Anzeige

Nachhaltiges Signal

Baubranche rollt Arbeitgeberwettbewerb auf

"Arbeitgeber des Jahres" wurde in diesem Jahr die Kögel Bau GmbH & Co. KG (v. l.): Corinna Wohlfeil (Moderation), Prof. Dr. Heike Bruch (wissenschaftliche Leitung Top Job), Gerd Nottmeier (Teamleiter Personal Kögel Bau), Peter und Frank Kögel (Geschäftsleitung Kögel Bau), Silke Masurat (Geschäftsführung zeag GmbH) und Wolfgang Clement (Mentor/Wirtschaftsminister a. D.).

Konstanz/Berlin (ABZ). – Die Baubranche boomt und der Fachkräftemangel zieht gleichermaßen an. Diese Schere zwingt Unternehmer der Bauwirtschaft offensichtlich erfolgreich in die Offensive: In der aktuellen Runde des Arbeitgeber-Wettbewerbes Top Job sind mit 25 % so viele Arbeitgeber aus der Bau-Szene platziert wie noch nie. Auch der Titel "Arbeitgeber des Jahres" geht in die Branche. Das Klischee lebt nach wie vor, der Bau ist kulturell speziell: raue Töne, harte körperliche Arbeit bei jedem Wetter und eine vermeintlich schlechte Bezahlung. Das sind die Hauptgründe, warum immer mehr junge Menschen sich gegen einen Bauberuf entscheiden. Diese Nachwuchssorgen sind Teil eines noch viel größeren Problems: Der demografische Wandel verstärkt die Knappheit der Fachkräfte in Zeiten, in denen laut einer Studie von OC&C der Bauboom mit Wachstumsraten von oberhalb der 5 %-Marke anhält. "Nicht mit uns!" oder so ähnlich könnte man die Offensive der 22 mittelständischen Unternehmen aus der Baubranche deuten, die stetig an ihrer Attraktivität als Arbeitgeber feilen und sie mit dem Arbeitgebersiegel Top Job nun auch öffentlich machen können.

"Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist es umso erfreulicher, dass so viele Unternehmen aus der Bauwirtschaft gezeigt haben, dass unsere Branche hervorragende Chancen und vor allem auch Perspektiven auf allen Ebenen – von der Ausbildung bis hin zur Bauleitung – bietet. Gerade weil vielfach noch ein falsches Bild von der Bauwirtschaft besteht, ist die Auszeichnung auch für andere Bauunternehmen ein wichtiges Signal, jetzt aktiv zu werden und noch offensiver um Nachwuchskräfte zu werben", bemerkt Dieter Babiel, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.

Der branchenübergreifenden Auszeichnung Top Job liegt eine wissenschaftlich fundierte Mitarbeiterbefragung zugrunde, die die Universität St. Gallen durchführt. Wer die Kriterien erfüllt, darf das Arbeitgebersiegel für zwei Jahre tragen. Alle 22 Teilnehmer der Branche haben am 23. Februar von dem ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement das Siegel feierlich in Berlin überreicht bekommen.

Ein Bauunternehmen hat sogar doppelten Grund zur Freude: Die Kögel Bau GmbH & Co. KG aus Bad Oeynhausen feiert neben ihrem 50. Firmenjubiläum den 1. Platz in ihrer Größenklasse und erhält damit den Titel "Arbeitgeber des Jahres 2018". "Wir arbeiten stetig an uns, denn eine gute Bezahlung allein macht aus uns noch keinen guten Arbeitgeber", berichtet Frank Kögel, der zum wiederholten Male mit der Top Job-Analyse arbeitet. Diese untersucht u. a. die Führungsqualität, die Weiterentwicklungschancen, die wertschätzende Kommunikation und die Vertrauenskultur in den Unternehmen.

Zur Nachwuchssicherung setzen die Ostwestfalen auf ein vermehrtes Angebot des dualen Studiums und die intensive Ausbildung in insgesamt neun Berufen – stolz verweist man hier auf eine Ausbildungsquote von über 12 %. Bei den Bad Oeynhausenern glaubt man an das 220 Mitarbeiter starke Unternehmen und ist glücklich, Teil des Teams zu sein. "Wir haben es hier mit einem außerordentlich modern denkenden Familienunternehmen zu tun, das mit einem ausgeprägt werteorientierten Management wahrlich Zeichen setzt. Und genau deshalb wird den Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei allen Planungen und Entscheidungen ein bemerkenswert hoher Stellenwert beigemessen", bemerkt Prof. Dr. Bert Rürup, der als Top-Job-Jurymitglied die vorbildlichen Bedingungen würdigt und die Laudatio auf das Vorreiterunternehmen Kögel in Berlin hielt. Auch Babiel zeigt sich stolz, dass ein Mitgliedsunternehmen des Bauindustrieverbandes Nordrhein-Westfalen es bis nach ganz oben geschafft hat: "Hier zeigt sich, wie erfolgreich man mit Eigeninitiative und Kreativität Nachwuchswerbung betreiben kann. Hinzu kommt bei Kögel auch die Verankerung in der Region als Familienunternehmen. Die kommt offensichtlich bei den zukünftigen Fach- und Führungskräften sehr gut an."

Natürlich macht die fortschreitende Digitalisierung auch vor den Toren der Bauwirtschaft nicht Halt. Laut einer Studie der deutschen Industrie- und Handelskammer bejahen 93 % der Unternehmen, dass die Digitalisierung die Gesamtheit der Prozesse beeinflussen wird und in spezieller Weise auch die der Baubranche.

Erfolgreiche Beispiele dafür finden sich auch in der Riege der jetzt in Berlin geehrten top Arbeitgeber 2018. So arbeiten beim Baustoffhersteller Kemmlit aus dem badenwürttembergischen Dussligen die Mitarbeiter bereits regelmäßig in mehreren großen und kleineren Digitalisierungsprojekten in abteilungsübergreifenden Projektteams zusammen, um die Digitalisierung voranzutreiben. Die Gütersloher Unternehmensgruppe Hagedorn zeigt sich in der Nachwuchsfortbildung digital: Angehende Baumaschinenführer entwickeln ihre Fähigkeiten zunächst auf den eigens dafür gebauten Virtual Reality-Simulatoren bis hin zur Prüfungsreife.

Insgesamt haben knapp 9000 Mitarbeitende der Baubranche ihren Arbeitgebern ein gutes Zeugnis ausgestellt und damit bescheinigt, dass die 22 Unternehmen auf dem richtigen Weg sind. "Das ist ein sehr erfreuliches und deutliches Signal, welches zeigt, dass auch in prekären Branchen sehr gute Ergebnisse in Sachen Arbeitgeberattraktivität möglich sind", kommentiert Silke Masurat, Geschäftsführerin des Zentrums für Arbeitgeberattraktivität. Für die aktuelle Top Job-Auszeichnung haben sich über alle Branchen hinweg 120 mittelständische Firmen beworben. 85 Unternehmen dürfen nun für die nächsten zwei Jahre das Siegel tragen.

https://jobs-in-gruen-und-bau.de/index.php?id=123&tx_patzerboerse_paboeplugin[unterthemen]=323&no_cache=1

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 09/2018.

Anzeige

Weitere Artikel