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Kommentar

Mut zum Meister

Robert Bachmann

Handwerk hat goldenen Boden . . . Das war einmal, so scheint es. Heute regieren Preisdruck und Personalengpässe den baugewerblichen Sektor. Qualität ist zwar erwünscht, gefordert wird in aller Regel aber v. a. der niedrigste Preis – ein Evergreen in eigentlich allen Bereichen des Bauwesens. An der Auftragslage liegt es jedenfalls nicht. Sie geht seit einiger Zeit konstant durch die Decke. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Betriebe hierzulande zunehmend. Die Folge: Immer mehr Kunden müssen sich auf immer längere Wartezeiten einstellen, können diese aber nutzen, um sich ausgiebig darüber zu beklagen. Es gibt mannigfaltige Gründe, warum die Situation so ist, wie sie nun einmal ist. Ein ganz zentraler liegt nach Ansicht der Branche selbst aber in der Handwerksreform von 2004 und der Abkehr von der Meisterpflicht in 53 der 94 Gewerke hierzulande. Ursprünglich sollte der Markt auf diese Weise liberalisiert werden – eine Art Freihandelsabkommen für Handwerkerleistungen. Was damals notwendig erschien, erweist sich heute als Sackgasse. Denn mit der Meisterpflicht verabschiedete man sich in den entsprechenden Gewerken größtenteils auch vom Thema Ausbildung und Wissenstransfer an die nächste Generation.

Nicht zuletzt steht der Meisterbrief auch für eine gewisse Qualität der gebotenen Dienstleistungen; und das nicht nur gegenüber dem Auftraggeber, sondern auch gegenüber dem potenziellen Nachwuchs, wenn er sich überlegt, mit welcher Branche er sich identifizieren möchte und welcher Beruf ihm Perspektiven eröffnet. Es ist befremdlich, wenn man in den Kommentarspalten größerer Tageszeitungen gegenteilige Argumentationen liest, in denen aus aktuellem Anlass des Auftragsüberschusses für eine weitere Öffnung des Wettbewerbs plädiert wird. Sicherlich mag an Reformen zur Senkung von Zugangshürden in die Selbstständigkeit nichts verkehrt sein – man denke etwa an eine umfänglichere Aufstiegsförderung. Wer jedoch ernsthaft dafür votiert, das Preisgefüge, Image und Qualitätsniveau der Branche dem Haifischbecken eines gänzlich regelfreien Wettbewerbs auszusetzen, der muss wirklich dringend auf seinen Handwerker warten.

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