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Verna-Park

Rüsselsheimer Wohnquartier weist unverkennbare Reminiszenzen zum Umfeld auf

Als Reminiszenz an das Opel-Werksportal am Bahnhofsplatz betonen Torbögen die teils vorgelagerten Eingangsbereiche, in denen sich gemeinsam genutzte Abstellräume befinden.

Rüsselsheim (ABZ). – Traditionelle Industriestädte in attraktive Wohnorte umzuwandeln, stellt vielerorts eine Herausforderung dar. Unter dem Namen "Wohnen am Verna-Park" ist es in Rüsselsheim gelungen, ein innenstadtnahes Quartier fertigzustellen, das sich städtebaulich wie architektonisch behutsam in das Umfeld einfügt und außerdem bezahlbares Wohnen ermöglicht.

Der aus einem Wettbewerb hervorgegangene Entwurf des jungen Münchener Architekturbüros Baur & Latsch umfasst sieben Baukörper mit insgesamt 50 Ein- bis Vierzimmerwohnungen für Studierende, Pendler, Senioren und Familien. Das Fassadenmaterial aus weiß geschlämmten Klinkerriemchen lieferte Gima.

Kleinteilige Bebauung, Hofreiten, Torbögen und Klinker: Schon auf den ersten Blick werden vielfältige Bezüge des neuen Rüsselsheimer Wohnkomplexes zu den Besonderheiten des Standorts deutlich.

Das vom städtischen Wohnungsunternehmen beauftragte Bauprojekt zwischen Wald- und Frankfurter Straße ist in seiner Typologie bestimmt durch die Lage und das knapp 3200 m² große Grundstück. Maßstäblichkeit und Bauhöhe der sieben Gebäude orientieren sich an der umgebenden Bestandsbebauung und deren Anordnungen. Im städtebaulichen Konzept waren zudem eine Durchwegung sowie gemeinschaftlich genutzte Innenhöfe vorgesehen. Den im Jahr 2016 ausgerufenen Wettbewerb konnten Baur & Latsch Architekten für sich entscheiden.

Eine Idee ihres Entwurfs greift die Zeit auf, in der das Gebiet vorwiegend landwirtschaftlich genutzt wurde und zur Straßenseite geschlossene Grundstücke, sogenannte Hofreiten das damalige Ortsbild bestimmten. Ummauerte Innenhöfe und die aufgelockerte, maximal dreistöckige Bebauung wurden beibehalten, gleichzeitig ein dichter Wohnmix als Ziel einer verträglichen Nachverdichtung sichergestellt.

"Eine weitere Reminiszenz an vergangene Zeiten", so der Architekt Martin Baur, "setzten wir bei der Gestaltung der zum Teil vorgelagerten Hauseingangsbereiche. Inspiration hierfür lieferten uns die eindrucksvollen Torbögen des Hauptportals zum ehemaligen Werksgelände des Automobilherstellers Opel in der Marktstraße."

Seit 1862 in Rüsselsheim ansässig, beeinflusste das Unternehmen und der ehemals größte Arbeitgeber die Stadtentwicklung maßgeblich. So auch das Gebiet rund um das neue "Wohnen am Verna-Park", wo um die Jahrhundertwende die erste Werksarbeitersiedlung entstand und dort den einst landwirtschaftlichen Charakter verdrängte. Eine wesentliche gestalterische Wirkung kommt der Klinkerfassade an sechs der sieben Gebäude zu.

Angelehnt an die damalige Bauweise greifen Baur & Latsch Architekten den traditionellen Baustoff als zentralen Bezugspunkt auf, interpretieren ihn jedoch neu. Im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands ist der regionaltypische Klinker des Rhein-Main-Gebiets überwiegend hell mit gelblich-grünem Farbstich. Da die Ton- beziehungsweise Lehmlagerstätten mittlerweile stillliegen, fanden die Planer adäquaten Ersatz bei Gima im niederbayrischen Marklkofen. "In enger Abstimmung konnten wir den gewünschten Farbton entwickeln. Hierfür wurde der Stein Elmo FK durch unregelmäßig, eingebrannte weiße Schlämme ganz nach unseren Vorstellungen modifiziert", hebt Martin Baur hervor.

Ganz entscheidend für das Farbspiel ist der Orginal-Kohlebrand. Das nachträgliche Einbrandverfahren stellt sicher, dass die Schlämme und das Klinkermaterial fest miteinander verbunden sind. Die hohe Flexibilität von Gima zeigt sich auch in der Herstellung der Klinker-Winkelriemchen, die in fest definierten Winkeln im Sonderformat 115-240 x 15 x 71 mm in einem Stück direkt im Werk produziert wurden.

Auf der Baustelle vor Ort wurden die Riemchen anschließend im Buttering-Floating-Verfahren auf den Kalksandstein-Außenwänden im wilden Verband befestigt. Optimale bauphysikalische Eigenschaften wie Schutz vor Abrieb, Frost, Salz- oder Säureeinwirkung sowie Anhaftungen von Schmutz sprechen außerdem für die hohe Qualität und Nachhaltigkeit der Klinkerfassade.

Hohe Lebensqualität ist im neuen Wohnkomplex nicht nur durch die unmittelbare Nähe zum gartenbaulichen Kleinod Verna-Park – benannt nach der Mäzenin Wilhelmine von Verna, gegeben. Allen Bewohnern stehen darüber hinaus auch gemeinschaftliche Grünflächen im Innenhof sowie eigene Balkone, Loggien und Terrassen zur Verfügung. Eine vorgestellte Holzkonstruktion schafft den hierfür notwendigen Raum und zitiert dabei auf besondere Weise die ehemaligen Hofreiten des Viertels.

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