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Anbohren, aufsprengen und wegbeißen

Atombunker wird zurückgebaut

Für den Rückbau des Bunkers ist Hagedorn mit schwerem Gerät angerückt.

Hanau (ABZ). – Kein Licht, kein Geräusch, kein Handyempfang. Tief im Innern des Hanauer Bunkers fühlt es sich beklemmend an. Durch 2 m dicke Decken und Wände ist die Außenwelt zuverlässig abgeschirmt. Genau aus diesem Grund wurden in dem gewaltigen Bauwerk in Hanau plutoniumhaltige Brennelemente und zeitweise auch Kernbrennstoffe gelagert. "Hier hätte ein Flugzeug drauffallen können, es wäre nichts passiert. Jetzt zeigen wir, dass etwas passiert", sagt Projektleiter Markus Heimeroth entschlossen. Hagedorn ist mit dem aufwendigen Abbruch, der Schadstoffsanierung und der Entsorgung des ungenutzten Bunkers beauftragt. Anfang der 80er-Jahre war der Spaltstoffbunker auf dem Gelände der ehemaligen Produktionsanlage für Mischoxid-Brennelemente eingerichtet worden. U. a. lagerten hier Kernbrennstoffe für Atomkraftwerke. An Stelle des mächtigen Klotzes, um den sich mittlerweile der Industriepark Wolfgang angesiedelt hat, wird nun eine Multi-User-Immobilie mit Logistik- und Gewerbefläche entstehen.

Bevor das Grundstück jedoch baureif sein wird, muss erst mal das Abbruch-Team von Hagedorn ran. Aber wie rückt man so einem Koloss aus Beton und Stahl zu Leibe? "Aufgrund der Massigkeit starten wir mit Lockerungssprengungen. Hier arbeiten wir Hand in Hand mit den Profis von Deutsche Sprengunion", erklärt Heimeroth. Eine mühsame Arbeit, denn die Bohrungen für den Sprengstoff werden mittels mehrerer 12 t Großbohrgeräte vom 3500 m² großen Dach aus eingebracht.

Die Bewehrungeisen, Ø 28 mm, liegen in mehreren Ebenen, in einem Raster von gerade einmal 10 cm auseinander. Das heißt, Decke und Wände müssen in einem präzisen Feld von jeweils 70 x 70 cm und einer Tiefe von 1,4 m bzw. 4,5 m aufgebohrt werden. Ist die Lockerungssprengung erfolgt und das Gefüge des Betons zerstört, kann die Abbruchschere angreifen. "Das Bohren wird rd. zwölf Wochen dauern. Diese Zeit nutzen wir, um die angrenzenden Gebäude (ebenfalls massiver Stahlbeton) zurückzubauen", erklärt Polier Thorsten Ullrich. Das wichtigste für den zügigen Fortschritt der knallharten Aufgabe: eine perfekte Zeitplanung, die den Wechsel zwischen Sprengung und maschinellem Rückbau optimal berücksichtigt.

Auch sonst ist Spezialwissen gefragt: Ein hoher Grundwasserstand von ca. 1,4 m unter Geländeoberkante sorgt bei den Rückbau- und Sprengarbeiten für eine erhöhte Schallübertragung. Damit es für die angrenzende Produktion bei der Firma BVS, die hochsensible, elektronische Baugruppen herstellt, nicht problematisch wird, messen die Experten beständig die Erschütterungen mittels zweier Messgeräte. Das Team um Polier Ullrich hat alles im Griff. Die Männer arbeiten sich die nächsten Monate mit ihren maschinellen Leicht- und Schwergewichten professionell durch Stahl und Beton. 90 000 t Bauschutt entstehen. Direkt recycelt kommt er vor Ort wieder zum Einsatz. Zu guter Letzt sorgen die Hagedorn Profis noch für fragile Feinarbeit. Zusammen mit einem baubiologischen Fachmann wird ein Zauneidechsenhabitat erstellt – eine Auflage der Umweltbehörde. "Auch das erledigen wir gerne. Der Kunde muss sich um fast nichts kümmern", fasst Heimeroth zusammen.

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Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 26/2019.

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