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Arbeiten mit Flüssigboden voranbringen

BQF verleiht Qualitätszeichen im Bereich Bodenaufbereitung

Clausing Tiefbau ist seit vergangenem Jahr in Besitz des BQF-Qualitätszeichens. Geschäftsführer Christian Staub (l.) und sein Stellvertreter Stephan Lemke präsentieren die Urkunde.

Kirchhardt/Osnabrück (ABZ). – Im Bereich der Bodenaufbereitung zählt der Flüssigboden noch zu einem der neueren Produkte. Aufgrund der immer knapper werdenden Deponiekapazitäten in Deutschland, der hohen Anforderungen an die Regelungen der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) sowie der vertraglich immer stärker geforderten Einhaltung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes und der voraussichtlich bald in Kraft tretenden Mantelverordnung, rückt das Thema Bodenaufbereitung für viele Unternehmen aus der Branche vermehrt in den Fokus – und somit auch die Flüssigbodentechnologie.

Um diesen bisher noch nicht genormten Baustoff mit einer transparenten und zielgerichteten Qualitätssicherung am Markt zu platzieren, hat sich die Bundesqualitätsgemeinschaft Flüssigböden e. V. (BQF) das Ziel gesetzt, Richtlinien für diese Qualitätssicherung zu definieren und deren Umsetzung in der Praxis sicherzustellen. Im Zuge dessen hat die BQF jeweils ein Qualitätszeichen an die Erdbau Kuhn GmbH & Co. KG aus Kirchhardt sowie an die Clausing GmbH Tiefbau aus Osnabrück verliehen.

Das im Großraum Heilbronn ansässige Unternehmen Erdbau Kuhn ist seit mehr als 40 Jahren unter anderem in den Bereichen Erdbau, Baustoffrecycling und Altlastensanierung tätig. Anfang 2019 entschied sich Geschäftsführer Uwe Kuhn zur Investition in eine mobile Dosieranlage, um Flüssigboden herzustellen. "Auf vielen Baustellen reicht einfach der Platz nicht aus, um Aushub in größeren Mengen zu lagern", erläutert Kuhn. "Deshalb haben wir jahrelang Erdreich von Baustellen wegtransportiert, an anderer Stelle zwischengelagert, später dort oder an anderer Stelle wieder eingebracht oder auf Deponien gefahren", erinnert er sich. "Mit unserer neuen mobilen Dosieranlage sind wir in der Lage, den Aushub vor Ort als Flüssigboden aufzubereiten. Das Material muss dann nicht mehr zwischengelagert oder auf eine Deponie gebracht werden, sondern wird an Ort und Stelle eingebaut."

Ein weiterer Vorteil von Flüssigböden ergebe sich aus seinen Eigenschaften: Durch die temporäre Fließfähigkeit und die hervorragende Selbstverdichtung böten Flüssigböden eine wirtschaftliche und sichere Alternative zur konventionellen Ver- oder Hinterfüllung von Gruben, Gräben oder Schächten mit Füllboden, so die Verantwortlichen.

Dazu erklärt Kuhn: "Das Material ist zudem setzungsfrei, denn es verdichtet im Gegenteil zu Schotter sehr kompakt. Deshalb kann ich mir beim Einsatz von Flüssigböden eine Nachverdichtung sparen. Gerade im Kanalbau bietet das einen großen Vorteil, da Rohre so nicht durch eine Verdichtung beschädigt werden. Der Einsatz von Flüssigböden bietet auch den Vorteil, dass Arbeitsräume viel kleiner ausfallen können als bei herkömmlicher Bauweise, denn der Platzbedarf für größeres Verdichtungsgerät ist nicht gegeben."

Mit dem Start der Produktion von Flüssigboden im vergangenen Jahr fiel auch die Entscheidung für eine Mitgliedschaft in der BQF. "Für eine erfolgreiche Vermarktung dieses noch recht neuen ungenormten Produktes war es für uns wichtig, einen Produktstandard zu definieren. Diesen haben wir durch das BQF-Qualitätszeichen erhalten", so Kuhn.

