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"Wellblechpalast" saniert

Bahnhof Halberstadt erstrahlt in neuem Glanz

Wienerberger, Baustoffe, Mauerwerksbau, Modernisierung und Sanierung

An das Original heranreichende Farbtöne und funktionale Vorteile wie hohe Steinfestigkeit und niedrige Wartungskosten überzeugten bei den glatten Strangpressziegeln Heide rot nuanciert und Märkisch gelb nuanciert aus dem Programm der Terca-Fassadenlösungen. Ein Gremium aus Bahnexperten kürte das Halberstädter Gebäude 2011 zum Bahnhof des Jahres in der Kategorie Kleinstadt.

Halberstadt (ABZ). – Vom "Wellblechpalast" zum Bahnhof des Jahres: Das Bahnhofsgebäude in Halberstadt/Sachsen-Anhalt ist ein Beispiel für außergewöhnliche denkmalgerechte Sanierung. Die Aufwertung von Bahnhöfen liegt seit einigen Jahren im Trend, um neben mehr Funktionalität auch Komfort zu bieten. Reisende können so einen Moment innehalten.

Gerade in kleinen Städten ist der Bahnhof außerdem Treffpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Nach dem Rückbau der Wellblechfassade präsentierte sich hier eine fast monumental anmutende Klinkerarchitektur in Vollmauerwerk. Aus Kostengründen gingen die Denkmalschützer interessante Kompromisse bei der Wiederherstellung von Schmuckbändern aus Klinkern und der Kombination mit modernen Fassadenmaterialien ein.

1868 errichtet, entwickelte sich der Halberstädter Bahnhof schnell zum Verkehrsknotenpunkt. Wie alle wichtigen Bauten in den Städten war er zu dieser Zeit in Klinkerarchitektur errichtet worden – das Vollmauerwerk ist 36,5 bis 62,5 cm stark. Zum Einsatz kamen die typischen Klinker im Reichsformat. Schon damals schätzten die Auftraggeber Haltbarkeit, Wertbeständigkeit und Wartungsarmut von gebranntem Ton. Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile des Bauwerks zerstört. Ein Provisorium Ende der 60er-Jahre brachte dem Objekt den Beinamen "Wellblechpalast" ein. 2007 kaufte die Stadt das Empfangsgebäude von der Deutschen Bahn und ließ es für rund 8,5 Mio. Euro umfangreich sanieren. Im April 2009 begannen die Arbeiten mit der vollständigen Entkernung. Im Zuge des Rückbaus wurden die Innenwände entfernt und eine neue Tragwerkskonstruktion mit geschalten Betonbewehrungen für Stützen und Unterzüge errichtet. Lediglich Teile der Außenmauern blieben stehen. Der Bahnhofsbetrieb blieb über die gesamte Dauer aufrecht erhalten – zum einen eine infrastrukturell notwendige Maßnahme, zum anderen sollten Fahrgäste und Bürger der Stadt den Fortschritt sehen sowie erleben. Nach Fertigstellung wurde das Empfangsgebäude 2011 von der Allianz pro Schiene als Bahnhof des Jahres in der Kategorie Kleinstadt ausgezeichnet.

Die Architekten, eine Arbeitsgemeinschaft aus dem IBL Ingenieurbüro Lambrecht, Magdeburg, und dem Architekturbüro Heinz + Jörg Gardzella, Groß Quenstedt, zeichneten sich durch sensiblen Umgang mit dem Bestand aus und haben durch verschiedene Anbauten und Aufstockungen zunächst das Gebäudevolumen ausgeglichen. Dadurch wurden auch Büroräume geschaffen, die der Projektsteuerer der Sanierung, Herbst Plan-Consult aus Halberstadt, selbst bezog. Durch viele Um- und Anbauten war das Gebäude im Laufe der Zeit ständig verändert worden. Deshalb orientierten sich Planer und Ausführende, in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalschutz, am ursprünglichen Entwurf im Stil der Gründerzeit. Ein Grundsatz war jedoch, alte und neue Elemente so zu kombinieren, dass sie ein harmonisches Ganzes ergeben und beim näheren Hinschauen dennoch ersichtlich wird, wo erneuert wurde. Die Sanierung sollte also nicht historisieren, sondern die umfassenden Veränderungen aus der bewegten Geschichte feinfühlig spiegeln und zu einem identitätsstiftenden Gesamtbild vereinen. Diesem Konzept entsprechend hebt sich an der Rück- und Ostseite deutlich ein moderner Anbau mit einer Fassade aus grauen Faserzementplatten ab und erinnert so an die zerstörten Bereiche. Großflächige Teile der daneben liegenden Außenfront wurden nach der Reparatur verputzt und bekamen einen roten Anstrich. Die Verankerungen der Wellblechfassade hatten hier den Klinker zu stark beschädigt. Im Dachgeschoss wurden Brüstungen und Pfeiler neu aufgebaut sowie Schmuckbänder saniert.

Um in den rekonstruierbaren Bereichen so viel alte Substanz wie nur möglich zu erhalten, entschieden sich die Planer für den aufwendigen Austausch einzelner Steine. Der erste Schritt war eine professionelle Reinigung und Katalogisierung der Fassade. Dann folgten umfangreiche Beratung und Bemusterung durch Experten von Wienerberger – einschließlich des Fugenmörtels. Dem Gestaltungskonzept entsprechend wählten Denkmalschützer und Planer die Klinker Märkisch gelb nuanciert und Heide rot nuanciert aus dem Terca-Fassadenprogramm von Wienerberger aus. Die glatten Strangpressziegel kamen jeweils als 7-Schlitz- und Vollziegel zum Einsatz. An den Türlaibungen wurde mit einem speziellen Formstein RF KMZ 28-2,0 Heide rot nuanciert glatt 45°/6 cm ein farblich passendes Ergänzungsprodukt als Vollziegel vermauert. In Detailarbeit wurden einzelne Ziegel ausgestemmt, durch neue ersetzt und mit abgestimmtem Mörtel vermauert. Aus Kostengründen wurden die aufwendigen Schmuckbänder teilweise vereinfacht erneuert oder anspruchsvolle Sägezahnbänder durch ein zurückgesetztes Zierband weitergeführt. Insgesamt verarbeiteten die Sanierungsexperten der Werkstätten für Denkmalpflege GmbH, Quedlinburg, etwa 46 000 Steine – teils im Block- und teils im Wilden Verband.

Fassadenklinker verleihen einem Gebäude besonderen Charakter – und sie sind dauerhaft. Schon vor 150 Jahren wusste man um diese langlebige und repräsentative Bauweise und hat wichtige Gebäude wie Kirchen, Gymnasien, Postämter oder Gefängnisse deshalb so errichtet. Bei der Sanierung des Halberstädter Bahnhofs setzte man bewusst auf die "Begegnung" alter und neuer Fassadenbereiche in Klinker, um die 145-jährige Geschichte des Gebäudes zu betonen und den Charme vergangener Zeiten wirken zu lassen.

Optisch und funktional ist der Bahnhof im 21. Jahrhundert angekommen. Mit der Auszeichnung durch die Allianz pro Schiene wurden die behutsame Sanierung und die Anpassung an Erfordernisse der heutigen Zeit wie Barrierefreiheit oder einladende kleine Geschäfte öffentlich gewürdigt. Terca-Fassadenklinker leisten hier nicht nur dauerhaft einen wesentlichen Beitrag für den Gesamteindruck, sie sorgen in den nächsten Jahrzehnten für niedrige Wartungskosten in diesem stark frequentierten Gebäude.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 19/2016.

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