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49. VDBUM-Seminar

"Die Zeit des Arbeitens ist jetzt da"

Diskutierten über den Status Quo der Vernetzung und Digitalisierung am Bau und in der Baumaschinentechnik (v. l.): Prof. Dr. Frank Will (Technische Universität Dresden), Rainer Bomba (Staatssekretär a. D.), Joachim Schmid (Geschäftsführer Fachverband Baumaschinen und Baustoffanlagen im VDMA), Nick Lisson (Moderator), Peter Guttenberger (VDBUM-Präsident), Frank Limprecht (DB Netz AG) und Josef Andritzky (Frank Kassecker GmbH).

Willingen (rb). – "Ideen von Heute schaffen Lösungen von Morgen!" - Unter diesem Motto fand kürzlich das 49. VDBUM-Seminar im Sauerland Stern-Hotel in Willingen statt. Rund 1200 Teilnehmer waren in diesem Jahr der Einladung zum Branchentreff gefolgt, auf dem sich einmal mehr viele Diskussionen um die Themen Vernetzung und Digitalisierung drehten.

Auch im 49. Jahr kann der Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik (VDBUM) auf ein erfolgreiches Großseminar zurückblicken. Trotz der unbeabsichtigten und von den Veranstaltern bedauerten Überschneidung mit den Deutschen Asphalttagen in Berchtesgaden konnte der Verband mit rund 1200 Teilnehmern erneut ein reges Besucherinteresse verzeichnen.

Digitalisierung im Blick

Das mag auch den Schwerpunktthemen geschuldet sein, mit denen die Veranstaltung einmal mehr hochaktuelle Branchenentwicklungen aufgegriffen hatte. Im VDBUM-Talk, der zentralen Podiumsdiskussion auf dem VDBUM-Seminar, und in den zahlreichen Vorträgen drehte sich in diesem Jahr alles um die Themen innerstädtischer Kompaktbau, Bahnbau, Rückbau und Aufbereitung sowie die allgegenwärtige Digitalisierung in der Baubranche. Letztere stand als derzeit branchenbeherrschendes Thema erneut im Mittelpunkt fast aller Diskussionen und Vorträge in Willingen.

Auch Peter Guttenberger, Präsident des VDBUM, ging in seiner Begrüßungsansprache auf das hohe Potenzial der Digitalisierung bei der Beseitigung der vorherrschenden Flaschenhälse im Planungs- und Bauprozess ein. Gleichsam mahnte er, den Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren: "Bits und Bytes drehen sich nicht, übertragen keine Kräfte, isolieren und wärmen nicht. Um positiv wirken zu können, brauchen sie eine Basis zum Aufsatteln", erklärte Guttenberger. "Gute Lösungen für Morgen werden das gemeinsame Ergebnis aus wissenschaftlicher Forschung, exzellentem Ingenieurwissen, handwerklicher Professionalität und informationstechnologischer Unterstützung sein."

Wie in den Vorjahren fand ein dreizügig gegliedertes Seminarprogramm mit rund 50 Vorträgen fachkundiger Referenten statt. Ein Drittel der Vorträge beschäftigte sich mit digitalen Prozessen, wobei dieses Thema auch in den anderen Vortragsblöcken - innerstädtischer Kompaktbau, Rückbau und Aufbereitung sowie Bahnbau - allgegenwärtig war.

Als diesjähriger Gastredner hatte der VDBUM den CDU-Politiker Rainer Bomba geladen. Als ehemaliger Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium warf er einen kritischen Blick auf die derzeitige Verzahnung zwischen Bauwirtschaft und Politik. Unter anderem mahnte er an, die Trennung zwischen Bau- und Verkehrsministerium wieder aufzuheben, um dem so wichtigen Wirtschaftszweig wieder eine einheitliche Vertretung in der Bundesrepublik zu geben. Kritisch sieht er auch das Festhalten an der "schwarzen Null" seitens der Bundesregierung. "Nach Jahrzehnten der Sparsamkeit sollte man dann investieren, wenn das Geld billig ist. Das ist es jetzt", so Bomba. Darüber hinaus sprach er sich für eine Planungsbeschleunigung aus, mahnte zu einem flächenwirksamen Breitbandausbau und kritisierte die Überregulierung am Bau, vor allem in Bezug auf Umweltschutzthemen.

