Handelsstreit und Regierungskrach

Deutsche Wirtschaft gerät zunehmend unter Druck

München/Frankfurt (dpa). – Der von den USA angefachte Handelskonflikt und der Streit in der Bundesregierung hinterlassen Spuren in der deutschen Wirtschaft. Nach Einschätzung von Volkswirten zögern Firmenchefs mit Investitionen wegen des von US-Präsident Donald Trump ausgelösten Zollstreits mit China, der Europäischen Union und anderen Ländern. Wird weniger investiert, kann das Folgen für die Konjunktur haben. Die Stimmung in den Unternehmen trübte sich im Juni ein. "Der Rückenwind für die deutsche Wirtschaft flaut ab", erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest in dieser Woche. Sorgen bereitet zudem der Fachkräftemangel. Das Ifo-Geschäftsklima, Deutschlands bedeutendster wirtschaftlicher Frühindikator, fiel im Juni um 0,5 Punkte auf 101,8 Zähler, wie das Münchner Institut mitteilte. Bankvolkswirte nannten als Gründe den Handelskonflikt mit den USA und den Streit zwischen den Schwesterparteien CDU und CSU über die Asylpolitik. 

Ein Extremszenario mit Bruch und Neuwahlen würde weitere Verzögerungen bei wichtigen Investitionen und dringenden Reformen in Deutschland und im Euroraum bedeuten, warnte ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. Der Arbeitsmarkt zeigt sich Ökonomen zufolge noch unberührt von den Sorgen. Im Juni dürften nach Schätzungen der Experten rd. 2,28 Mio. Menschen in Deutschland ohne Job gewesen sein, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter Volkswirten deutscher Großbanken ergab. "Vor allem beim Bau ist die Nachfrage nach Arbeitskräften hoch", sagte Deutsche-Bank-Volkswirt Marc Schattenberg. Die warmen Temperaturen kurbelten u. a. auch die Nachfrage in der Gastronomie an. Das verarbeitende Gewerbe sei dagegen nicht gut in das Jahr gestartet, erklärten die Experten. 

Die meisten Volkswirte halten dennoch an ihrer optimistischen Prognose fest: Für 2018 rechnen sie mit einem durchschnittlichen Rückgang der Arbeitslosenzahl um 100 000 bis 170 000 auf 2,3 bis 2,35 Mio. Nach Ansicht von KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner könnte die Arbeitslosenquote zum Jahresende erstmals seit der Wiedervereinigung sogar die 5 %-Marke unterschreiten. Für manche Branchen wird der Boom am Arbeitsmarkt inzwischen zum Problem: Es fehlen zunehmend Fachkräfte. Das Handwerk sieht sich vor ähnlichen Problemen. Die Bundesbürger müssen sich darauf einstellen, noch länger auf einen Handwerker zu warten. Das Problem "wird sich noch verschärfen", sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Nach seinen Angaben könnte die Branche derzeit "200 000 bis 250 000 zusätzliche Handwerker sehr gut in den Betrieben unterbringen."

Rd. 200 000 Betriebe mit rd. 1 Mio. Mitarbeitern stünden in den kommenden fünf bis sechs Jahren vor einem Generationswechsel. Wollseifer äußerte die Befürchtung, "dass nicht alle Betriebe fortgeführt werden", und begründete dies mit Nachwuchsmangel.

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