommune zwei nebeneinander liegende Grundstücke in unmittelbarer Nähe des Altstadtkerns. Nicht einfach würde sich die Unterbringung eines verhältnismäßig großen Bauvolumens auf zwei kleinteiligen Parzellen in der schwierigen topographischen Lage eines steilen Berghangs gestalten. Doch der kreative Entwurf der Münchner Architekten Neumann & Heinsdorff, die als Sieger aus dem Architektenwettbewerb hervorgingen, bewies, dass zeitgenössische Architektur und eine Eingliederung in eine historische Altstadtstruktur durchaus in Einklang zu bringen sind. Die Außenwandkonstruktion wurde als zweischalige Wand ausgeführt – bestehend aus einer Stahlbetonkonstruktion mit vorgesetzter, stabiler Ziegelschale aus Poroton-WDF-180, die der Gebäudehülle die notwendige Wärmedämmung ermöglicht.

2011 erwarb die Stadt Landau ein baufälliges Gebäude in direkter Nachbarschaft zu einem kleinen, leerstehenden Altbau, der sich bereits im städtischen Besitz befand. Zusammen boten die beiden nebeneinanderliegenden Grundstücke in der gewünschten Innenstadtlage die Mindestgröße für die geplante Bildungseinrichtung: Nur etwa 100 m vom Rathaus und dem Stadtplatz entfernt, mitten im alten Stadtkern gelegen, war es der ideale Standort für den Neubau, von dem man sich unter anderem auch eine Belebung und Stärkung der Ortsmitte versprach. Trotz des starken Gefälles der Ludwigstraße ist die Lage durch die Nähe zum städtischen Parkhaus gut und barrierefrei erreichbar. Dem weiteren Baustein zur städtebaulichen Erneuerung Landaus stand somit nichts mehr im Wege.

Der Neubau der VHS Landau zitiert die vorherige Stadtbebauung. Die von der Stadt gewünschte Belebung der Altstadt wird ebenso erreicht wie die Anforderungen an eine zeitgemäße Bildungseinrichtung.

Der Abriss der beiden Bestandsbauten wurde genehmigt, gleichzeitig ein Realisierungswettbewerb gestartet, um der besonderen Herausforderung des Neubaus im Altstadtensemble gerecht zu werden. Bundesweit nahmen 21 Architekturbüros teil. Das Preisgericht entschied sich für den Entwurf von Thomas Neumann von Neumann & Heinsdorff Architekten aus München. In der Begründung hob es unter anderem hervor, der Verfasser habe "den Ort gelesen" und berücksichtige mit seinem Entwurf wie selbstverständlich die komplexe Stadtstruktur wie auch die Topografie. Mit seinen einfachen architektonischen und städtebaulichen Mitteln sei er unaufgeregt "dem Bestand verwoben". Gefallen hat auch die massive Gebäudehülle, die "mit langlebigen ökologischen Materialien … einen wirtschaftlichen Bauunterhalt" verspricht und "für die Stadt Landau a. d. Isar ein Volkshochschulgebäude mit hoher Qualität sicherstellt."

Um die städtebauliche Struktur der kleinteiligen Gebäude und Grundstücke der Altstadt aufzugreifen, wurden zwei, um ein halbes Geschoss versetzte giebelständige Baukörper in das Altstadtensemble eingeordnet. Zur öffentlichen Seite an der Ludwigstraße verbinden horizontale Fensterbänder und verputzte Wandflächen die Gebäudeteile und vermitteln durch ihre Schichtung einen Eindruck des gestaffelten Geländes. Rückseitig öffnet sich der Gartenraum mit einer terrassenartigen Aufgliederung, die teils als Pausenräume, teils als außenliegendes Klassenzimmer genutzt werden können. Der dunkelgraue Kratzputz der massiven Gebäudehülle steht bewusst im Gegensatz zu den eher "bunten" Häusern der Nachbarschaft. Im Innern wird die Zweiteilung aufgehoben. Alle Räume gruppieren sich um ein zentrales Treppenhaus, das sie miteinander verbindet und für kurze Wege sorgt. Im dunkelgrauen Farbton der Fassade öffnet sich das in weitgehend rohbelassenem Sichtbeton ausgeführte Treppenhaus zu den hell gestalteten Klassenzimmern. Holzböden und -decken schaffen ein lernfreundliches Ambiente. Raumbreite, teilweise beidseitige Fensterflächen lassen Licht in die Räume fluten, zur Gartenseite genehmigen sie in den oberen Etagen einen Blick in die Landschaft.

Die Gebäudehülle der neuen Volkshochschule wurde in mehrschaliger Bauweise ausgeführt. Aus statischen Gründen wurde die tragende Konstruktion aus Stahlbetonfertigteilen errichtet. Damit das Gebäude ausreichend gedämmt ist, erhielt die 20 bis 25 cm starke Betonkonstruktion eine Vorsatzschale aus Poroton-WDF in 18 cm Stärke. Sie garantiert Herstellerangaben zufolge einen hohen Wärmeschutz und zugleich eine werthaltige, stabile Fassade mit der Lebensdauer einer massiven Konstruktion.

Ausführung der Traufe.

Konstruktionen aus Stahlbeton benötigten meist eine nachträgliche Dämmung, um die schlechteren Wärmedämm-Eigenschaften von Beton auszugleichen und damit den energetischen Anforderungen insgesamt gerecht zu werden. Hier bietet sich eine Vormauerung mit Poroton-WDF an. Denn durch die robuste und stabile Ziegelschale wird eine homogene Gebäudehülle mit einheitlichem Putzgrund erreicht, die das Gebäude zudem auf nachhaltig ökologische Weise vor hoher mechanischer sowie natürlich-biologischer Beanspruchung schützt. Dank der klug überlegten Wandkonstruktion wurden die Vorgaben der EnEV weit erfüllt.

"Insgesamt eine Arbeit, welche die Aufgabenstellung hervorragend beantwortet," resümierte die Jury des Architekturwettbewerbs. Neben der geglückten Integration ins Landauer Altstadtbild und einer Belebung der Ortsmitte verteilte der Neubau gekonnt rund 600 m² Nutzfläche auf vier Etagen. Barrierefrei wurden alle nötigen Räume untergebracht – vom großen Mehrzweckraum und einer Cafeteria im Erdgeschoß bis zu den sieben Schulungs- und Sozialräumen auf den restlichen Ebenen.

Das Ende 2015 bezogene Gebäude erfüllt alle anspruchsvollen Kriterien wie Einhaltung städtebaulicher Qualität, Einfügung in die Umgebung, architektonische Qualität sowie Gestaltungs- und Freiraumplanung, Einhaltung planungsrechtlicher Rahmenbedingungen, Funktionalität und Wirtschaftlichkeit sowie Instandhaltung. Einen wesentlichen Beitrag hierzu leistet die optimale Kombination und Qualität der eingesetzten Baustoffe

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 50/2019.

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