Vernetzung

Bomba nahm auch am VDBUM-Talk am ersten Seminartag teil und diskutierte mit Joachim Schmid (Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Bau- und Baustoffmaschinen), Prof. Dr. Frank Will (TU Dresden), VDBUM-Präsident Peter Guttenberger, Frank Limprecht (DB Netz AG) und VDBUM-Vorstand Josef Andritzky, Geschäftsführer der Kassecker GmbH, über Erfolge und aktuelle Stolpersteine auf dem Weg zur Digitalisierung der Baubranche. Das übergeordnete Thema war die ganzheitliche Vernetzung", die der VDBUM als Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Digitalisierung in der Praxis versteht. Prof. Will berichtete von der vollständig vernetzten Modell-Baustelle, die derzeit in Sachsen errichtet wird. Ziel des Projekts ist herauszufinden, welche digitalen Prozesse möglich sind und an welchen Stellen es noch Forschungsbedarf gibt. Die Bahn strebt die vollständige Vernetzung in zehn Jahren an, erklärte Limprecht. Seit 2020 werden alle Großprojekte mit Building Information Modeling (BIM) durchgeplant "Über Kollisionsprüfungen können wir frühzeitig sehen, wo es Probleme geben kann", so Limprecht weiter. Mit der Möglichkeit, Bauprojekte mittels BIM-Software anschaulich zu visualisieren, habe sich das Verfahren zudem als guter Weg erwiesen, Bürger frühzeitig einzubeziehen und Ängste abzubauen.

Andritzky hob hervor, wie wichtig es ist, diejenigen Mitarbeiter zu finden, die bereit sind, die Digitalisierung des Unternehmens vorantreiben. Damit sprach er ein Thema an, das in vielen Vorträgen an den drei Seminartagen thematisiert wurde, nämlich die Belegschaft einzubinden und ihr die Angst vor digitalen Prozessen zu nehmen.

Nicht kompatible Schnittstellen in der Baumaschinentechnik stellen ein großes Hemmnis auf dem Weg zur smarten Baustelle dar. Im Gespräch zwischen Joachim Schmid und Peter Guttenberger wurden die unterschiedlichen Positionen von Anwendern und Herstellern ausgetauscht. Guttenberger wünscht sich, dass alle am Bauprozess Beteiligten die gleiche Sprache sprechen. Das müsse auch für Baumaschinen gelten – herstellerübergreifend. Unter anderem mit der Entwicklung der ISO-Norm für die Telematik durch den VDBUM oder mit dem Arbeitskreis MiC 4.0, in dem sich der VDMA und seine Mitglieder intensiv mit dem Thema Maschinendaten auseinandersetzen, seien bereits wichtige Schritte auf dem Weg zur Vernetzung getan. Künftig wollen die beiden Verbände noch enger zusammenarbeiten. "Wir haben die Sprache entwickelt, nun muss die Grammatik formuliert werden", so Guttenberger. Letztlich bestehe Einigkeit darin, dass an der Erstellung einer gemeinsamen Plattform kein Weg vorbeiführt. "Wir ziehen an einem Strang", unterstrich Schmid und berichtete, dass bei den Herstellern ein breiter Konsens erreicht worden ist. Jetzt sei die "Zeit des Arbeitens" gekommen.

Diese wichtige Thematik durchzog auch die zweite Gesprächsrunde, in der sich Peter Guttenberger das Podium mit Toni Kiesel (Kiesel GmbH), Rudolf Arnold (Liebherr Hydraulikbagger) sowie Axel Fischer (Wacker Neuson) teilte. Fischer erklärte, dass Hersteller, die nur auf die Vernetzung eigener Maschinen setzten, auf Dauer nicht am Markt bestehen könnten. Dass es bereits Lösungsansätze gibt, zeigte Arnold anhand des adaptiven Bedienkonzepts Intusi von Liebherr auf, das sowohl mit dem Fahrer kommuniziert als sich auch mit den anderen Maschinen und Systemen der digitalen Baustelle vernetzen kann. "Wie aber bekommen wir die Baustelle 5G-vernetzt", fragte Kiesel.

Die Preisträger des diesjährigen VDBUM Förderpreises (v. l.): Dirk Bennje, Prof. Jan Scholten (beide VDBUM-Vorstand), Dr. Florian Schill (TU Darmstadt), Andreas Amroth (Prokurist der Züblin Timber GmbH), Geschäftsführer Stefan Pfetsch und Produktmanagement-Leiter Thomas Sauermann (beide Wacker Neuson Produktion GmbH & Co. KG) sowie VDBUM-Präsident Peter Guttenberger.

