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Baustoff Lehm

Neue Wege bei der Altbausanierung

Von Sven Eulenstein

Blick auf die Baustelle: Eine Lehmplatte wird angebracht.

Waldsassen. – Sanierung und Modernisierung von Altbauten, ob denkmalgeschützt oder nicht, stellen häufig besondere Anforderungen an Bauplanung, Ausführung und Materialauswahl. Es gilt, verschiedene Aspekte miteinander in Einklang zu bringen. Neben den erhaltenden Baumaßnahmen und der Berücksichtigung eventueller Denkmalschutzvorschriften müssen Architekten zwecks Werterhalt und Wertsteigerung eine langfristige Nutzung des Hauses sowie die Einhaltung aktueller Standards in Bauphysik und Umwelt im Blick haben. Das hat Auswirkungen auf die Wahl der Baumaterialien. Wichtige Stichworte für den Innenbereich des Althauses sind hier unter anderem Naturnähe, Luftfeuchte und Raumklima, Wärmeisolierung, Schallschutz, Statik und Recyclingfähigkeit.

Um die historische Gebäudesubstanz nachhaltig zu schützen, empfiehlt sich bei der Sanierung der Einsatz feuchteregulierender Wandmaterialien, beispielsweise Lehmplatten. Sie sind seit einigen Jahren unter der Bezeichnung "Lemix" auf dem Markt und verbinden moderne bauphysikalische Anforderungen mit dem seit Jahrhunderten bewährten Eigenschaften des Baustoffes. Lehm besitzt beispielsweise eine sehr geringe Ausgleichsfeuchte, gerade einmal 0,4 bis 0,6 Gewichtsprozent. Die Folge: Wenn Holz von Lehm umgeben ist, wird dieses dadurch entfeuchtet und trockengehalten.

Mit der Altbausanierung geht nicht selten auch der Wunsch des Bauherrn nach einer Anpassung der Raumaufteilung an moderne Wohnstandards einher. Gegen die zusätzliche Errichtung von Massivwänden im Innenbereich spricht allerdings häufig die sensible Statik alter Gebäude. Deren Gewicht könnte für die Tragfähigkeit von Decken, Wänden und Fundamenten problematisch werden. Will man also räumliche Flexibilität und geringe statische Belastung miteinander verknüpfen, so bieten sich als Alternative Holzwände mit einer Lehmbauplatten-Beplankung an. Auf ähnliche Weise lassen sich dabei auch schiefe Wände ohne viel Aufwand begradigen, indem man durch entsprechende Vorsatzschalen die zum Teil erheblichen Differenzen ausgleichen kann.

Ein wichtiges Ziel der Altbausanierung ist die Verbesserung der Lebensqualität. Lehmplatten punkten beispielsweise beim Schallschutz oder durch ihr hohes Wärmespeichervermögen. Letzteres bewirkt einen besonderen Schutz gegen die Sommerhitze und schafft ein angenehm kühles Klima in den Wohnräumen. Dieser Effekt sorgt auf natürlichem Wege für Gesundheit und Wohlbefinden der Bewohner, ohne den Einbau von Jalousien oder Klimaanlagen.

Eine weitere Eigenschaft betrifft ebenfalls das Raumklima: In der Fachliteratur wird dem Baustoff Lehm die Fähigkeit zugesprochen, Gerüche und Schadstoffe absorbieren zu können, was sich ähnlich wie die feuchteregulierende Wirkung des Materials positiv auf die Raumluftqualität und das Wohlbefinden auswirkt. Für ältere Bauwerke gewinnt dieser Umstand mitunter sogar eine besondere Bedeutung.

Denn oftmals wurden im Laufe der Jahrzehnte bei Renovierungen Schadstoffe eingebracht, beispielsweise Holzschutzmittel der 1960er und 1970er- Jahre, deren vollständige Entfernung nicht immer möglich ist. Neben den gesundheitlichen sind auch ökologische Gesichtspunkte von Belang. So sind Lehmplatten zu 100 % recycelbar und stehen hinsichtlich ihrer Inhaltsstoffe, die aus nachwachsenden Pflanzenfasern bestehen, auch für Nachhaltigkeit und (in der Produktion) für Energieeffizienz. Denn die Trocknung der Platten erfolgt mit überschüssiger Abwärme aus anderen Herstellungsprozessen.

Diese Pluspunkte wurden Lemix Ende 2017 durch eine natureplus-Zertifizierung bestätigt. natureplus e. V. ist eine Vereinigung von Bauexperten mit Umwelt- und Verbraucherschützern sowie kritischen Wissenschaftlern aus ganz Europa zur Förderung nachhaltigen Bauens und Wohnens. Die technischen Anforderungen für moderne, nach industriellem Standard gefertigte Lehmplatten sind seit Dezember 2018 in der DIN 18948 geregelt.

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Der Autor ist Dipl.-Ing. (FH) für Bauingenieurwesen und ist als Produktmanager bei der Hart Keramik AG, Waldsassen/Schirnding tätig. Er arbeitet unter anderem im Arbeitskreis Normung des Dachverband Lehm e. V. mit. Das Unternehmen stellt neben Lehmbauplatten auch Keramik-Schornsteinrohre und Hafner-Schamotte her.

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