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Staubminimierung

Aktionsbündnis zog Zwischenbilanz

Von Jan Westphal

Dr. Rüdiger Pipke (BAuA), Dr. Astrid Smola (BMAS), Norbert Kluger (BGBau) und BGBau-Pressesprecher Thomas Lucks (v. l.) informierten zur Staubproblematik.

Dortmund (ABZ). – Überall wo gemauert, gebaggert, gehobelt oder geschliffen wird, staubt es. Besonders intensiv beim Bau, aber auch bei anderen Gewerken. Staub stört, er macht krank und ist deshalb gefährlich. Mit dem Aktionsprogramm "Staubminimierung beim Bauen" arbeiten bundesweit 22 Bündnispartner dafür, dass staubarme Technologien und Produkte viel stärker zum Einsatz kommen. Bei der Veranstaltung "Staub war gestern", zogen die Partner des Bündnisses in der DASA Arbeitswelt in Dortmund Zwischenbilanz ihres 2016 gestarteten Aktionsprogramms und präsentierten den aktuellen Stand staubarmer Techniken. Bauunternehmer, Handwerker und Berufsschüler waren eingeladen und ließen sich informieren und sensibilisieren. Fachvorträge und Firmenpräsentationen rundeten die Veranstaltung ab.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und die Sozialpartner der Bauwirtschaft (Deutsches Baugewerbe/Deutsche Bauindustrie/IG Bau), die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) und weitere Partner sind in der Antistaub-Initiative. Ihr Ziel ist es über die Gefahren von Staub aufklären und staubarme Techniken bekannter zu machen.

"Die Etablierung von staubarmen Technologien am Bau steigert obendrein die Attraktivität der Bauberufe", betonte Norbert Kluger, Leiter der Abteilung Stoffliche Gefährdungen bei der BG Bau, auf der Pressekonferenz in Dortmund. Seit dem 1. Januar 2019 gelte ein abgesenkter Grenzwert für den A-Staub in allen Unternehmen.

Als A-Staub wird in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe der Masseanteil des Staubs bezeichnet, dessen Partikel so klein sind, dass sie beim Einatmen über die Atemwege aufgenommen werden und bis tief in die Alveolen und Bronchiolen der Lunge vordringen können. Das ist gefährlich.

Professionell arbeitende Firmen, die bereits wirksame staubarme Technologien einsetzen, hätten die Herausforderung im Griff. Seit einigen Jahren fördere die BG Bau finanziell die Beschaffung staubarmer Techniken und der Katalog der geförderten staubmindernden Technologien werde ständig erweitert.

Unternehmen, die sich offensiv auf "staubarmes Arbeiten" spezialisiert hätten, könnten sich vor Aufträgen kaum retten, erzählt Norbert Kluge. Gerne investiere der Kunde in den Mehraufwand zum Staubschutz. Denn er spare gleichzeitig z. B. das Freiräumen und die Abklebearbeiten.

So wirbt z. B. das münsterländische Unternehmen Bauwelt Jücker mit dem Slogan "Staubfrei umbauen". Auf der DASA Arbeitswelt zeigte es seine Innovationen.

Geschäftsführer Herbert Jücker: "Wir bieten optimalen Staubschutz beim Umbau des Eigenheims, egal ob ein Fenster vergrößert oder eine ganze Wand entfernt werden soll. Wir planen alles und erledigen die Arbeiten, bei Bedarf auch mit Einbau von Stahlträgern, innerhalb eines Tages, ohne dass Möbel ausgelagert werden müssen." Speziell konzipierte Absauganlagen verhindern, dass sich Geruch und Feinstaub im Haus verteilen. "Höchstmögliche Staubfreiheit erreichen wir durch den Einsatz modernster Technik und intelligenter Vorgehensweisen."

Sehr fragwürdig sei die oft auf dem Bau zu hörende Meinung, dass Staub unabdingbar zum Bauen dazugehöre. Und leider würden vermeidbare Belastungen für die Gesundheit nicht als solche wahrgenommen, beklagten die Experten. Im Schnitt 30 tödliche Berufserkrankungen pro Jahr registriere die Berufsgenossenschaft bei den toxischen Atemwegserkrankungen. Wie die BG Bau betont, seien eine Kombination von technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen der richtige Schritt.

Zum Basis-Schutz zur Staubminimierung zählten Bearbeitungsgeräte mit wirksamer Stauberfassung, Bau-Entstauber, Luftreiniger, Abschottungen bzw. Staubschutztüren und Befeuchtung. Eine solche Basisausrüstung für staubarmes Arbeiten gebe es bereits ab ca. 3000 Euro. Durch die derzeitige Förderung der BG Bau im Rahmen der Arbeitsschutzprämien würden sich die Kosten für das jeweilige Unternehmen deutlich reduzieren.

Die in Dortmund präsentierten Branchenlösungen für einzelne Gewerke, etwa für Maler, Estrichbau oder Abbrucharbeiten, zeigten konkret auf, was an den jeweiligen Arbeitsplätzen zu tun ist.

Ein neues E-Learning-Modul vermittelt die wesentlichen Grundlagen zum Thema Staub und Staubminimierung. Nobert Kluger: "Das E-Learning will den mehr als 500 000 Mitgliedsunternehmen mit rd. 2,8 Mio. Beschäftigten eine einfache und moderne Möglichkeit bieten, Basiswissen in diesem Themenfeld zu erwerben".

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 27/2019.

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