Kräftiges Order-Plus im Maschinenbau

"Auftragslage ist ein Segen"

Wiesbaden/Frankfurt (ABZ). – Die weltweite Konjunkturerholung füllt die Auftragsbücher der deutschen Industrie kräftig. Im ersten Halbjahr lag der Wert der Bestellungen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes preisbereinigt (real) um 28,1 Prozent über dem von der Corona-Krise geprägten Vorjahreszeitraum.

Allein die exportorientierten Maschinenbauer verzeichneten ein Plus von 29 Prozent. Nach Angaben des Branchenverbandes VDMA ist der coronabedingte Einbruch des Vorjahreszeitraums wettgemacht und das Vorkrisenniveau der ersten sechs Monate 2021 überschritten. "Nach den herben Order-Einbrüchen im letzten Jahr ist die jetzige Auftragslage ein Segen", sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers jüngst. Allein im Juni legten die Maschinenbau-Bestellungen um 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu.

Die Zurückhaltung der Kunden während der Corona-Hochphase sei eindeutig überwunden. "Investitionen in Ausrüstung, Maschinen und Services stehen weltweit oben auf der Agenda", sagte Wiechers. Die Industrie profitiere insgesamt von der starken Nachfrage nach "Made in Germany". Im Vergleich zum pandemiebedingt schwachen Vorjahresmonat lag der Wert der Aufträge im Juni des laufenden Jahres nach Berechnungen des Bundesamtes um 26,2 Prozent höher.

Die Umsätze erholen sich laut Verband allerdings trotz prall gefüllter Auftragsbücher nicht in gleichem Maße. Lieferengpässe und Materialknappheit bremsen demnach die Produktion. Der reale Umsatz lag im ersten Halbjahr nach Angaben der Statistiker um 10 Prozent über dem des Vorjahreszeitraums. Von Mai auf Juni 2021 sanken die Erlöse um 1,4 Prozent.

"Der Industrie geht es eigentlich blendend. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt", stellte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank fest. "Wäre da nicht noch das Wort eigentlich. Das Problem ist, dass die Industrie den exzellenten Auftragsbestand derzeit nicht in eine entsprechend gut laufende Produktion ummünzen kann. Die fehlenden Vorprodukte belasten."

Nach Angaben des Ifo-Institutes beklagen inzwischen 64 Prozent der befragten Industrie-Unternehmen Engpässe und Probleme bei Vorlieferungen als Hindernis für ihre Produktion. "Das könnte zu einer Gefahr für den Aufschwung werden", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Bei den Maschinenbauern sehen sogar 70 Prozent ihre Produktion wegen Materialmangels deutlich erschwert.

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