Es müsse deutlich mehr Druck auf die Politik ausgeübt werden, damit der Baubranche die benötigte Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird. Die Hersteller forderte Kiesel auf, sich der Vernetzung zu öffnen, statt nur darüber zu reden. "Mit Diskussionen kommen wir nicht weiter", erklärte er. "Der Kunde kommt zu uns und sagt: 'Macht endlich was!' Wir müssen Lösungen liefern und die Komplexität für den Bediener reduzieren."

Umfangreiches Programm

Wie in den Vorjahren fand ein dreizügig gegliedertes Seminarprogramm mit rund 50 Vorträgen fachkundiger Referenten statt. Ein Drittel der Vorträge beschäftigte sich mit digitalen Prozessen, wobei dieses Thema auch in den anderen Vortragsblöcken – innerstädtischer Kompaktbau, Rückbau und Aufbereitung sowie Bahnbau – allgegenwärtig war. In der begleitenden Fachausstellung, an der wieder mehr als 100 Unternehmen und Hochschulen im Tagungshotel und im Freigelände teilnahmen, konnten die in den Vorträgen gewonnenen Erkenntnisse zu neuen Produkten, Verfahren oder Dienstleistungen vertieft werden. Der VDBUM selbst informierte dort über seine vielfältigen Serviceleistungen für die Mitglieder wie das Web-Training oder sonstige Weiterbildungsangebote.

Zum mittlerweile sechsten Mal lud der Verband im Rahmen seines Patenschaftsprogramms Nachwuchskräfte zur Teilnahme am Großseminar ein. 14 Firmen ermöglichten den 39 Teilnehmern den kostenlosen Besuch. Der Kreis der Teilnehmer war gegenüber der Vorjahresausgabe deutlich gesenkt worden, um die beste Betreuung der Studenten und Meisterschüler sicherstellen. Dass die Idee der Patenschaften nachhaltig wirkt, zeigte sich daran, dass einer der früheren Teilnehmer ein zweites Mal zum Seminar kam – diesmal allerdings als Fachreferent. Premiere feierte eine weitere Nachwuchsinitiative, die der VDBUM gemeinsam mit der TU München ins Leben gerufen hatte. Dabei hatten junge Start-Up-Firmen die Chance, sich auf dem Seminar zu präsentieren.

Die Vortragspausen und die drei Abendveranstaltungen wurden von den Veranstaltungsteilnehmern wieder einmal gern zum Vernetzen genutzt. Seit jeher kommen Anwender, Vermieter, Händler und Hersteller beim Großseminar zum fachlichen und persönlichen Austausch zusammen.

Am zweiten Abend wurde der VDBUM-Förderpreis in den Kategorien "Innovationen aus der Praxis", "Entwicklungen aus der Industrie" und "Projekte aus Hochschulen und Universitäten" vergeben. Durch den mit je 2500 Euro dotierten Preis hat der Verband bereits zum achten Mal Innovationen gewürdigt, die den Fortschritt der Baubranche vorantreiben.

Zu den diesjährigen Preisträgern gehört die Züblin Timber GmbH für ihre Freiformschalung aus Holz, die unter anderem für die Kelchstützen des im Bau befindlichen Hauptbahnhofs in Suttgart zum Einsatz kam. Die Wacker Neuson Produktion GmbH & Co. KG wurde für die Entwicklung eines batteriebetriebenen Innenrüttlers mit rückentragbarem Akku-Pack ausgezeichnet. Ein weiterer Preis ging an die Technische Universität Darmstadt für die Entwicklung eines Laser-Mess-Systems zur unkomplizierten Brückeninspektion vom Boden aus.

Zum Abschluss des 49. Großseminars zeigte sich VDBUM-Präsident Peter Guttenberger hochzufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung und dem positiven Feedback, das er und seine Vorstandskollegen von Anwendern, Herstellern und den Ausstellern erhalten haben. "Es ist eine große Herausforderung, diese Veranstaltung im kommenden Jahr zu übertreffen. Wir haben aber schon einige Ideen, um das Seminar im 50. Jahr des Bestehens unseres Verbandes zu einem ganz besonderen Event machen", verspricht Guttenberger. Das VDBUM-Seminar 2021 findet vom 23. bis 26. Februar in Willingen statt.

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