Geologe Daniel Zentler, der für Erdbau Kuhn tätig ist, erläutert das Zertifizierungsprozedere: "Zunächst muss gewährleistet sein, dass durch eine anerkannte Prüfstelle für jede Baustelle eine Eignungsprüfung des Bodens zur Herstellung von Flüssigboden erfolgt. Grundlage für die Qualitätssicherung bei der Herstellung von Flüssigböden ist eine sogenannte Werkseigene Produktionskontrolle (WPK). Rahmenbedingungen dafür gibt das Hinweisblatt H ZFSV der FGSV vor. Diese Bedingungen sollten beispielsweise in einer Werksnorm nachvollziehbar und praktikabel festgelegt sowie innerhalb der Flüssigbodenherstellung konsequent umgesetzt und dokumentiert werden", empfiehlt der Geologe. "Ebenso ist eine Fremdüberwachung vorgesehen.

Diese erfolgt durch anerkannte RAP-Stra-Prüfstellen, die mit den Anforderungen an und den Prüfbedingungen für Flüssigböden vertraut sind." Im Rahmen der regelmäßigen Fremdüberwachung werden die WPK des Herstellers bewertet sowie Proben aus der Flüssigbodenherstellung entnommen und geprüft. Treten Abweichungen auf, werden diese aufgezeigt, bewertet und die entsprechende Abstellung kontrolliert. Darüber hinaus werde eine erfolgreiche Teilnahme an einem BQF-Fachkundelehrgang vorausgesetzt.

Auch die Clausing GmbH aus Osnabrück hat das Aufnahmeprozedere gemeistert und besitzt nun ein BQF-Qualitätszeichen.

Geschäftsführer Christian Staub erläutert seine Beweggründe zu diesem Schritt: "Aufgrund zunehmender Deponieverknappung werden die Wege, auf denen wir Aushubboden transportieren müssen, immer länger. Mit dem Einstieg in das Segment Flüssigboden Mitte 2018 wollten wir einen neuen Weg einschlagen, um zukünftig ressourcenschonender arbeiten zu können." Die Flüssigböden des Unternehmens kommen vor allem in den Bereichen Kanal- und Rohrleitungsbau, Kabelbau, allgemeiner Tiefbau und bei der Immobilisierung von Schadstoffen zum Einsatz.

Nach langfristigen Sieb- und Aufbereitungsversuchen, die unter Begleitung eines Bodengutachters durchgeführt wurden, ergeben sich nun viele Möglichkeiten für unterschiedliche Anwendungsbereiche. Dadurch kann das Unternehmen jetzt speziell abgestimmte Flüssigbodenrezepturen erstellen. "So können wir sehr individuell auf Kundenwünsche eingehen", betont Staub. Der Vorteil des Flüssigbodenverfahrens liege darin, dass es bei vielen Maßnahmen einen schnelleren Baufortschritt ermögliche und zudem eine körperliche Entlastung des Baupersonals bedeute.

Auch Staub-, Lärm- und Schadstoffemissionen würden vermieden. "Der Knackpunkt besteht aber vor allem darin, dass im Sinne des Kreislaufwirtschaftsgesetzes endliche Ressourcen durch den Einsatz von regionalen Aushubböden und Recyclingbaustoffen gespart werden", stellt der Clausing-Geschäftsführer heraus.

Welche Vorteile das BQF-Qualitätszeichen für das Osnabrücker Unternehmen mit seinen rund 100 Mitarbeitern bietet, schildert der stellvertretende Geschäftsführer Stephan Lemke:

"Zum Einen hat das Qualitätszeichen eine wichtige Bedeutung, um in Ausschreibungen berücksichtigt zu werden. Neben der rechtlichen Rückendeckung, die es uns bietet, nutzen wir es natürlich auch als Werbeträger. Damit erleichtert es uns den Zugang zu Flüssigbodenaufträgen. Zum Anderen vereinfacht eine lückenlose Qualitätssicherung die Bearbeitung von Reklamationen." Sebastian Geruschka, Geschäftsführer der BQF, fügt hinzu: "Flüssigboden ist ein innovativer und nachhaltiger Baustoff mit noch viel Potential. In letzter Zeit kommen immer mehr Anbieter auf den Markt. Umso wichtiger ist daher ein Qualitätsstandard, den wir unseren Mitgliedern und damit auch den Bauherren mit dem BQF-Qualitätszeichen bieten. Das Interesse daran ist sehr hoch, denn es schafft Vertrauen bei Bauherren, Planern und Verarbeitern und unterstützt damit die Akzeptanz und Verbreitung der Flüssigbodentechnologie."

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Allgemeine Bauzeitung 43/2020.

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